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Venezuela und seine Musiker

Vier Männer stehen in einer Reihe auf eienr Wiese.

Just Music

Venezuela und seine Musiker

Anders als Kolumbien, Kuba oder Mexiko war Venezuela nie ein großer Musik-Exporteur. Irgendetwas fehlte, um Venezuelas Musik international populär zu machen. Viele Musikerinnen und Musiker leben inzwischen im Exil. Warum – das weiß Musik-Kolumnist Joachim Deicke.

Amigos Invisibles - Cuchi-Cuchi

Die "Amigos Invisibles" waren die ersten, die ihre Heimat verließen: Venezuela war ihnen zu eng geworden; sie wollten die ganze spanischsprachige Welt mit ihrer Musik beglücken – was ihnen denn auch gelang, nachdem sie ihre Zelte 1998 in den USA aufgeschlagen hatten. Dass im gleichen Jahr Hugo Chávez zum Präsidenten gewählt worden war, spielte bei ihrer Entscheidung keine Rolle.

Ali Primera - Canción Mansa Para Un Pueblo Bravo

Für Ali Primera begann mit dem Wahlsieg der Sozialisten sogar eine goldene Zeit: Endlich bekam der linke Liedermacher die Anerkennung, von der er geträumt hatte. Er wurde Vorbild und Botschafter des neuen,  revolutionären Venezuela. So wie viele glaubte er an eine bessere, Zukunft. Und auch aus dem Ausland gab es anfangs Applaus.

Ska-P - El Vals del Obrero

Spaniens Ska-P, Manu Chao, Maná und viele andere internationale Stars bejubelten Venezuelas Revolution. Auf sie sind die jungen Venezolaner heute besonders sauer: Auf die selbstgerechten Linken, die damals Loblieder auf Chávez sangen und die heute schweigen, wenn Maduro auf sein eigenes Volk schießen lässt.

Desorden Público - Bailando Sobre las Ruinas

"Desorden Publico" singen vom "Tanz auf den Ruinen": Das sind auch die Ruinen aus der vor-revolutionären Zeit, als Caracas eine Schaltstelle der Latin-Music war. Venezuelas wirtschaftliche Stärke hatte die internationalen Medien-Multis ins Land gelockt. Chávez vertrieb sie mit seinen sozialistischen Politik — vermutlich ohne es zu wollen.

Nacho & Franco de Vita (feat. Víctor Muñoz) - Valiente

Unter Staatschef Maduro — ab etwa 2014 — begannen auch die Musiker zu flüchten;  zumindest diejenigen, die es sich leisten konnten. "La Vida Bohème" hatten es satt, inmitten ständiger Unruhen zu leben. Ihr Manager wurde verschleppt; ein Tour-Agent erschossen. Die Gagen mussten hektisch in Dollars getauscht werden, weil das Geld seinen Wert immer schneller verlor. Und die Versorgung wurde von Woche zu Woche schlechter.

La Vida Bohème - Aún

In Mexiko haben "La Vida Bohème" noch einmal ganz klein angefangen, so wie Dutzende andere Musiker aus Venezuela. Oft mussten sie ihre Instrumente in der Heimat zurücklassen, weil horrende Ausfuhrzölle erhoben wurden. Immer blieben Freunde und Verwandte zurück – in dem Land mit riesigen, aber leeren Supermärkten und Shopping Malls.

Venezuela All-Stars - Prohibido Olvidar Venezuela

Rund dreißig Exil-Musiker haben sich zusammengetan und singen "Venezuela vergessen verboten!", aber viel bewegt haben sie mit ihrem Song nicht. Lateinamerikaner – von den USA bis nach Argentinien — haben gerade ganz andere Probleme. "Solidarität" gehört momentan nicht zu den angesagten Tugenden.         

Los Mesoneros - Sr. Prudencia

"Los Mesoneros" sind auch im Exil, so wie mittlerweile schätzungsweise zwei bis drei Millionen Venezolaner. Es könnten schlagartig noch mehr werden – jetzt, wo auch die USA, China und Russland ihre Interessen an dem heruntergewirtschafteten Erdöl-Land anmelden. Dann allerdings sind die Sorgen von Venezuelas Musikern das kleinste Problem.

Le Cinema - Resistencia!

Stand: 26.01.2019, 13:40