Live hören
Jetzt läuft: Someone you loved von Lewis Capaldi

Wie umweltfreundlich ist die Musikindustrie?

Bühnenarbeiter von der Band U2 beim Aufbau.

Just Music

Wie umweltfreundlich ist die Musikindustrie?

Von Joachim Deicke

Gerade erfolgreiche Musiker*innen haben keinen optimalen CO2-Fußabdruck. Sie jetten mit ihrem Equipment im Flugzeug von Konzert zu Konzert. Unser Musikkolumnist Joachim Deicke nimmt die Musikindustrie in Sachen Klimafreundlichkeit genau unter die Lupe.

Wie umweltfreundlich ist die Musikindustrie?

COSMO 08.12.2019 03:35 Min. Verfügbar bis 08.12.2020 COSMO

Joni Mitchell - Big Yellow Taxi

Joni Mitchells "Big Yellow Taxi" im April 1970 war der erste erfolgreiche "Umweltsong": Da war schon alles drin — von der Flächenversiegelung über den Pestizideinsatz bis zum Artensterben. Allerdings: Wenn sie dieses Stück bei Konzerten und auf Festivals spielte, dann hat selbst Joni Mitchell dabei eine ganze Menge Strom verbraucht.

Jimi Hendrix - Purple Haze

In den sechziger Jahren wurde Rockmusik zur puren Power-Protzerei. Da wurden die Lautsprechertürme immer höher. 2.000, 5.000, 10.000 Watt und mehr sind nötig, um das Publikum zu beschallen. Dazu kommt die Elektrik auf der Bühne — und natürlich das Licht, Kühlschränke, Klimaanlagen, Computer. Ein ordentliches Festival kann ein mittelgroßes Kraftwerk beschäftigen.

Queen - Radio Gaga (Live Aid 1985)

Ton und Licht bei Festivals und Konzerten sind aber nur für einen Bruchteil der Emissionen verantwortlich. Weitaus mehr Energie wird durch die An- und Abreise von Musiker*innen und Publikum verbraucht. Eine der zurückliegenden Tourneen von U2, so haben Umweltaktivisten ausgerechnet, hat mehr Treibhausgase hinterlassen, als eine theoretische Reise von Bono und Co. zum Mars und zurück.

U2 - I Still Haven't Found What I'm Looking For

U2 haben wurden heftig kritisiert, als sie ihre tonnenschwere Bühnenausrüstung per Flugzeug nach Amerika bringen ließen, statt ein Frachtschiff zu chartern. Dennoch bleibt ihr eigener CO²-Fußabdruck noch deutlich kleiner, als die Spur, die Fans hinterlassen, wenn sie zu ihren Konzerten pilgern.

Massive Attack - Antistar

Massive Attack arbeiten gerade mit der University of Manchester zusammen, um eine Art CO²-Fußabdruck der Musikindustrie zu erstellen und um Alternativen aufzuzeigen. Die Möglichkeiten sind allerdings begrenzt, denn auch jenseits der Konzerte ist Musik eine ziemlich schmutzige Angelegenheit. Die alte Vinyl-Schallplatte besteht aus einem Kunststoff, der sich extrem langsam zersetzt und der beim Verbrennen besonders viele Gifte freisetzt.

Gattamolesta - You Spin Me Round (Like A Record)

Die CD wurde meist sogar in einer Plastikverpackung ausgeliefert. Und die Scheibe selbst enthält wertvolle Stoffe, die aber nur in einem aufwändigen, teuren Verfahren zurückgewonnen werden können. Das Streamen ist auch keine echte Alternative: Video-Streaming verbraucht so viel Energie wie eine 1.000-Watt Mikrowelle.

Les Cascadeurs - Streaming

Schon jetzt sind die Internet-Dienste ein ernsthafter Faktor im Energievierbrauch. Ihr Anteil an den weltweiten Emissionen soll bis 2025 auf acht Prozent steigen. Viele der Anbieter nutzen gern günstigen Kohle- und Atomstrom für ihre Server. Nun ist nicht alles Musik, was durch die Netze geschoben wird. Aber Experten schätzen, dass die Musikindustrie zu 2 bis 2,5 Prozent am Ausstoß der Treibhausgase beteiligt ist. Das wäre immerhin die Hälfte des viel kritisierten Flugverkehrs.

Motors - Airport

Stand: 08.12.2019, 10:50