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Pop und Politik in Uganda

Just Music: Der Musiker und Politiker Ssentamu (Bobi Wine) trägt eine rote Mütze.

Just Music

Pop und Politik in Uganda

In dem kleinen und bettelarmen Land Uganda regiert seit mehr als 30 Jahren der gleiche Präsident; anfangs als Hoffnungsträger für Reformen und eine Demokratisierung des Landes; heute einer, der Musiker schon mal verhaften lässt, wenn sie das Falsche singen, wenn sie Kritik an der Politik üben oder ihn verspotten. In Uganda ist Pop zu Politik geworden, sagt unser Musikkolumnist Joachim Deicke.

Just Music: Pop und Politik in Uganda

COSMO | 08.12.2018 | 03:25 Min.

Pallaso – Free Bobi Wine

"Freiheit für Bobi Wine" forderten Pallaso und viele andere Künstler in Ostafrika. Bobi Wine – der bekannteste Reggae-Musiker Ugandas war im August verhaftet worden. Mal warf man ihm illegalen Waffenbesitz vor, dann Anstiftung zur Gewalt und schließlich sogar Hochverrat. Mittlerweile ist er zwar gegen eine Kaution freigelassen worden, aber er hat schon wieder Stress mit dem Präsidenten.

Bobi Wine – Bad man

Bobi Wine, der ostafrikanische Reggae-König, schreibt seit Jahren Texte, in denen es auch um Politik, Armut und Korruption geht. Aber erst seit der Musiker einen Wahlkreis gewann und zum beliebtesten Oppositionspolitiker aufstieg, ist ein Kleinkrieg zwischen ihm und Ugandas Langzeit-Präsidenten ausgebrochen.   

Bobi Wine – Dembe

1986 wurde Yoweri Museveni Präsident von Uganda, und er versuchte anfangs durchaus, das Land vom Erbe brutaler Diktatoren wie Idi Amin zu befreien. Aber wie so oft: Museveni fand Spaß am Regieren und schaffte es bis heute an der Macht zu bleiben – nicht immer mit demokratischen Mitteln.

Bobi Wine – Bobi Wange

Im August wurde der Reggaestar, Schauspieler und Geschäftsmann Bobi Wine festgenommen; im Oktober musste er zusehen, wie sein geplantes Konzert in Ugandas Hauptstadt Kampala immer wieder abgesägt wurde. Alle paar Tage gab es neue Erklärung, weshalb er nicht im größten Stadion des Landes auftreten durfte. Mal war eine Hochzeit wichtiger; mal intervenierte Ugandas Fußballverband: Der Rasen könnte leiden.

Viboyo – Rap Up, Vol. 6 (2017)

Auch Sänger Viboyo wurde im Oktober verhaftet. Er hatte den Präsidenten "Buttocks" genannt – "Gesäß". Und nun traf es sogar die Fans von Bobi Wine: 80 von ihnen wurden unter fadenscheinigen Gründen festgenommen. Die Nerven liegen blank. Musik ist zu einem Machtfaktor geworden – in einem Land, in dem drei Viertel der Bevölkerung jünger als 30 sind.

Bebe Cool – Nsilikamu

Bebe Cool gehört zu den Musikern, die die amtierende Regierung unterstützen. Und wer im Dienste des Präsidenten rappt, toastet und singt, hat keine Auftritts-Probleme – und die besten Fernsehauftritte. Politiker, evangelikale Gruppierungen, Demokraten und Demagogen versuchen, Musiker auf ihre Seite zu ziehen. Es ist schwer geworden, neutral zu bleiben, meint Sängerin Sarah Zawedde.

Sarah Zawedde – Ndi Mukazi

Der Graben zwischen Regierungsunterstützern und Opposition geht inzwischen quer durch Ugandas erstaunlich vielseitige und professionelle Musikszene. Egal ob im HipHop, Afrobeat, Reggae oder in der älteren, einheimischen Kadongo-Kaamu-Musik: Überall wird Stimmung gemacht. Und ganz eindeutig: Die musikalischen Gegner des ewigen Präsidenten Museveni werden zahlreicher.

Sir Mathias Walukaga – Parliament Yaffe, Pt.1

Stand: 08.12.2018, 12:00