Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

Joy Denalane – I Gotta Know

Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

Joy Denalane veröffentlicht einen Meilenstein des deutschen Souls, Nicolas Michaux serviert uns in seinem neuen Video das Horrorjahr 2020 und Nicki Nicole ist die neue Stimme des jungen Argentiniens – das sind unsere fünf Songs der Woche.

Joy Denalane – I Gotta Know

Mit ihrem neuen Album "Let Yourself Be Loved" ist Joy Denalane ein echter Meilenstein gelungen: Sie ist die erste Deutsche, die ein Album bei der Soul-Instanz Motown Records rausbringt. Die Platte ist eine Hommage an die Selbstliebe geworden und ein Appell, für sich selbst einzustehen. Letzteres macht sie zum Beispiel auf "I Gotta Know", den Joy kürzlich im Metropol Berlin performt hat. Ein Track, der förmlich nach Motown schreit: Mit treibenden Soul-Vibes zwischen Eindringlichkeit und Gelassenheit erinnert Joy hier an Klassiker wie Aretha Franklins "Respect". "I need some answers, boy!", lautet ihre Ansage, während der Geliebte Spielchen spielt. Nicht mit der deutschen Soulqueen!

Alyona Alyona – Sumno

Eine Nacht im August: Die ukrainische TV-Moderatorin Anastasiya Lugova fährt im Zug mit ihrem kleinen Sohn nach Hause, als ein Mann sie angreift und versucht zu vergewaltigen. Letzteres konnte sie verhindern, aber die Verletzungen und Hämatome sind noch immer zu sehen, als Anastasiya sich entschließt, im neuen Video von Alyona Alyona ihre Geschichte zu erzählen. Sie wirkt verletztlich, bewegt nur die Lippen, aber transportiert damit gleichzeitig so viel Stärke. Alyona Alyona, die in ukrainischen Rapkreisen als die Stimme des Feminismus gilt, hat den Song gegen Gewalt an Frauen geschrieben. "Sumno" bedeutet so viel wie traurig und Anastasiya steht dabei stellvertretend für alle Frauen, die in Angst leben, die leiden und um das Leben ihrer Kinder kämpfen. Ein richtig krasser Gänsehaut-Track!

Nicolas Michaux – Parrot

Rassistische Polizeigewalt, korrupte Staatsoberhäupter führen Ego-Kämpfe auf Kosten der Menschheit und Amazon-Gründer Jeff Bezos macht an einem Tag 13 Milliarden Dollar, während in Lateinamerika jährlich tausende Frauen aufgrund ihres Geschlechts ermordet werden. Das sind nur ein paar Dinge, die in der Welt falsch laufen und im neuen Video des belgischen Sängers Nicolas Michaux aufgriffen werden. Nach dem Motto "2020 in your face" wurden in "Parrot" aktuelle Nachrichtenbilder im Takt der Musik zusammengeschnitten. Der Track prangert die Abwartehaltung und Passivität vieler Menschen an – die vergleicht er mit einem Papagei, der einfach alles nachplappert. Zu hören auf dem kommenden Album "Amour Colère".

Nicki Nicole – Mala Vida

Nicki Nicole, 20 Jahre alt, aus Argentinien wird derzeit als die neue Hoffnungsträgerin der dortigen Pop- und HipHop-Szene gehandelt. Denn auf Streamingplattformen kassierte sie in den letzten Monaten Klicks in Millionenhöhe und hat mit vier Singles gleichzeitig in den argentinischen Charts einen Rekord gebrochen. Irgendwo zwischen Billie Eilish und Doja Cat lässt sich Nicki Nicole wohl am treffendsten lokalisieren. Ihren Namen hat sie einer Comic-Figur entnommen. Letztes Jahr ist mit "Recuerdos" ihr erstes Album erschienen und schon jetzt schießt Nicki mit neuen Raps um sich. Zum Beispiel in "Mala Vida", dessen Video an ein Zwanzigerjahre-Gangster-Filmdrama erinnert.

Murda & Ezhel – Duman

Das wilde Rapper-Leben in Berlin – davon rappen Murda & Ezhel auf ihrem Track "Duman". Gerade erst haben die beiden ein gemeinsames Album rausgebracht: "Made In Turkey" erzählt vom Leben junger Türk*innen in Europa. Ezhel lebt seit geraumer Zeit in Berlin – aus politischen Gründen. Murda in Amsterdam. Das Album ist zwar eindeutig eine Rap-Platte, bedient sich aber weitaus mehr Stilen als klassischen HipHop-Sounds, wie auch "Duman" zeigt. Neben der Standardausstattung aus Trap-Sounds hören wir hier westafrikanische Gitarren, während beide auf Türkisch und Ezhel zusätzlich auf Spanisch rappt. Dazu wird ordentlich Rauch ("Duman") in die Luft geblasen und Party gemacht.

Stand: 11.09.2020, 15:00