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Der britische Sänger Roger Waters auf der Bühne

Global Pop News 23.05.2023

Antisemitismusbeauftragter fordert Überprüfung für Roger-Waters-Konzert

Stand: 23.05.2023, 12:28 Uhr

Der Frankfurter Antisemitismusbeauftragte will Konzert-Auflagen prüfen | Adidas will an die Familie von George Floyd spenden | Janelle Monáe über queere Repräsentation und Nacktheit | Neuer Song von Jungle: "Dominoes" | Unsere News aus der Welt des Global Pop

Von Anna Kravcikova & Marc Mühlenbrock

Pink-Floyd-Gründungsmitglied Roger Waters ist wegen seiner Haltung zu Israel und zum Judentum umstritten. Ihm wird Antisemitismus vorgeworfen, doch er selbst bestreitet dies. Er kritisiere lediglich das Vorgehen des Staates Israel im Umgang mit den Palästinensern, so Waters. Am kommenden Sonntag soll er ein Konzert in der Frankfurter Messehalle geben. Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker hat nun die Stadt Frankfurt aufgefordert, die Auflagen für das Konzert zu überprüfen. In einer aktuellen Mitteilung der hessischen Staatskanzlei heißt es: Wenn das Konzert schon nicht verhindert werden könne, solle die Stadt Frankfurt zumindest prüfen, ob mit den Auflagen "wenigstens die schlimmsten antisemitischen Propagandamotive verhindert werden können". Bei den bereits stattgefundenen Konzerten in Berlin und München habe Roger Waters "antisemitische und den Holocaust relativierende Bildmotive verbreitet", so Becker. Zudem sei das Schicksal von Anne Frank mit Vorwürfen gegen die israelische Besatzung palästinensischer Gebiete verknüpft worden.

Frankfurt hatte das Konzert zunächst untersagt. Die Anwälte von Roger Waters haben diese Entscheidung der Veranstalter jedoch aufgehoben. Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen, Eigentümer der Messe Frankfurt, die die Festhalle vermietet, betonen, dass sie den Auftritt von Waters als "schwere Belastung" empfinden. Wegen "antisemitischer Verschwörungserzählungen" und seiner Unterstützung der Israel-Boykott-Kampagne BDS. Roger Waters gilt als wichtigster Vertreter der BDS-Bewegung, die zum Boykott und zu Sanktionen gegen Israel aufruft. Viele Künstlerinnen und Künstler, die die Bewegung unterstützen, weigern sich beispielsweise, in Israel aufzutreten oder die Bühne mit israelischen Künstlerinnen und Künstlern zu teilen. Das Management von Roger Waters weist alle Vorwürfe zurück und spricht von falschen Anschuldigungen.

Adidas will einen Teil der Yeezy-Einnahmen an die Familie von George Floyd spenden

Viele Kooperationspartner von Kanye West, der nur noch "Ye" genannt werden will, haben sich im vergangenen Jahr nach rassistischen und antisemitischen Äußerungen von ihm distanziert. Im Oktober letzten Jahres zog sich schließlich auch Adidas aus der Zusammenarbeit mit dem Rapper zurück. Seitdem wurde darüber diskutiert, ob die Restbestände von Kanye Wests Schuhmarke Yeezy von Adidas noch verkauft oder vernichtet werden sollten. Nun hat Adidas bekannt gegeben, dass die Schuhe Ende Mai über die Yeezy-Website und die adidas CONFIRMED App zum Verkauf angeboten werden. Die Schuhe haben einen Wert von 1,3 Milliarden US-Dollar.

Adidas hat außerdem angekündigt, einen Teil des Gewinns an verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. Dazu gehören die Anti-Defamation League gegen Antisemitismus und das Philonise & Keeta Floyd Institute for Social Change. Dies ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die von der Familie von George Floyd gegründet wurde. George Floyd starb 2020 durch Polizeigewalt. Der Ex-Polizist wurde wegen Totschlags verurteilt und muss für 22,5 Jahre ins Gefängnis. In einem Podcast hatte Kanye West im vergangenen Jahr die Schuld des Polizisten angezweifelt und falsche Tatsachen behauptet. Er behauptete, Floyd sei an einer Überdosis der Droge Fentanyl gestorben und nicht durch den brutalen Polizeieinsatz. Die Familie von George Floyd beantragte daraufhin eine einstweilige Verfügung, die Kanye West verbietet, sich weiter über George Floyd zu äußern. Außerdem fordert die Familie 250 Millionen Dollar Schmerzensgeld für George Floyds Tochter.

Sängerin Janelle Monáe

Janelle Monáe über queere Repräsentation und Nacktheit

Die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin Janelle Monáe ist auf dem aktuellen Cover vom Rolling Stone Magazin. Die Gelegenheit nutzt sie, um im Magazin über queere Repräsentation zu sprechen. Im Interview mit dem Rolling Stone sagt Janelle Monáe, dass sie nicht verpflichtet ist, ihre Geschichte zu teilen – in Zeiten, in denen viele queere Menschen nach sehr privaten Dingen wie ihrem Outing oder ihren sexuellen Präferenzen gefragt werden. Aber es gebe ihr trotzdem Kraft, über einige Erfahrungen zu sprechen und Dinge zu benennen, die sie beschäftigen. Für viele Fans ist Janelle Monáe ein Vorbild, vor allem in der queeren Szene. Im Interview sagt sie jetzt aber, dass sie es nicht mag, wenn Menschen sie auf ein Podest stellen oder wenn Eigenschaften auf sie projiziert werden. Sie mache wie jede andere Person ihre eigenen Erfahrungen, verändert sich und entwickelt sich weiter.

Deshalb sollten Fans damit klarkommen, wenn ihre Lieblings-Künstler sich verändern und auf einmal nicht mehr die Person zu sein scheinen, die sie mal waren. Sie appelliert an ihre Fans: „So sehr ihr mich auch liebt und für mich sorgt, ich bin auf meiner eigenen Reise, die nichts mit Musik und Kunst zu tun hat.“ Zu dieser Reise gehört auch, dass sie das Nacktsein für sich entdeckt hat. Janelle Monáe sagt im Interview, dass Nudismus ein großes Thema in ihrem Leben geworden ist und dass sie gerade eine "neue Ära der Befreiung" feiert:

"Ich bin viel glücklicher, wenn meine Titten draußen sind". Janelle Monáe

Auf dem Magazin-Cover des Rolling Stone ist auch ein Nacktfoto von ihr zu sehen.

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Neuer Song von Jungle: "Dominoes"

Stagnation auf höchstem Niveau nennt man das wohl bei Jungle: Keine andere Band transportiert seit Jahren so gekonnt und frisch den Vibe von 70er Jahre Soul ins neue Jahrtausend. Mit den Sounds von Disco, Stimm-Samples und deepen Beats. Hier auf "Dominoes" klingt alles etwas verschwurbelter als auf z.B. auf ihren älteren Sachen, alles fließt ineinander, man kann gar nicht mehr erkennen, wo Synthie aufhört und Stimme anfängt. "Dominoes" ist schon der dritte vorab veröffentlichte Song aus dem vierten Album "Volcano2.  Das Elektronik-Duo stand dafür weniger selber am Mikro, sondern hat sich dafür in ihr Studio in London ein paar coole Gäste eingeladen: Die Rapper Channel Tres, Roots Manuva und Bas sind mit drauf. "Volcano" kommt am 11.August.