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Alhaji Waziri Oshomah: "The Muslim Highlife of Alhaji Waziri Oshomah"

Alhaji Waziri Oshomah: "The Muslim Highlife of Alhaji Waziri Oshomah"

Alhaji Waziri Oshomah: Der Dancefloor-Prediger

Stand: 28.09.2022, 15:02 Uhr

2017 hat das von David Byrne gegründete Label Luaka Bop eine Serie gestartet, die "World Spirituality Classics" heißt und die die Beziehung von Musik und Glauben in verschiedenen spirituellen Gemeinschaften und Religionen auf der ganzen Welt präsentiert. Die dritte Veröffentlichung dieser Serie ist ein Album von Alhaji Waziri Oshomah. Er mischt die Gitarrenfolk-Traditionen seiner Heimat im Süden Nigerias mit westlichem Pop und westafrikanischem Highlife. Der von ihm erfundene Musikstil Muslim Highlife bringt Christen und Muslime auf dem Dancefloor gemeinsam zum Tanzen.

Von Anna-Bianca Krause

Alhaji Waziri Oshomah ist 76 und eigentlich wollte er sich längst zur Ruhe setzen. Denn nach über 60 Jahren Musik und vielen hundert Aufnahmen, die er gemacht hat, dachte er an Rückzug. Doch dann entdeckte Luaka Bop Label-Manager Eric Welles-Nyström, der immer wieder nach Nigeria reiste, in Lagos bei einem Plattensammler eine Platte von Oshomah. Sie war zwar völlig verstaubt und steckte in einem falschen Cover, doch schon beim ersten Anhören war klar, dass dieser Sänger und Musiker etwas ganz Besonderes war und anders klang, als alles, was Welles-Nyström bisher gehört hatte.

Also begab er sich auf die Suche nach Oshomah und nur ein Jahr später flog er wieder nach Nigeria, um einen Vetrag mit ihm zu machen. Veröffentlicht hat Luaka Bop nun in der Serie "World Spirituality Classics" Songs, die Oshomah zwischen Mitte der 70er- bis Mitte der 80er-Jahre aufgenommen hat. Durch die Entdeckung dieser Tracks bleibt dem Künstler nun Nichts anderes übrig, als weiter aufzutreten. Denn überall auf der Welt entdecken auch Jüngere den von ihm erfundenen Musikstil Muslim Highlife, diese mitreißende Mischung aus westafrikanischem Highlife, Gitarren-Folktraditionen seiner Heimatregion Afenmailand im Süden Nigerias und westlichem Pop, zu der Oshomah nicht singt, sondern predigt. Scheinbar ein Erfolgsrezept – die erste Welttournee ist in Planung.

Der Weg

Mit 10 Jahren schon hat Oshomah Highlife entdeckt, denn die Bands in seiner Region Afenmailand im Süden Nigerias spielten diesen Stil, der in den 50er-Jahren das ganze Land im Sturm eroberte. Und schon als Teenager luden ihn lokalen Gruppen auf die Bühne und ans Mikrofon ein. Doch Oshomahs Eltern, die streng gläubige Muslime waren, fürchteten, dass ihr Sohn durch die Musik in ein Leben voller Alkohol und Sünden gezogen würde und drohten, ihn zu verstoßen, wenn er mit Musik weitermachen würde. Doch Oshomah machte weiter, entwickelte jedoch, mit der Warnung seiner Eltern im Hinterkopf, eine Fusion aus tanzbarer Musik und moralischen, vom Islam geprägten Texten. Mit seiner ersten Band musste er noch kilometerweit zu den Gigs laufen und die Musiker trugen ihr Equipment auf dem Kopf. Damals fing Oshomah an, in den Clubs auf seiner Groove-Musik zu predigen. Manchmal auf Englisch, oft aber auch Etsako oder in anderen lokalen Sprachen. Heute ist er der Etsako-Superstar und der Musik-King seiner Region.

Dancefloor-Predigten

Alhaji Waziri Oshomah ist so wie Whoopi Goldberg als Nonne im Film Sister Act: Wenn er loslegt, wird man reingezogen in seine Songs, die zwischen acht und 17 Minuten lang sind. Er ist Muslim, aber in seinen Songs geht es um Themen, die in allen Religionen eine Rolle spielen: Liebe deinen Nächsten, gönne anderen Erfolg. Er warnt vor Eifersucht, weil man dadurch Bluthochdruck kriegt. In seiner Region leben Muslime und Christen einigermaßen friedlich miteinander. Und wenn Oshomah auftritt, tanzen sie zusammen auf dem Dancefloor. Alhaji Waziri Oshomah verbreitet zwar die Werte des Islam, aber wer hören will, was er zu sagen hat, muss tanzen kommen. Der Dancefloor als heiliger Ort.