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Albinismus in der Musikindustrie

Salif Keita

Just Music

Albinismus in der Musikindustrie

"Un Autre Blanc" heißt das Album von Salif Keita. Er ist der erste internationale Star aus Mali, der mit Albinismus zur Welt kam. Salif Keita ist aber längst nicht der einzige Musiker, der sich damit arrangieren musste, extrem hellhäutig zu sein. Fast alle mussten sich erstmal gegen Vorurteile und Ablehnung durchsetzen. In unserer heutigen Musikkolumne mit Joachim Deicke geht es um dieses "andere Weiß".

Albinismus in der Musikindustrie

COSMO | 12.01.2019 | 03:20 Min.

Salif Keita - Were Were

Etwa einer von 20.000 kommt ohne die Pigmente zur Welt, die uns rot, braun, schwarz oder beige machen. In Afrika allerdings sind es doppelt so viele - und dort fallen Menschen mit Albinismus natürlich besonders auf. Fast überall wurden sie gefürchtet, gemieden und ausgestoßen.

Salif Keita - Tonton

Salif Keita musste sich nicht alles gefallen, denn er stammt aus einer der ältesten, prominentesten Familien Malis. Mit einem Keita legte man sich einfach nicht an. Und obwohl Salif gar nicht aus der Kaste der Musiker kam, stieg er in den Sechzigern bei Malis legendärer Rail Band ein.

Rail Band - Kankoun

In den Achtzigern wurde Salif Keita in Europa zu einer der führenden Figuren der damals neuen World Music Szene. Dass er so verblüffend helle Haut hatte, machte ihn dabei nur noch interessanter.

Yellowman - Yellow Like Cheese

Auch der Jamaikaner Winston Foster ist - wie er es nennt - „gelb wie Käse". Mit einem trotzigen Selbstbewusstsein, jeder Menge Humor und schlagfertigen Improvisationen überwand er die Vorurteile seiner Heimat und wurde zu einem der absoluten Stars der Dancehall-Szene.

Al-Beeno - No Better No Dah

Corrie Moody legte sich den Künstlernamen "Al Beeno" zu, wird aber in der Karibik gerne "Prince Yellowman" genannt. Auch er muss aber immer noch gegen den Volksglauben ansingen, nach dem Menschen mit Albinismus "Verfluchte" sind, im Bunde mit dunklen Mächten. In Europa und Nordamerika ist man etwas toleranter. Aber Musiker wie Johnny Winter hatten es - vor allem in der Kindheit - auch nicht gerade leicht.

Johnny Winter - Rock'n'Roll Hoochie-Coo

In unseren Breiten, wo viele blond, blauäugig und hellhäutig sind, fallen Menschen mit Albinismus relativ wenig auf. Ganz im Gegenteil: Hier wurde oft spekuliert, ob nicht Heino oder der britische Politiker Boris Johnson zu wenig Farbpigmente entwickeln. In beiden Fällen ist die Vermutung falsch. Aber überall da, wo eine Mehrheit dunkelhäutig ist, fallen Menschen mit Albinismus auf, wie ein - pardon! - "bunter Hund". Auch in Brasilien.

Hermeto Pascoal - Festa Na Lua

Der Brasilianer Hermeto Pascoal avancierte zu einem der erfolgreichsten Jazz-Musiker seiner Heimat. Und in der alten R'n'B'-Szene glänzte Willie Lee Perryman - alias "Piano Red" - schon in den Dreißiger Jahren.

Piano Red - The Wrong Yoyo

Der Erfolg der Musiker mit Albinismus darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen mit dieser Pigmentstörung in vielen Ländern der Welt diskriminiert und sogar getötet werden. Nach dem Bericht einer kanadischen Hilfsorganisation wurden in den letzten zehn Jahren mehr als 200 Menschen mit Albinismus ermordet. Aberglaube kann oft sehr hartnäckig und manchmal tödlich sein.

Salif Keita - Cono

Stand: 12.01.2019, 12:57