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Global Pop News 02.12.2022

Illegale Raves: Werden sie gefährlicher?

Stand: 02.12.2022, 14:41 Uhr

STRG_F Reportage über Secret Rave-Szene | UNESCO erkennt die Raï Tradition als immateriellen Weltkulturerbe an | Mount Westmore mit neuer Single | Lune und Nej mit "Nour el Ain" | Die P mit neuer EP "BONNanza" | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Von Anne Lorenz & Anna Kravcikova

"Illegale Raves: Werden sie gefährlicher?" 

Ende August ist in Köln bei einem illegalen Rave ein 20-Jähriger gestorben. Diesen tragischen Vorfall hat ein Reporterteam des Funk Formats STRG_F zum Anlass genommen, sich die Secret-Rave-Szene ein bisschen genauer anzuschauen. Das Reporterteam will rausfinden: Was ist an dem Abend passiert und was hat der Vorfall für Folgen in der Szene? Dafür gehen sie selbst auf zwei Secret Raves, checken was für Drogen dort verkauft werden, schauen sich den Bunker an, in dem die illegale Party war, bei der der 20-Jährige gestorben ist, und sprechen mit Veranstaltern und Leuten aus der Szene.

Zum Beispiel mit einem 15-jährigen Mädchen, das - wie ganz viele andere Besucher des besagten Bunker-Raves auch - mitbekommen hatte, wie ernst die Situation war. Viele Stunden schon habe der 20-jährige Raver vor dem Bunker gelegen und hat sich nur noch übergeben. Als er scheinbar ohnmächtig wurde, habe man sich entschieden, dann doch einen Krankenwagen zu rufen. Dagegen sollen einige der Besucher aber noch protestiert haben, weil sie nicht wollten, dass der Rave abgebrochen wird.

Es stellt sich die Frage, ob Party manchen Ravern wichtiger erscheint als ein Menschenleben. Zwei der Veranstalter der Bunker-Party wollen beobachtet haben, dass die Szene sich seit Corona verändert habe. Das Publikum sei viel jünger geworden und man würde nicht mehr aufeinander Acht geben wie früher. Außerdem würden viele der jüngeren Besucher ihre Grenzen nicht kennen und im Ernstfall würde niemand so genau wissen, wie man mit der Situation umgehen solle.

Die Kombination klingt auf jeden Fall brisant: Partys an abgelegenen, ungesicherten Orten, bei denen harte Drogen konsumiert werden, mit teilweise minderjährigen Gästen und ganz ohne Sanitäter oder Security… Dazu kommt auch noch, dass Drogenkonsumenten überhaupt nicht wissen können, wie hoch der Wirkstoff beispielsweise in einer Ecstasytablette ist. Viele Veranstalter aus der Secret Rave-Szene setzen jetzt auf Awareness-Teams.

Traditionen und Werte eines Musikstils

Die UNESCO hat die Traditionen und Werte um den Musikstil Raï zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Seit den 80er Jahren wird Raï als wichtigste algerische Popmusik gefeiert. Entstanden ist sie in ganz ländlichen Regionen aus der Musiktradition der nomadischen Beduinen. Dabei wurde Poesie in maghrebinischem Arabisch von Trommeln und Flöten begleitet. Später wichen Flöten und Trommeln einem traditionellen Orchester und seit den 80er Jahren wurden auch elektronische Instrumente mit eingebracht. Lange galt Raï als etwas Verruchtes, weil es in den Songtexten um Liebe, Leidenschaft, den Wunsch nach Freiheit oder einem rauschhaften Leben ging.

Die Raï-Musik wurde als ein Genre angesehen, das jungen Menschen die Möglichkeit gab, ihre Gefühle auszudrücken und aus gesellschaftlichen Restriktionen auszubrechen. Ein bisschen wie im Westen der Punk. Durch Stars wie eben Rachid Taha oder auch Cheb Khaled wurde Raï auch außerhalb von Algerien berühmt. Es gibt einige Songs mit Raï Einflüssen die kennt wirklich jeder, "Aicha" von Khaled ist so ein Beispiel. Zusammen mit Raï wurde übrigens auch die Kultur des Baguettes und das Wissen der Meister des kubanischen Rums zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt

"Activated"

Die HipHop Supergroup Mount Westmore aus Kalifornien releast ihre neue Single "Activated". Eine explosive Mischung aus G-Funk und Gangster Rap. Mount Westmore besteht ja aus Snoop Dogg und Ice Cube aus Los Angeles sowie den beiden Rappern E-40 und Too $hort aus der Bay-Area. Im Song bringen die vier Rap-Legenden ein, was sie jeweils am besten können. Der Status aller vier ist in der HipHop-Szene wie in Stein gemeißelt, daher auch der Bandname Mount Westmore, eine Anspielung auf das berühmte Präsidenten-Denkmal Mount Rushmore, mit Verweis auf die Rap-geographische Westcoast.

Ihr Debütalbum hat die Supergroup Anfang des Jahres rausgebracht, streng limitiert als NFT. Kurz vorher hat Snoop Dogg ja die Rechte am Katalog von Death Row Records gekauft und dann eben gleich auch noch zusammen mit Mount Westmore ein Album über die Blockchainplattform Gala Music rausgebracht. Das nächste Album ist aber auch schon fertig, und das kann sich dieses Mal auch das einfache Fußvolk leisten. Beteiligt als Produzenten sind Hip Hop Bignames wie Jermaine Dupri oder Dr. Dre.

"Snoop Cube 40 $hort" wird das Album heißen, es kommt nächsten Freitag raus. Die Songs darauf sind während der Corona-Pandemie entstanden. So haben die vier Star-Rapper ihre Verse also getrennt voneinander aufgenommen. Wäre wahrscheinlich aber auch ohne Corona so gekommen, Snoop hat kürzlich noch in einem Interview mit der New York Times verkündet "Ich kann tagsüber keine Raps aufnehmen", woraufhin Too $hort ergänzt "Und ich nicht nachts".

Lune und Nej mit neuem Song "Nour el Ain"

"Nour el Ain"  heißt so viel wie "Der Glanz in meinen Augen" und ist ein trauriger Liebessong. Es ist eine deutsch-französische Kollaboration zwischen Baden-Württemberg und Toulouse. Die Sängerin Lune ist gerade mal 20 Jahre alt und ist letztes Jahr bei TikTok viral gegangen. Jetzt hat sie sich zusammengetan mit Nej, Popstar aus Toulouse. Beide singen auf dem Song auf französisch, deutsch und arabisch. Auf TikTok schreibt Nej über Lune: "Meine Puppe aus Deutschland, sie hat mich eingeladen, bei einem großartigen Track mitzusingen."

"Tabom Riddim" von Juls und VHOOR

"Tabom Riddim" ist eine britisch-brasilianische Kollaboration von Juls, Producer-Pionier der ghanaischen Diaspora aus London, und Producer VHOOR aus Belo Horizonte. Der geht mit seinem Mix aus elektronischer Musik und Afro-Latin Rhythmen gerade richtig durch die Decke. Die Single ist eine entspannte Mischung aus tanzbaren Sounds und einer prägnanten Trompete. Brasilianischer Sound sei sehr prägend für Juls gewesen, schreibt er auf Instagram: "Die Liebesgeschichte von Ghana und Brasilien ist eine erstaunlich tiefgründige, die bis in die Zeit der transatlantischen Sklaverei im 19. Jahrhundert zurückreicht. Brasilianer aus sieben verschiedenen Familien kamen 1836 in Accra im Bereich des alten Hafens von Jamestown an. Damals sprachen sie nur Portugiesisch und begrüßten sich dann mit der Frage "Wie geht es dir?". Und die Antwort war "Tá bom", was "Okay" bedeutet. Deshalb begannen die Leute, die sie willkommen hießen, sie "Tabom" zu nennen. Die Sounds von Ghana und Brasilien sind sehr ähnlich in Bezug auf Percussion, Melodie und so weiter, aber ich dachte, das Beste wäre, die beiden zu verschmelzen."

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Die P mit neuer EP "BONNanza"

Der Output der Bonner Rapperin lässt nicht nach: "BONNanza" ist nach "Tape 2" schon ihre zweite EP dieses Jahr. Auf der EP gibt es Oldschool-Beats, Punchlines und reflektiertes Storytelling. Es geht um den täglichen Struggle von Die P, ihre Liebe zur Familie, zu HipHop und zu Haze. Aber auch um Loyalität, denn Die P hält nichts von fremden Likes und Social Media Hypes. Ihr Kreis bleibt klein. Pünktlich zum Release hat sie auch ein Musikvideo zum Song "Drunken Master" rausgebracht. Im Video sehen wir, wie sie während des Videodrehs von der Polizei durchsucht wird - ein klarer Fall von Racial Profiling.

Neuer Song von GIMS und Soolking

"Après vous madame" heißt die neue Single vom kongolesisch-französischer Sänger GIMS und Rapper Soolking aus Algerien. Er ist auf GIMS‘ neuem Album drauf, welches heute erschienen ist: "Les Dernières Volontés de Mozart". Das heißt übersetzt: "Der letzte Wille von Mozart". In einem Interview mit Apple Music hat GIMS über die Bedeutung hinter dem Titel gesprochen: "Das Album ist eine Hommage an Virtuosen wie Mozart, Beethoven oder Bach. Für mich ist es heutzutage auch ein bisschen ihr Vermächtnis. Sie waren Innovatoren. Beethoven sagte: 'Meine Musik ist für die nächsten Generationen.' Das war nicht für die Menschen aus seiner Epoche. Das wahre Ansehen kam nach seinem Tod."

In einem anderem Interview mit dem französischen Radio spricht er auch über seine Teilnahme bei der Abschlussveranstaltung der WM. Zusammen mit Ozuna aus Puerto Rico hatte er vor ein paar Monaten den WM-Song "Arhbo" veröffentlicht, trotz vielen Menschenrechtsverletzungen in Katar.

Qant mit neuem Song "More Life”

"More Life" von Qant ist auf der gleichnamigen More Life EP erschienen. Dafür hat sich der französische Produzent mit Kaval aus Toulouse zusammengetan. Vier Songs sind darauf, mit Einflüssen von Two Step, Dub und auch Garage. Diese Genres sind alle auch Vorläufer von Dubstep.

Elida Almeida singt über ihre Großmütter

Neue Musik von den Kap Verden: Zu Elida Almeida hat ihre Single "Dondona" veröffentlicht. Inspiration dafür war die Beziehung zu ihren Großmüttern. Elida Almeida sagt, dass sie stolz darauf sei, mit ihnen aufgewachsen zu sein. Sie habe seit ihrem ersten Lebensjahr viel von ihnen gelernt. Das empfinde sie als Segen, in ihren Worten: Ein "Energie-Bad".

Es geht aber in "Dondona" nicht nur um ihre familiäre Geschichte, sondern auch um ihr Land, die Kap Verden. Sie sagt: "Ich komme aus einem Land, das vor ein paar Jahrzehnten noch nicht einmal auf der Landkarte stand, von der Insel Santiago, so abgelegen, dass die meisten Bewohner es ihr ganzes Leben lang nicht verlassen." Bei ihr sei das anders: Sie habe seit ihrem Durchbruch das Privileg gehabt, schon über 50 Länder besucht und Konzerte auf vier Kontinenten gespielt zu haben.  Das Album "Di Lonji" erscheint im Januar.