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Der Mythos Marokko

Marokko als Thema bei Just Music

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Der Mythos Marokko

Von Joachim Deicke

Vor 50 Jahren starb Brian Jones. Der Gitarrist und Gründer der Rolling Stones war der erste in einer Reihe von Superstars, die nur 27 Jahre alt wurden. Zwei Jahre nach seinem Tod erschien das einzige Album: ungeschminkte Aufnahmen von einem Volksfest, die Jones kurz vor seinem Tod in Marokko gemacht hatte. Viele sehen in diesem Album die Anfänge der "World Music". COSMO-Kolumnist Joachim Deicke über den "Mythos Marokko".

Just Music: Der Mythos Marokko

03:27 Min. Verfügbar bis 29.06.2020

Master Musicians of Jajouka - I Am Calling Out (L Afta)

Viele Fans der Rolling Stones haben ziemlich sparsam geguckt, als 1971 das Album "Brian Jones Presents the Pipes of Pan at Joujouka" erschien. Das sollte das Vermächtnis des genialen Gitarristen sein? Zwei Plattenseiten mit ziemlich zugedröhnten Nordafrikanern und ihren Trommeln, Tröten und Gesängen? Nur diejenigen, die selbst in Marokko gewesen waren, konnten Brian Jones' Begeisterung verstehen.

Master Musicians of Jajouka - Joujouka, Pt. 4

Auch nicht anders: Aufnahmen, die der Schriftsteller, Musiker und Marokko-Kenner Paul Bowles bei einem Dorffest gemacht hatte. Seine Erzählungen aus dem nordafrikanischen Königreich waren es, die immer mehr junge Aussteiger in das Land zwischen Atlas und Atlantik lockten. Etliche hatten den Sound Marokkos lange vor Brian Jones entdeckt.

Donovan - Tangier

Donovan, der schottische Hippie-Barde, sang 1966 von der Armut und Fremdartigkeit der Hafenstadt Tanger. Jimi Hendrix, Cat Stevens und Ornette Coleman bereisten das Land. Und Robin Williamson brachte bei seiner Rückkehr einen ganzen Sack exotischer Instrumente mit, die alle bei seiner Incredible String Band zum Einsatz kamen.

Incredible String Band - You Know what you Should Be

Während George Harrison und die Beatles ihre Erleuchtung im fernen Indien suchten, zog es die meisten Hippies nach Marokko - leichter zu erreichen und mindestens ebenso bunt, exotisch und geheimnisvoll.

Crosby, Stills and Nash - Marakesh Express

Crosby Stills & Nash sangen beim Woodstock-Festival von der Reise im Marrakesch-Express, mit Hühnern und Schweinen im Abteil, von Schlangenbeschwörern, Patchouli und bunten Gewändern. Auf den Märkten gab es Jesus-Latschen, Wasserpfeifen und wild duftende Kräuter: Marokko weiß, was Hippies wünschen.

Dissidenten - Casablanca/  Wacha-Wacha

Die Dissidenten aus Berlin schlugen ihre Zelte etwas länger in Nordafrika auf, bestaunten die marokkanischen Musiker nicht nur, sondern taten sich Anfang der 80er Jahre mit ihnen zusammen. Da kam es wirklich zu einer Begegnung ganz unterschiedlicher Kulturen.

Page and Plant - Wah Wah

Auch Led Zeppelin - vielmehr ihre Vortänzer Jimmy Page und Robert Plant - ließen sich auf Sessions mit Marokkanern ein und stellten fest, dass sich jeder musikalische Gegensatz überwinden lässt.

Klaus Doldinger's Passport - Zidane

Sogar der große Filmkomponist und Jazzrock-Pionier Klaus Doldinger ließ sich - ein ganzes Album lang - auf Marokko ein. Aber der Graben ist vielleicht auch gar nicht so tief: Nordafrika ist die Heimat diverser Lauten und anderer Saiteninstrumente. Als Spanien maurisch war, sickerte viel von der arabischen Kultur in Europa ein. Wie nah man sich sein kann, zeigten schließlich die Rolling Stones, die 20 Jahre nach dem Tod von Brian Jones noch einmal nach Marokko reisten, um das aufzunehmen, wovon ihr Gitarrist damals geträumt hatte.

Rolling Stones - Continental Drift

Stand: 29.06.2019, 17:14