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Afrobeats statt Afrobeat

Femi Kuti

Just Music

Afrobeats statt Afrobeat

Nigeria: Das Land mit der größten und jüngsten Bevölkerung Afrikas, mit der stärksten Wirtschaft und der wohl buntesten Kultur und Geschichte. "Afrobeats" ist der Sammelbegriff für nigerianische Musik geworden: Ein Etikett, mit dem die Musiker nicht so ganz glücklich sind. Warum das so ist, erzählt Musikkolumnist Joachim Deicke.

Afrobeats

COSMO | 03.08.2018 | 03:04 Min.

Fela Kuti - Igbe

Keine Frage: der Erfinder des Afrobeat war Fela Kuti. Vor bald fünfzig Jahren hat dieser Pionier westafrikanischer Musik den bis dahin tonangebenden Highlife mit Jazz, Soul und Funk verschmolzen. Und das schlug unglaublich ein. Bis heute wird dieser rhythmische, energiegeladene Stil gepflegt. Vorneweg Fela Kutis Sohn Femi.

Femi Kuti - Wonder Wonder

In einem Land mit mehr als 180 Millionen Einwohnern und starken sozialen, sprachlichen und religiösen Gegensätzen gibt es aber auch ganz andere Musik. Und die sorgt seit ein paar Jahren für immer mehr Interesse.  Nigeria - und das nicht weit entfernte Ghana - sind momentan die produktivsten Musik-Länder Afrikas.

D'banj - Oliver Twist

Inzwischen beobachtet man auch in Europa und Nordamerika die neue Musikszene am Golf von Guinea. Sogar Kanadas Rekord-Rapper Drake ließ sich vom neuen Nigeria-Sound inspirieren und heizte das Interesse noch weiter an.

Drake feat. WizKid and Tyla - One Dance

Aber was hat das jetzt mit dem bläsergetriebenen Funk-Stakkato von Fela Kuti zu tun? Ganz einfach: Die neue Musik aus Nigeria nennt sich "Afrobeats" - so wie Fela-Kutis alter Funk-Stil, nur mit einem "s" am Ende.

Fuse ODG - Million Pound Girl

Noch mal zum Mitschreiben: "Afrobeat" ist der afrikanische Soul-Funk, den Fela Kuti in den Siebzigern bekannt machte. "Afrobeats" mit einem "s" am Ende macht seit mehr als zehn Jahren die Runde – auch eine meist rhythmische Musik, aber ansonsten kaum festgelegt.

P-Square - E no Easy

Nicht ganz unschuldig an der Afrobeat-Verwirrung sind die vielen großen und kleinen Plattenfirmen, die der Musik gefolgt sind und ihre Büros in Nigeria eröffnet haben. Ihnen geht es nicht um Feinheiten wie ein griffiges Schlagwort. Bei ihnen geht es nur um Hits und Stars.

Tony Allen - Elewon Po

Probleme mit dem leblosen Sammelbegriff haben vor allem die klassischen Afrobeat-Musiker, die - so wie Tony Allan - in einem Topf mit den verschiedensten neuen Stilen gelandet sind. Aber auch einige der Newcomer mögen das Etikett nicht. Er ist ihnen zu beliebig, hat nichts mit ihrer Heimat zu tun und ignoriert die vielleicht größte Stärke ihrer Musik - die Vielfalt.

Tiwa Savage - Tiwa's Vibe

Sogar MTVs Westafrikanischer Ableger widmet sich jetzt mit hochkarätig besetzten Diskussionen dem Afrobeat-Dilemma. Unbefriedigendes Fazit nach der letzten Debatte: Man könnte die neue westafrikanische Musik ebensogut "Pop" nennen - so wie man es auch mit ähnlichen Songs aus Kanada, Schweden oder Neuseeland machen würde.

Wizkid - Ojuelegba

Stand: 04.08.2018, 08:39