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Woodstock: War da was?

Eine Szene vom Woodstock-Festival mit dem "Just Music"-Schriftzug.

Just Music

Woodstock: War da was?

Von Joachim Deicke

"Woodstock" steht bis heute für Musik unter freiem Himmel, für Drogen, Hippies und den großen Traum von einer besseren Zukunft. Vom 15. bis zum 18. August 1969 lief das Festival, das übrigens nicht in Woodstock stattfand. Das ist nur eine der vielen Legenden, die das Spektakel inzwischen begleiten.

Woodstock: War da was?

COSMO 10.08.2019 03:57 Min. Verfügbar bis 10.08.2020 COSMO

John Otway - Woodstock

Es waren nicht zwei Millionen, auch nicht eine halbe Million, sondern eher drei- oder vierhunderttausend Besucher*innen beim Woodstock-Festival vor 50 Jahren. Aber auch das reichte. Der Zaun um das Festivalgelände kippte, noch bevor die Kassenhäuschen standen. Danach war Woodstock gratis. Misstrauische Bands wie "The Who" beharrten auf Vorkasse.

The Who - We're Not Gonna Take It (Live, Woodstock)

Dabei sollte Woodstock eine lupenreine erz-kapitalistische Investition werden. Zwei umtriebige Jungmanager wollten sich ein Tonstudio finanzieren. Festivals waren ab 1966 "das neue heiße Ding". Woodstock war längst nicht das erste Spektakel seiner Größenordnung.

David Bowie - Memory of a Free Festival

Mindestens hunderttausend zahlende Gäste hatte man erwartet - so wie kurz zuvor in Denver oder in Atlanta. Oder beim "Atlantic City Pop Festival" - mit Canned Heat, Joe Cocker, Janis Joplin: also den gleichen Nasen, die zwei Wochen später in Woodstock dabei waren. Der feine Unterschied: Woodstock kam ins Kino: erst der Film hat die drei Tage "Peace and Music" zu einem Mythos gemacht.

John Denver - I Wish I Could Have Been There (Woodstock)

Dass man gegen den Vietnamkrieg und das "Establishment" war: geschenkt! Dass in Woodstock Drogen geschluckt, geschnupft und geraucht wurden: ganz normal! Zu wenig Klos; zu wenig Bier, zu wenig Burger! Ein Verkehrsinfarkt bis nach New York und ein Unwetter. Das Wunder von Woodstock war, dass keinem ernsthaft der Kragen platzte. Es blieb friedlich, optimistisch, "geschwisterlich", wie es einige Besucher nannten.

Melanie - Beautiful People (Live, Woodstock)

Dass die ganz großen Stars - die Stones, die Doors oder Dylan - fehlten, wurde von grandiosen Newcomern wett gemacht. Allerdings stellten ein paar Leute schon damals fest, dass mit Sly Stone, Richie Havens und Jimi Hendrix gerade mal drei schwarze Acts auf der Bühne standen. Drei von insgesamt 32!

Jimi Hendrix - Red House (Live, Woodstock)

Kein Thema: Es war großartige Musik und es hatte etwas Märchenhaftes, das dieses aus den Fugen geratene Festival nie implodierte; man hat die Bilder im Kopf - von schlammverkrusteten Hippies, die ihren Regentanz aufführen oder dem nackten Pärchen am See. "Woodstock" ist die Urlaubspostkarte der Generation "Batikshirt".

Thomas & Richard Frost - Woodstock

Je länger ein Tauchgang zurückliegt, desto größer werden die Fische. Woodstock hat ein halbes Jahrhundert später schon eine bedenkliche Dimension erreicht. Vom "Ende der Unschuld" wird da geredet, vom "Höhe- und Endpunkt der Hippie-Kultur", vom "Beginn eines neuen Bewusstseins". Ach, herrje! Aber manchmal ist ein Festival auch einfach nur ein Festival!

Matthews Sounthern Comfort - Woodstock

Stand: 10.08.2019, 13:40