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John Martyn wäre 70 geworden.

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John Martyn wäre 70 geworden.

An John Martyn erinnern sich heute wohl nur noch seine Fans aus den Siebzigern und etliche Musikerkollegen. Er starb 2009. John Martyn hat Neuland erobert und Maßstäbe gesetzt - meint unser Musikkolumnist Joachim Deicke. Er erinnert an einen Musiker, der am 11. September - 70 geworden wäre.

John Martyn wäre 70 geworden.

COSMO | 08.09.2018 | 03:41 Min.

John Martyn - Johnny Too Bad

"John Martyn ist uns in jeder Beziehung so weit voraus: Das ist einfach  unvorstellbar", hat mal der Gitarrenhalbgott Eric Clapton gesagt. Phil Collins und David Gilmour haben für ihn gespielt. Und die Kritiker überschlugen sich regelmäßig mit ihren Lobeshymnen - von seinem ersten bis zu seinem letzten Album.

John Martyn - May You Never

Mal war er der bärtige Romantiker - sanft, leise und filigran. Dann wieder konnte er ansteckend laut werden: Ein trinkfester Schotte, der bei jedem Unsinn dabei war; der auch mit fünfzig noch seine Grenzen suchte.

John Martyn - Look In

Mit einem Echogerät und allerlei schlau verdrahteten Effektpedalen, konnte sich John Martyn in eine One-Man-Band verwandeln. Und wenn er diese transistor-getriebene Siebziger-Jahre-Elektrik abschaltete, war er immer noch ein außergewöhnlicher Gitarrist.

John Martyn - Seven Black Roses

Mit solchen Vorzeigestückchen war der 17 jährige Iain McGeachy Mitte der Sechziger nach London gekommen. 1967 erschien sein erstes Album unter dem Künstlernamen John Martyn. Und drei Alben später hatte er das klampfende Songwriterdasein schon wieder hinter sich gelassen.

John & Beverley Martyn - Road to Ruin

Da mischten sich Jazz und Blues und Folk und ein grenzenloser Spieltrieb. Mitte der Siebziger passte John Martyns Musik kaum noch in irgendeine Schublade.

John Martyn - Outside In

John Martyn suchte nicht den Erfolg, sondern den Spaß. Er gilt als "Vater des TripHop", konnte sein Publikum aber auch mit leisen Folksongs oft zu Tränen rühren.

John Martyn - Spencer the Rover

Den sanften Momenten standen allerdings bisweilen unkontrollierte Ausbrüche gegenüber. Er konnte schreien, fluchen, eifersüchtig sein und zu Eifersucht Anlass geben. Es gab Streit, Gemeinheiten, häusliche Gewalt. Seine erste Ehe zerbrach Ende der Siebziger und Martyn versank in kreativem Trübsal.

John Martyn -Baby Please Come Home

John Martyns Alkoholexzesse wurden immer öfter von Unfällen begleitet: Mal brach er sich den Arm, mal ein paar Zehen. Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse: Überall zwickte es. Und nach einer üblen Knie-Infektion musste ihm 2003 das rechte Bein abgenommen werden.

John Martyn - Cobbles

Nach dieser Operation nahm John Martyn fast hundertdreißig Kilo zu. Er trat im Rollstuhl auf, bezeichnete sich selbst als "einbeinigen Sumo-Ringer". Und er machte weiter - erhielt einen der höchsten britischen Musikpreise für sein Lebenswerk; wurde mit einem Orden dekoriert, den er allerdings nicht mehr selbst in Empfang nehmen konnte. John Martyn starb - Anfang 2009 - an einer Lungenentzündung. Seine Musik lebt weiter - Musik, die immer noch eine Klasse für sich ist.

John Martyn - Can't Turn Back The Years

Stand: 08.09.2018, 12:02