Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

Cover von CéUs Album "Apka!"

Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

Céu nimmt uns mit in den tropischen Dschungel, Tarek K.I.Z feiert Hochzeit in der Ukraine und Muqata'a offenbart uns den palästinensischen Dance-Untergrund - das sind unsere fünf Songs der Woche.

Céu - Corpocontinente

In ihrem neuen Video "Corpocontinente" nimmt Céu uns mit auf einen ganz besonderen Trip: Nach dem Inhalieren einer ominösen Substanz landet der Protagonist im Video in einer feenhaften Welt im tropischen Urwald, in dem die brasilianische Sängerin als Herrscherin thront. Der Protagonist kämpft sich über nebelige Seen und durch verwachsene Wälder - bevor er seine Angebetete aber erreicht, bricht er zusammen. Das Video wurde von Rodrigo Saavedra produziert, der damit nicht nur die Beziehung zwischen zwei Menschen hervorheben will, sondern auch die Beziehung der Menschen zu ihrem Land - in diesem Fall Brasilien. Zu hören ist "Corpocontinente" auf Céus aktuellen Album "Apká", das schon im letzten September erschienen ist.

Tarek K.I.Z - Liebe

Mit "Golem" hat Tarek von K.I.Z nicht nur sein Solodebüt abgeliefert, sondern auch ein Album über sein Seelenleben. Entgegen aller Erwartungen setzt der Berliner nicht allzu sehr auf den gewohnt ironisch-überzogenen und dunklen Humor der Combo, sondern beschäftigt sich vor allem mit Themen wie Liebe, Selbstzerstörung, Verlust und Ängsten. Der Titel "Liebe" gibt das Subjekt direkt vor. Allerdings sollte man hier keine Friede-Freude-Romantik erwarten, sondern einen Track übers Scheitern ebenjener. "Liebe" erzählt nämlich vom viel zu realistischen Fall, in dem die Vergangenheit das neue Glück blockiert oder sogar zu zerstören droht. Trotzdem (oder gerade deshalb) feiert Tarek Hochzeit in der Ukraine - allerdings eskaliert diese erwartungsgemäß mit Schlägereien und zu viel Alk. Man kriegt vielleicht den Jungen vorübergehend aus K.I.Z, aber K.I.Z nicht aus dem Jungen.

Christine & The Queens – People, I've been sad

Spätestens seit ihrem Album "Chris" von 2018 ist Héloïse Adelaïde aka Christine & The Queens aus dem europäischen Pop-Diskurs nicht mehr wegzudenken. Mit ihrem dritten Album hat die Chanteuse aus Nantes musikalisch wie gendertechnisch jegliche Grenzen eingerissen. "Chris", wie Christine fortan auch genannt werden möchte, ist eine musikalische Suche nach der eigenen Identität, die jetzt mit "People, I've been sad" weitergeschrieben wird. Eine Ballade aus New-Wave- und Pop-Elementen, die mit Lyrics auf Englisch und Französisch, aber vor allem großen Emotionen gespickt wird. Dabei greift sie ein sehr persönliches Thema auf: Depressionen. Ob mit der neuen Single jetzt auch der nächste Langspieler ansteht, ist derzeit noch unklar. Christine & the Queens hat den Track nämlich jetzt erstmals im Zuge des Online-Formats Colors präsentiert.

Muqata’a feat. Mehdi Haddab & Walaa Sbait - Uru Salem

#Electrosteen - unter diesem Hashtag kommen dieser Tage die spannendsten Künstler des palästinensischen Elektro-Untergrunds zusammen. Auf dem Album werden traditionellen Folklore-Lieder ein modernes Gewand verpasst, die eigentlich auf Hochzeiten, Beerdigungen oder anderen Festen gespielt werden. Lyrics gibt es meist nicht, denn die dichten die Angehörigen eigenständig hinzu. Initiiert hat das Projekt Rashid Abdelhamid, der für die gemeinsame Platte Künstler*Innen wie Muqata’a, Nasser Halahlih oder Sara gewinnen konnte, die erste DJ aus Palästina. Auf "Uru Salem" werden zum Beispiel E-Gitarren und Synths mit Sound-Verzerrungen und palästinensischen Percussions vermischt. Dabei geht es den Künstlern und Producern vor allem darum, Palästina auf die Landkarte der internationalen, elektronischen Musik zu setzen, aber auch die Wahrnehmung des Landes abseits von Krieg und Konflikten zu stärken.

Awa Ly - Mesmerizing

Mit "Close Your Eyes" hatte Awa Ly vor einigen Wochen ihr kommendes Album angekündigt: "Safe And Sound" soll am 20. März erscheinen. Und auch darauf wird die französische Sängerin mit senegalesischen Wurzeln ihre Faszination für Mystik in vollen Zügen ausleben. "Mesmerizing" heißt die nächste Single, die Lust auf die Platte macht. Ein zartes Klang-Arrangement aus Streichern, leichten Bässen und Drums. Aber natürlich auch der zauberhaft-sanften Stimme von Awa Ly. Auch im dazugehörigen Video gibt sich Awa Ly gewohnt magisch und präsentiert sich mal in einem weißen Kleid umgeben von tanzenden Kindern, mal auf einem Pferd den Strand entlang reitend oder beim Feiern schamanenähnlicher Rituale am Lagerfeuer - Hauptsache königlich und geheimnisvoll.

Stand: 07.02.2020, 16:00