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"The day the music died"

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"The day the music died"

Am 3. Februar 1959 starben Richie Valens, The Big Bopper und Buddy Holly bei einem Flugzeugabsturz. "The day the music died" singt Don McLean in seinem Song "American Pie". War dieser Tag wirklich die Apokalypse für die Musik, fragt sich Musikkolumnist Joachim Deicke.

"The day the music died"

COSMO 02.02.2019 03:40 Min. COSMO

Don McLean - American Pie

Don McLean's "American Pie" ist zwar einer der rätselhaftesten Songs der Rock- und Pop-Geschichte, aber die Zeile mit dem Tag, an dem die Musik starb, hat nichts Geheimnisvolles. Der Tod von Buddy Holly, Richie Valens und The Big Bopper war vielleicht nicht der letzte, aber doch der größte Nagel, der in den Sarg des Rock'n'Roll geschlagen wurde. 1959 endete ein kurzer, aber lautstarker Traum.

Buddy Holly - That'll Be The Day

Buddy Holly war gerade dabei, der neue Superstar des Rock'n'Roll zu werden, als der Flugzeugabsturz in Iowa seine Karriere beendete – nach nur anderthalb Jahren. Und auch viele andere Prominente fielen 1959 aus: Elvis war bei der U.S.Army in Deutschland, und nach seiner Rückkehr wollte er nicht mehr den manischen Rocker mit dem erotischen Beckenschwung spielen.

Elvis Presley - Wooden Heart

Chuck Berry, der zuverlässig einen Rock'n'Roll-Klassiker nach dem nächsten rausgehauen hatte, musste ins Gefängnis – nicht direkt wegen seiner Affäre mit einer 14-Jährigen, sondern vor allem, weil er sie von einem US-Bundesstaat in einen anderen transportiert hatte: Strafbar nach einem alten amerikanischen Gesetz.

Chuck Berry - Come On

Auch Piano-Derwisch Jerry Lee Lewis war unten durch, nachdem bekannt wurde, dass er die Tochter einer Cousine geheiratet hatte, als sie gerade mal 13 war. Und der große Zampano der Ära, der Mann, der den Begriff "Rock'n'Roll" populär gemacht hatte; Alan Freed wurde mit dem Payola-Skandal abserviert. Der Radio- und Fernsehmoderator hatte sich bestechen lassen, um einzelne Songs nach oben zu pushen.

Red Lester and his Stilton Stetsons -  Payola Rolla Rock

Der Payola-Skandal zog gewaltige Kreise: Etliche Radio- und Fernsehleute mussten sich vor Gericht verantworten. Chart-Platzierungen und Verkaufszahlen: alles schien manipulierbar und korrupt. Und damit schwang 1959 das Pendel zurück: Schluss mit Rock'n'Roll! Stattdessen: brave, saubere Songs; weiße, lächelnde Schwiegersöhne in spe und Mädchen mit Pferdeschwanz und weißen Söckchen.

Frankie Avalon - Bobby Sox to Stockings

Viele rieben sich 1959 grinsend die Hände: Die Kirchen hatten jahrelang gegen den gottlosen Rock'n'Roll gewettert; Rassisten faselten von einer Unterwanderung der USA durch schwarze Musik; Soziologen witterten Zusammenhänge zwischen Musik und wachsender Jugendkriminalität. Und einige Politiker hielten die Rockmusik allen Ernstes für ein kommunistisches Komplott.

Bert Kaempfert - Wonderland by Night

Tanzorchester und Surf-Gitarren, DooWop und sanfter Pop bestimmten die Charts nach dem Schicksalsjahr 1959. Hätte man geahnt, dass der noch viel wildere britische Beat ab 1963 die riesige Musikindustrie der USA auf den zweiten Platz spülen würde: Vielleicht hätte man sich dann den amerikanischen Rock'n'Roll zurück gewünscht. Gestorben ist die Musik jedenfalls nicht — vor 60 Jahren.

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Stand: 02.02.2019, 13:40