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ESC-Stadt Tel Aviv

Die Stadt Tel Aviv mit dem "Just Music"-Schriftzug.

Just Music

ESC-Stadt Tel Aviv

Diese Woche werden wieder die Trickkleider rausgeholt, die Windmaschinen angeworfen und die Punkte aus Reykjavik und Chișinău abgefragt — am 18. Mai findet das Eurovision Song Contest-Finale in Tel Aviv statt. Israel liegt zwar gar nicht in Europa, ist aber trotzdem eine gute Wahl. Im Prinzip zumindest, sagt unser Musikkolumnist Joachim Deicke.

ESC-Stadt Tel Aviv

COSMO 11.05.2019 03:11 Min. Verfügbar bis 11.05.2020 COSMO

Maria Candido & Armand Migiani - Les Citrons De Tel Aviv

Wer den Eurovision Song Contest gewinnt, der darf die nächste Party ausrichten. Also ist Israel dran, und die Vorab-Proteste der BDS-Bewegung von wegen "demokratische Defizite" oder "Rassismus in Israel": geschenkt! Dann hätte der ESC auch nie in Aserbaidschan, Russland oder der Ukraine stattfinden dürfen.

Eduard Lazarev - Tel-Aviv

Im Prinzip war Tel Aviv eine gute Wahl: Jerusalem war schon zweimal der Austragungsort; und das moderne, weltliche Tel Aviv passt viel besser zum Spirit des schräg-bunten Wettbewerbs. Die Stadt am Meer hat zwar keine historischen Pilgerstätten, dafür aber die größte Uni, den wichtigsten Flughafen und die längsten Strände des Landes.

Goombay Dance Band - Tel Aviv

Tel Aviv hat sogar hunderte von Musikern inspiriert. Für kaum eine Stadt wurden mehr Stücke komponiert, als für die "Non-Stop City" am Ostrand des Mittelmeers. Erstaunlicherweise sind immens viele rein instrumentale House- und Elektro-Nummern dabei.

Fauna Flash - Tel Aviv (Peter Kruder's Bum Rush Discoteque Rmx.)

Tel Aviv-Jaffa hat rund 440.000 Einwohner, aber mit allen Vor- und Nebenorten kommen fast vier Millionen zusammen. In Jerusalem wird gebetet, so heißt es. In Tel Aviv arbeitet man. Allerdings unter einer ständigen Bedrohung: Der Gaza-Streifen, das Kerngebiet der palästinensischen Unabhängigkeitsbewegung, ist nur siebzig Kilometer entfernt. Noch im März waren von dort aus Raketen auf Tel Aviv gefeuert worden.

47Soul - Gamar

Im Moment herrscht ein Waffenstillstand, so kann man es gerade in jeder zweiten Meldung zum ESC lesen. Aber Entspannung sieht anders aus: Die Offensive ist nicht vorbei, erklärte Israels Premier Netanyahu. Und die Hamas könnte nur mit dem nächsten Angriff warten, bis die Kameras in Tel Aviv laufen.

Eddie Grimberg - Tel Aviv Shota L'chaim

Nicht zum Gaza-Streifen fahren, rät das Auswärtige Amt und auf Durchsagen im Radio und Fernsehen achten. Wer besonders ängstlich ist, kann sich aktuelle Informationen aufs Smartphone schicken lassen. Ansonsten aber wird abgewiegelt. Israels Luftabwehr funktioniert und: "Die Hamas wird ja nicht so blöd sein, sich durch einen Anschlag auf den ESC zu diskreditieren," las ich gerade auf einer Eurovision-Homepage. Blöd sind die Palästinenser sicher nicht. Aber viele sind sehr verzweifelt.

Skaa - Tel Aviv [Explicit]

Optimismus ist ja was Feines. Aber nur eine Autostunde südlich von Tel Aviv herrscht Krieg! Dort fanden gerade die schwersten Gefechte seit fünf Jahren statt. Allein am vergangenen Wochenende wurden mehrere hundert Raketen in Richtung Israel gestartet. Und es ist schon einigermaßen naiv, gewagt und befremdlich, die bunte, ausgelassene ESC-Party ausgerechnet in der Reichweite dieser Geschosse zu feiern.

Axel Elbaze - Tel Aviv

Stand: 11.05.2019, 13:40