Live hören
Jetzt läuft: Love Gotchu High von AgaJon

Give Peace a Chance

Der Schriftzug "Just Music" auf Notenpapier.

Just Music

Give Peace a Chance

Am 1. Juni 1969 lag John Lennon zusammen mit Yoko Ono in einem Hotelbett in Montreal und dozierte über Krieg und Frieden, Musik und Politik. Und nicht nur das: Sie nahmen einen Song auf, der wenig später bis auf Platz 2 in England und Platz 4 in Deutschland kam. Das war alles Teil ihres zweiten "Bed-Ins For Love and Peace": jeweils sieben Tage im Pyjama – vor Kameras und Mikrofonen. Aber "Give Peace a Chance" war damals längst nicht der einzige Song gegen den Vietnam-Krieg, weiß Joachim Deicke in der COSMO-Musikkolumne.

Just Music: Give Peace a Chance

COSMO 01.06.2019 04:08 Min. Verfügbar bis 01.06.2020 COSMO

Plastic Ono Band – Give Peace a Chance

John Lennon war regelrecht zugewuchert, und auch seine angetraute Yoko hatte etwas Waldschratiges. "Hair Peace" stand auf einem der selbstgemalten Plakate. Ein Wortspiel – genauso seltsam und naiv wie die ganze Aktion des frisch verheirateten Paares: eine Woche im Schlafanzug – für Frieden und Völkerverständigung.

Plastic Ono Band – Give Peace a Chance

Es war die erste Solo-Single eines Beatles, und viele ahnten, dass mit diesem Song aus dem Hotelbett die Ära der Fab Four endete. Etwas Neues begann, und dazu war es nötig, die Sechziger hinter sich zu lassen – vor allem den Krieg in Vietnam, der genau diejenigen bedrohte, die von einer ganz anderen Zukunft träumten.

Barry McGuire – Eve of Destruction

"Du bist alt genug zu töten, aber nicht zum Wählen," ätzte Barry McGuire. Viele US-Soldaten waren Teenager, und bis 1969 wurden von Jahr zu Jahr mehr von ihnen nach Vietnam geschickt, in ein kleines, fremdes Land, auf der anderen Seite des Globus.

Country Joe McDonald – I Feel Like I'm Fixin' to Die Rag (Chorus: "What are we fighting for?")

Immer mehr junge Amerikaner fragten sich, für was sie da eigentlich kämpfen sollten. Gut eine halbe Million war im Frühjahr 69 schon im Einsatz: weitaus mehr davon Afro-Amerikaner, als ihrem Anteil an der US-Bevölkerung entsprach. Weiße – besonders die aus einflussreichen oder reichen Familien – fanden oft Wege, der Einberufung zu entgehen.

Creedence Clearwater Revival – Fortunate Son

"Ich bin keiner von den glücklichen Söhnen eines Senators oder eines Millionärs," dachte sich Jon Fogerty, als gemustert wurde. Er schrieb einen Song, und seine Band – CCR – landete einen Riesenhit. Der Vietnam-Krieg war absolut unpopulär; kaum jemand glaubte, dass man die USA wirklich im tropischen Asien verteidigen musste. Und noch schlimmer: Man verlor ständig – trotz haushoch überlegener Waffen, trotz Napalm, Flugzeugträgern und giftigen Entlaubungsmitteln.

Edwin Starr – War

Allein 1968 starben mehr als 16.000 – meist sehr junge – US-Amerikaner. Und immer mehr Eltern, Lehrer, Künstler, Bürgerrechtler und Desinteressierte schlossen sich den Protesten an. Auch im Ausland demonstrierte man gegen den Vietnam-Krieg, der aussah, als ob ein bildwütiger Goliath ein kleines Land in die Steinzeit bombardieren wollte. Auf jeden getöteten GI kamen 6-15 tote Vietnamesen – die meisten davon Zivilisten.

Rolling Stones – Gimme Shelter (bei 2'15)

"Vergewaltigung, Plünderung, Krieg: Es ist alles nur einen Schuss weit entfernt," sangen die Rolling Stones. Die Doors erzählten vom "Unbekannten Soldaten", Steppenwolf vom Kriegsdienstverweigerer, Bob Dylan, Marvin Gaye, die Supremes, David Bowie: Alle hatten ihre Anti-Kriegs-Songs. "Love and Peace" war damals mehr als ein sonniger Hippie-Slogan.

Melanie – Peace will Come

Später wurde der Mythos draus, dass Rockmusik eigentlich immer rebellisch und politisch wäre. Darüber kann man streiten. Aber damals – in den letzten Jahren des Vietnamkriegs – haben Musiker einiges dazu beigetragen, dass dieses Unternehmen so richtig unpopulär wurde.

Louis Armstrong - Give Peace a Chance

Stand: 01.06.2019, 15:25