50 Jahre "Blues Baroque"

Donovan

Just Music

50 Jahre "Blues Baroque"

Die Sechziger Jahre haben eine Menge Musikstile hervorgebracht, die bis heute laufen. Und dann waren da ein paar junge Damen und Herren, die sangen ernste Lieder, zupften unglaubliche Läufe und Klänge auf ihren akustischen Gitarren. Musikkolumnist Joachim Deicke hat sich mal bei diesen Gitarrenzauberern umgehört.

50 Jahre "Blues Baroque"

COSMO | 03.11.2018 | 03:48 Min.

John Martyn - Seven Black Roses

Bei diesem Song hatte John Martyn die volle Aufmerksamkeit seines Publikums und genau dafür hatte er ihn auch geschrieben: Eine aberwitzige Gitarrennummer mit fisseligem Fingerpicking und ein paar akrobatischen Tricks auf dem Griffbrett. Etwas in der Art hatte jeder der jungen Gitarristen drauf, die vor fünfzig Jahren in London unterwegs waren.

Bert Jansch - Blackwaterside

Bert Jansch: noch einer von auffällig vielen Schotten, die damals nach London zogen, um zu zeigen, dass man auf einer akustischen Gitarre auch ganz anders spielen konnte, als es in der Pop-Musik und im Blues üblich war. So konnte der - ebenfalls schottische - Gitarrenpicker Donovan sogar den Beatles noch etwas beibringen.

Donovan - Happiness Runs

Von ihm schnitten sich Paul und John eine ordentliche Scheibe ab. Plötzlich gab es auch bei ihnen kunstvoll gebrochene Gitarrenakkorde.

John Lennon - Look at Me

Initialzünder der "Blues Baroque"-Szene war der Gitarrist Davey Graham: Spätestens ab 1964 spielte er eine filigrane Musik, die Dylan und  orientalische Tonleitern; Bebop und Blues; keltische Folklore und europäische Klassik zusammen brachte. Berühmt wurde er damit nicht, aber Davey Graham wurde zur Vaterfigur dieser neuen Musikszene.

Davey Graham - Better Git In Your Soul

Selbst die abgedrehten Jazz-Kompositionen eins Charlie Mingus waren plötzlich auf der Gitarre spielbar. Exotische Stimmungen ließen die Saiten geheimnisvoll und fremd klingen. Auch der amerikanische Blues erhielt eine neue Farbe, als Britanniens Gitarrentüfler ihn aufgriffen.

Ralph McTell - Hesitation Blues

Hören konnte man die Gitarrenpioniere regelmäßig auf Londons U-Bahnhöfen oder in Unterführungen. Aber dort gingen die Feinheiten ihrer Musik meist unter: Die hörte man nur auf den wenigen Platten und in kleinen Clubkonzerten. Besonders Englands Folkclubs öffneten sich immer öfter für die neue, leise Gitarrenmusik.

John Renbourn - Can't Keep from Crying

Die Sängerin Jaqui McShea und der Gitarrist John Renbourn gehörten später zu den Mitgliedern der akustischen Folk-Jazztruppe Pentangle. Andere außergewöhnliche Gitarrenpioniere landeten in der neuen britischen Folkrockszene. Und wieder andere drifteten zur Rockmusik - so wie Marc Bolan, der in den Siebzigern mit T. Rex zum Superstar wurde.

Tyrannosaurus Rex - Deborah

Was die Musiker dieser "Blues Baroque"-Szene aus ihren Gitarren holten, war in jeder Hinsicht neu, bahnbrechend und spieltechnisch auf allerhöchstem Niveau. Rock-Götter wie Led Zeppelins Jimmy Page und Richie Blackmore von Deep Purple haben viele Tricks der meist unbekannten Gitarren-Picker kopiert. Die Originale und ihre Aufnahmen aus der Zeit von 1968 bis 74 sind jedoch bis heute ungeschlagen: So wie Martin Carthy und seine Versionen britischer Volkslieder.

Martin Carthy - King Henry

Stand: 03.11.2018, 12:34