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40 Jahre Talking Heads - "77"

Das rein rote Cover des Talking Heads Albums "77"

Global Pop Classics feiern Geburtstag

40 Jahre Talking Heads - "77"

Von Marc Mühlenbrock

Wenn sich ein Album allein wegen des Titels für ein Jubiläum dieses Jahr aufdrängt, dann ist das "'77" von den Talking Heads, erschienen Mitte September eben des Jahres 1977. Es ist der Anfang der Karriere der Band von David Byrne, die Talking Heads sind die Post-Punk Band aus New York schlechthin und gelten heute auch als Pioniere in der Verbindung von Gitarrenmusik und Global Pop.

1977 bricht eine neue Zeit in der Musik an. Rock, Blues und Country erscheinen altmodisch, Punk wird schnell das neue, heiße Ding. Die vier ehemaligen Kunsthochschulstudenten von den Talking Heads spielen zwar auch im legendären New Yorker Punkclub CBGB's, doch sie sind zu intellektuell, zu gut an ihren Instrumenten und haben ein zu großes Musikwissen, um glaubhaft dreckigen DIY-Sound von der Straße zu spielen. Die Kritik an der Regierung packen sie lieber in subtile Ironie, zum Beispiel in dem Song "Don't Worry About The Government".

Die Liebe, Stakkato und Steel Drums

Der Song klingt dabei positiv, genauso wie die meisten auf "'77”. Gleich das Eröffnungsstück versprüht positive Energie. "Uh-Oh Love Comes To Town" schreit David Byrne den Einwohnern New Yorks entgegen. Die Talking Heads bringen die Liebe mit - und natürlich einen ganz neuen Sound. Der entfaltet sich vor allem im Laufe des Albums in endloser Eklektik, wie eine Block Party in Downtown Manhattan. Dieser erste Song lebt von einem für eine Gitarrenband damals ungewöhnlichen Motown-Vibe. Danach geht bei den Talking Heads alles: kantige Gitarrenriffs, plötzliche Tempo-Wechsel, Stakkato-Rhythmen, Steel Drums, Funk und Pop. Trotzdem klingt "'77" angenehm bekannt, wie ein guter Freund auf Weltreise.

David Byrne und der "Psycho Killer"

Die Vielfalt werden die Talking Heads bald weiter ausbauen mit Soundvisionär Brian Eno, der als Produzent die kommenden Alben der Band prägen wird. Auf dem Debüt ist dafür noch hauptverantwortlich der heutige Global Pop Held und Mastermind der Band David Byrne - er schreibt die Songs und singt sie mit seiner hypernervösen Stimme. In "Psycho Killer" zum Beispiel singt er auf englisch und französisch einen Text wie aus einer Therapiesitzung beim Psychiater mitgeschnitten. Zur Zeit der Veröffentlichung des Songs als Single beherrschen in der US-Presse die "Son of Sam"-Serienmorde in New York die Schlagzeilen. Ein gruseliger Zufall, denn das Lied ist zu dem Zeitpunkt eigentlich schon vier Jahre alt. Auch wegen dieses Zufalls wird der merkwürdigste Song auf "‘77" zum größten Hit des Albums. Aber es ist eben auch ein Markenzeichen der Talking Heads, bei all dem Nerdtum doch unfassbar catchy zu klingen.

Inbegriff des Art Pop

Das Image der Nerds wird die Talking Heads ihr ganzes Bandleben lang begleiten. Sie gelten auch heute noch als Inbegriff des Art Pop und als eine der ersten Post Punk Bands überhaupt - und das noch bevor Punk so richtig groß wurde. 1977 war noch nicht klar, dass sie es von der Kunsthochschule in Rhode Island über die Punk Clubs in Downtown New York bis in das große Musikbusiness in Uptown Manhattan und damit in die Charts schaffen würden. "'77" war ein wagemutiges Statement im Jahr seiner Erscheinung und klingt noch heute seiner Zeit weit voraus.

Talking Heads - "'77"

COSMO Global Pop Classics | 02.10.2017 | 02:36 Min.

 

Stand: 02.10.2017, 06:00