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Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

Altın Gün – Ordunun Dereleri

Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

Altın Gün besingen eine alte Liebe am Fluss, Aluna von AlunaGeorge schnappt sich fürs Soloprojekt die Future-Beats von Kaytranada und Pa Salieu mischt die UK-Rap-Szene auf – das sind unsere fünf Songs der Woche!

Altın Gün – Ordunun Dereleri

Anatolische Psych-Rock-Klänge aus den Siebzigerjahren – das ist der Sound, den wir von Altın Gün gewöhnt sind. Mit "Ordunun Dereleri" kommt die türkisch-niederländische Combo dieser Tage zurück und addiert ein neues Jahrzehnt zu ihrem musikalischen Fundus: Synth-Sounds aus den Achtzigerjahren. Die verleihen "Ordunun Delereri" was Eindringliches, Mysteriöses, aber vor allem ordentlich Drama: Der Track bedeutet übersetzt "Die Flüsse von Ordu" und ist ein türkischer Folk-Song, der die tragische Liebesgeschichte einer Frau erzählt, die jeden Morgen zum Fluss geht, um ihre verflossene Liebe zu besingen – in der Hoffnung, dass diese wieder auftaucht. Sprachlich und thematisch bleibt man sich im Hause Altın Gün trotz kleiner Zeitreise also treu. Übrigens ist der Track auch der erste Vorbote auf das kommende Album "Yol", das am 26. Februar 2021 erscheinen soll.

Aluna & Kaytranada feat. Rema – The Recipe

Wenn Kaytranada Hand am Beat angelegt, dann verspricht das eine ziemlich smoothe Angelegenheit zu werden – ausnahmslos. Auf die Future-Beats des Kanadiers fährt auch Aluna aus London ab, normalerweise im Duo mit AlunaGeorge unterwegs, die sich Kaytras Klangkunst für ihre Single "The Recipe" gesichert hat. Und klar: Der Track macht ordentlich Lust auf Bewegung. Neben Bässen und spacigen Synths bekommt er mit dem Part von Rema aus Nigeria außerdem eine ordentliche Ladung Afrobeats verpasst. Zu hören ist "The Recipe" auf Alunas aktuellem Album "Renaissance", auf dem sie Sounds für Dancefloor und Headspace gleichermaßen liefert. Passend zum Titel hat sich die Sängerin im dazugehörigen Video mit pompösen Federschmuck im Haar ins Ball-Dress geworfen und wird von gleich mehreren Menschen zum Tanz aufgefordert.

Pa Salieu feat. Mahalia – Energy

Mit sechs Tracks in einem Jahr auf der Habenseite hat sich Pa Salieu zu einem der spannendsten Newcomer des britischen Rap gemausert. Mal eindeutig Straße, mal eher soft weiß sich der Rapper aus Coventry, mit Roots in Gambia, zu präsentieren. Wie der Name schon vermuten lässt, gehört "Energy" eher zu den Hoffnung spendenden Tracks. "Protect your energy" lautet die Message, die von R'n'B-Sängerin Mahalia unterstützt wird. Weniger Neid, dafür mehr Selfcare. Pa Salieu sagt selbst über den Track: "Ich bin hunderte Male gestorben, aber ich kämpfe immer weiter!" Anders als der gerne mal roughere Straßensound des Rappers gibt es hier leichte Afrobeats-, Dancehall- und Pop-Vibes dazu. Sein Debüt-Projekt "Send Them To Coventry" ist jetzt draußen.

Hope Tala feat. Aminé – Cherries

R'n'B und Bossa Nova – auf diese unschlagbare Combo setzt die Londonerin Hope Tala mit ihrer Musik. Ein Sound zwischen Herzschmerz der Neunziger und Strandspaziergängen am Praia de Ipanema. Millionen von Klicks sammelt die Sängerin mit ihren EPs. "Girl Eats Sun" ist Nummer drei, auf der auch "Cherries" zu hören ist. Der Track ist zusammen mit US-Rapper Aminé entstanden, der eigentlich für die humoristische Note zuständig ist, aber hier ganz sinnlich vor sich hin rappt. Passend, denn für Sinnlichkeit steht auch das Bild, das Hope mit dem Titel malt: "Cherries", also Kirschen, sind eine Metapher für den Körper und nicht die einzige Fruchtreferenz, die die Sängerin auf der EP macht. Sie ist nämlich fasziniert vom Garten Eden – und Shakespeare. Der findet dann wiederum im dazugehörigen Video mit Renaissance-Look noch Einzug.

Moktar Gania & Gnawa Soul – Alla a Soudane (Ben Arsenal Remix)

In der marokkanischen Gnawa-Szene gilt Moktar Gania zu den großen Spielern der Gimbri, einer gezupften Kastenhalslaute, die in der Maghreb-Region weit verbreitet ist. Aktuell arbeitet er mit Gnawa Soul an einem Album, das sich gänzlich dem Genre widmet. Um die Wartezeit aber ein wenig zu verkürzen, gibt es jetzt schon mal einen Vorboten in Form einer EP: "Alla a Soudane" heißt sie, wobei besagter Track in unterschiedliche Remixe gekleidet wird. Zum Beispiel von Ben Arsenal vom Worldtown Soundsystem, der den traditionellen Track ready für den Club macht. Der Titel heißt so viel wie "Gott des Sudan" und bezieht sich auf die Geschichte des Gnawa-Volkes, die die Nachfahren von einst versklavten Menschen aus Westafrika sind, die nach Marokko gebracht wurden.

Stand: 20.11.2020, 18:00