Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

FKA twigs – home with you

Fünf Songs, die die Welt jetzt braucht

FKA twigs nimmt uns mit nach Hause, Kummer kritisiert den Kapitalismus und Mitú liefern verträumte Palenque-Rhythmen – das sind unsere fünf Songs der Woche.

FKA twigs – home with you

Vom hippen Club in die beschauliche Vorstadt – FKA twigs begibt sich in ihrem neuen Video "home with you" auf eine sehr persönliche Reise. Das gewohnt artsy Video zur dritten Single ihres kommenden Albums "Magdalene" (8. November) beginnt zwischen tanzenden Menschen und dröhnenden Bässen inmitten des Londoner Nachtlebens. Nach einer durchzechten Nacht steigt twigs mit ihren Freundinnen ins Auto und fährt in Richtung Heimat. Am Morgen erreichen sie die Vorstadt, twigs tanzt ekstatisch im weißen Kleid durch den Garten und schöpft dabei Kraft, bis sie schließlich das innere Kind in ihr wiederfindet. Sie selbst sagt über das Video: "Du kannst das Mädchen aus der Vorstadt rausholen, aber nicht die Vorstadt aus dem Mädchen". Zitat und Video sind eine Anlehnung ans ländliche Gloucestershire in England, wo twigs aufgewachsen ist.

Kummer – Wie viel ist dein Outfit wert

Gucci, Fendi, Prada – das sind die Namen, um die viele deutsche Rapper dieser Tage ihre Lyrics stricken. Anders ist das bei Kummer: Der Kraftklub-Frontmann liefert mit "Wie viel ist dein Outfit wert" eine Kapitalismuskritik vom Feinsten. "Life ist super nice, wo man die Schuhe trägt/Life ist nicht so nice, wo man die Schuhe näht" – sehr starke Lines, die Konsumdrang und First-World-Problems infrage stellen. Dazu zerstört Felix einen leeren Catwalk im düsteren Setting. Das kommende Album "Kiox" wird sein erstes Solo-Studioalbum sein und schon mit den Vorgänger-Singles hat Kummer bewiesen, dass er auch ohne seine Indie-Gang Kraftklub eine gute Figur macht. Im Rapgame ist der Chemnitzer ohnehin kein Neuling: Schon in den Nullerjahren hat er unter Namen wie Bernd Bass gerappt oder zuletzt als Carsten Chemnitz u.a. nebst Trettmann.

Mitú – Perla

Für Mitú aus Kolumbien steht dieser Tage das fünfte Album ins Haus: "Tandem" wird es heißen und darauf schreibt das afrokolumbianische Elektro-Duo - bestehend aus Julian Salazar, Ex-Gitarrist von Bomba Estereo, und Masterpercussionist Franklin Tejedor - seine musikalische Evolution weiter. Anders als auf dem letztjährigen Vorgänger "Los Àngeles" setzen die beiden hier nämlich nicht mehr auf nur Dancefloor fähige Sounds, sondern auch auf analoge Laidback-Vibes. "Perla" ist der beste Beweis dafür: Salazar liefert auf der Single sein virtuoses Gitarrenspiel, während Tejedor mit Drums um sich wirft. Trotz Gelassenheit kommen die afrokolumbianischen Rhythmen aber deutlich durch, und die Vocals von Marsh Varis über Liebe sorgen für den richtigen Mix aus Traumwelt und Palenque-Rhythmen. Dazu gibt’s ein Video in Neunziger-Trash-Ästhetik - mit Lederjacken, Neonfarben und Glitter.   

Robert Glasper feat. Yasiin Bey – Treal

"Fuck Yo Feelings" heißt das neue Projekt von Robert Glasper. Und wenn man sich die Titel und Featureliste davon anschaut, ist es kaum zu glauben, dass wir es hier "nur" mit einem Mixtape zu tun haben: Herbie Hancock, SiR, Rapsody, Terrace Martin und Yasiin Bey sind da nur einige Namen. Letzterer hat einen Part zum Track "Treal" beigesteuert. Ein gewohnt jazzy, verspielter Rap-Song mit so mancher Lebensweisheit. Wie auch die anderen Tracks des Mixtapes, ist "Treal" im Zuge einer zweitägigen Session entstanden, bei der Glasper seine Features für spontane Improvisationen eingeladen hat. Über die Entstehung des Projekts gibt es auch eine Mini-Doku, in der Glasper uns mit ins Studio nimmt und die Jam-Zusammenkünfte in Schwarz-Weiss-Optik zeigt.

Anoushka Shankar feat. Ibeyi – Lovable

Anoushka Shankar greift dieser Tage wieder zur Sitar und veröffentlicht eine Liebeshymne zum Dahinschmelzen. "Am I still lovable if you stop loving me?" heißt es da. Eine Frage, die sich wohl so ziemlich jeder Mensch in seinem Leben schon einmal gestellt hat. Im Fall von "Lovable" kommt sie vom französisch-kubanischen Duo Ibeyi. Fast schon schmerzlich äußern die Zwillinge Lisa und Naomi ihre Zweifel, während Anoushka mit ihrem virtuosen Sitar-Spiel darauf antwortet. Mit leichten Pianoverläufen und Drums entsteht aus dem anfänglichen Herzschmerz aber ein ganz neues Selbstbewusstsein, das im Frieden bringenden Höhepunkt von "Lovable" mündet: Denn aus dem "Am I" wird schließlich ein "I am". Definitiv eine Combo, die sich gesucht und gefunden hat.

Stand: 11.10.2019, 18:00