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Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

Rosalía – A Palé

Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

Rosalía treibt Bässe durchs Industriegebiet, Capicua zollt ihren großen, weiblichen Idolen Respekt und die Fokn Bois strecken den Mittelfinger in Richtung Homophobie – das sind unsere fünf Songs der Woche.

Rosalía – A Palé

Was Rosalía dieser Tage anfasst, wird zu Gold. Die Katalanin macht einfach alles richtig, wird musikalisch wie ästhetisch von der Meute und großen Stars gehypt und ist zweifelsohne das Aushängeschild der europäischen Musikszene. Ihr spektakulärer Auftritt und die Auszeichnung für die beste Kollabo mit J Balvin bei den MTV European Music Awards sprechen für sich. Und auch wenn ihr letztes Album "El Mal Querer" mittlerweile schon ein Jahr zurückliegt, weiß Rosalía ihre Fans bei der Stange zu halten: Die neue Single heißt "A Palé" und ist eine bassdurchtriebene und düstere Dance-Nummer. Im dazugehörigen Video zeigt sich die Sängerin mit Monobraue im Stile von Frida Kahlo und lässt uns in einem Industriegebiet an ihren mittlerweile schon legendären Performance-Künsten teilhaben. Die Location ist nicht zufällig gewählt: Rosalía ist nämlich in einem Vorort von Barcelona aufgewachsen, der fürs Fuhrwesen bekannt ist.

Capicua feat. Karol Conká – Madrepérola

Eine starke Hommage an starke Frauen kommt dieser Tage von Capicua aus Portugal. Grace Jones, Simone de Beauvoir, Maya Angelou oder Cardi B sind nur ein paar Namen, die in dem Ikonen-Rundumschlag "Madrepérola" fallen – egal ob Poetin, Wissenschaftlerin oder Rapperin. Capicua selbst ist dieser Tage aber nicht nur von starken Frauen inspiriert, sondern auch von der Mutterschaft, die sie fürs kommende Album "Madrepérola" maßgeblich beeinflusst hat. Unterstützung gibt's dabei von selbst Mama und Rapsuperstar Karol Conká aus Brasilien, die den lusophonen Legendenwalk perfekt macht. Das Video ist in Collagenoptik gehalten und erinnert von der Machart an grafische Pop-Art-Schnipsel aus Riot Grrrl Fanzines.  

Fokn Bois feat. Mr. Eazi – True Friends

Die Story, die das neue Video der Fokn Bois erzählt, ist kaum zu glauben: 100.000 Dollar hat ein Investor Wanlov The Kubolor und M3nsa geboten, damit sie ihren Namen und das Artwork ihres neuen Albums "Afrobeats LOL" ändern, auf dem sie oberkörperfrei vor rosa Hintergrund zu sehen sind. Der Grund: Zu viel "Gay Vibe". Aufgrund des britischen Kolonialrechts steht Homosexualität in Ghana noch immer unter Strafe. Trotzdem sagen die beiden Fokn Bois "Fok Off" und strecken den Mittelfinger mit ihrer neuen Single "True Friends" noch deutlicher in Richtung Homophobie. Und das macht man am besten mit einer riesigen Party, zu der Wanlov und M3nsa nicht nur Afrobeats-Star Mr. Eazi eingeladen haben, sondern auch all ihre homosexuellen Freunde. Nicht nur ein starkes Zeichen, sondern auch ein Banger für den Dancefloor. 

Zenobia – KSR KSR KSR

Zenobia gehören dieser Tage zum festen Stamm der palästinensischen Elektro-Szene zwischen Haifa und Ramallah, haben mit ihrem Sound aus Pop, Synths und trippy Dabke-Rhythmen aber schon den halben Erdball beschallt. Kaum zu glauben, dass die Combo sich erst im letzten Jahr gegründet hat. Dennoch mischen Nasser Halahlih und Isam Elias schon seit Tag eins in Shamstep-Gefilden mit. Am neuen Album wird derzeit noch gewerkelt. Mit ihrer "Zenobia EP" bereiten die beiden uns aber jetzt schon mal vor auf das, was in naher Zukunft kommen wird. Darauf zu finden ist auch die psychedelische Dance-Nummer "KSR KSR KSR", mit dem Zenobia uns mit ins bunte Treiben von Haifa nehmen. Titel der EP und Name der Band sind übrigens eine Hommage an Septimia Zenobia, die Herrscherin von Palmyras, die zu den bekanntesten Frauen der Antike zählt.

Systema Solar – El Vacile

Zuletzt hatten Systema Solar noch zusammen mit Bomba Estéreo ausgelassen "Carnavalera" gefeiert, jetzt geht die große Party mit "El Vacile" weiter. Diesmal im Alleingang, aber nicht minder ausgelassen. "El Vacile" ist eine gewohnt treibende Nummer, die Lebensfreude und Musik Kolumbiens vereint. Knatternde Percussions, Drums und Champetúa Gitarren – dazu natürlich der empowernde Gesang von Indigo und John Primera, der das Fest perfekt macht. Entsprechend wild geht es auch im dazugehörigen Video zu, das nicht nur energiegeladene Performances zeigt, sondern auch das farbenfrohe Leben im Barrio Abajo von Barranquilla, das für seine Street Art und bunte Fassaden bekannt ist. Genau der Farbklecks, den wir in grauen Novembertagen brauchen.    

Stand: 08.11.2019, 18:00