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Ska! Ska! Ska!

Zwei schwarzen Männern im gleichen Outfit vor einem Garagentor.

Just Music

Ska! Ska! Ska!

Die Karibikinsel Jamaika ist klein, aber musikalisch hat die Insel dem ganzen Globus ihren Rhythmus aufgedrückt. Der Ska, Vorläufer des Reggaes, war ungemein populär. Überall auf der Welt gibt es Ska-Bands. Da lohnt es sich genauer hinzuhören, sagt unser Musikkolumnist Joachim Deicke.

Ska! Ska! Ska!

COSMO | 13.01.2018 | 03:35 Min.

Lititz Mento Band - Linstead Market

Während im britischen Trinidad der Calypso blühte, hatte Jamaica nur den Mento – mehr oder weniger witzige Folksongs, mit denen man vor allem die Touristen bespaßen konnte. Privat hörten junge Jamaikaner in den Fünfziger Jahren eher Jazz, Bebop, R'n'B, schwarze Musik. Die Mittelwellensender der USA lieferten frei Haus.

Ray Charles - Hallelujah I Love Her So

Etliche Jamaikaner eiferten Ray Charles, Fats Domino und Louis Jordan nach, aber mit ihrem eigenen Rhythmusgefühl und das sagte ihnen: "Wie langweilig, wenn der Riddim immer nur wie eine Dampflok rappelt. Lasst uns doch lieber mal den Gegenschlag betonen, den Off-Beat!"

Laurel Aitken - Hey Bartender (Hallelujah I Love Her So)

Ein paar besonders hartnäckige Fans fanden sich an der Alpha Boy School: Eine gnadenlos strenge Besserungsanstalt, die allerdings einen vorbildlichen Musikunterricht lieferte – seit einer großzügigen Spende auch mit einer Blaskapelle. Diese jungen Blechbläser wurden zur ersten Keimzelle des Ska.

Skatalites - Guns of Navarone

Blechbläser, der hüpfende Offbeat-Schlag, ein Faible für Filmmusik und ein oft sportliches Tempo: 1962, als Jamaica unabhängig wurde, stand der erste, eigene Musikstil: der Ska.

Baba Brooks Band - Independence Ska

Fünf, sechs Jahre lang waren überall auf Jamaica die "Rude Boys" unterwegs – junge Kerle in schwarzen Anzügen; Ska-Fans mit weißen Hemden, schmalen Kravatten und mit lustigen Hüten. Sie waren die Trendsetter bis der Ska so um 1967 vom langsameren Rocksteady abgelöst wurde; wenig später entstand der Reggae.

The Piglets - Here Comes Johnny Reggae

Der Ska überlebte, aber nicht in der Karibik, sondern in Englands Industriestädten, verblüffenderweise, weil auch Skinheads Gefallen an der Musik und ihren wilden Tänzen gefunden hatten. Viele dieser Jungs waren komplett unpolitisch; einige aber drifteten ins rechte, fremdenfeindliche Lager. Es wurde rauher in Britanniens Musikszene.

Specials - Skinhead Moonstomp

Aus dem britischen Vorstadt-Ska entwickelte sich die Two-Tone- Bewegung der späten Siebziger (nur echt mit Schachbrettmuster) als Zeichen schwarz-weißer Zusammenarbeit und Toleranz. Oft kamen dabei gemischte Bands zusammen, wie Selecter, Specials und The Beat.

The Beat - Tears of a Clown

Längst ist die dritte Welle des Ska angerollt: die komplette Globalisierung des jamaikanischen Flummie-Riddims. Es gibt Ska-Bands aus Uruguay und Japan, in Deutschland und Russland. Die Türkei hat mit der Ska-Truppe Athena sogar mal den vierten Platz beim Eurovision Song Contest gemacht.

Athena - For Real

Alles geht: Der jamaikanische Ska-Rhythmus ist heute Allgemeingut: Jeder kann ihn benutzen, und wenn man sich nicht ganz dumm anstellt, dann geht er immer noch auf direktem Weg in jedes Tanzbein.

Hacklers - Bring it Back

Stand: 13.01.2018, 13:30