Proteste an der Allameh Tabataba'i Universität in Teheran

Global Pop News 27.09.2022

Kein Tag ohne neue Proteste

Stand: 27.09.2022, 10:32 Uhr

Iranischer Protestsong feiert die junge Generation | Ed Sheeran will britische Clubs retten | Christine & The Queens mit neuer Single | Santigold mit emotionalem Statement zu Tour-Absage | Unsere News aus der Welt des Global Pop

Von Marc Mühlenbrock

Iranischer Protestsong feiert die junge Generation

Kein Tag ohne neue Proteste oder neue Schreckensmeldungen im Iran. Junge Menschen, vor allem Frauen, gehen auf die Straße, um für ihre Rechte und ihre Freiheit zu kämpfen. Jetzt hat diese Revolution einen neuen Song. Er heißt "Hashtadia" - was übersetzt "Die Achtziger" bedeutet. Damit sind nicht unsere 80er Jahre gemeint, wie man bei dem Beat aus dieser Zeit vielleicht auch vermuten könnte. Sondern die 1380er Jahre nach Iranischem Kalender. In der Zeit sind viele geboren, die heute auf die Straße gehen. Also Menschen Anfang 20, heute schreiben wir im Iran das Jahr 1401. Im Song heißt es "Ich habe Euch satt, Ihr schlagt und beschuldigt mich" und "Ich ziehe mich zu freizügig an? Was geht Dich das an?". Im dazugehörigen Video sieht man aktuelle Bilder von den Protesten.

Gesungen hat den Song ein Iraner, der lange Zeit in Deutschland gelebt hat. Shahin Najafi ist ein Protestsänger und Rapper, geboren und aufgewachsen im Iran. Er hat dort in den 90er Jahren selber gegen die Obrigkeit protestiert, auch in seiner Musik. In seinen Songs kritisiert er den Gottesstaat, die Frauen- und Queerfeindlichkeit, weswegen er im Land mundtot gemacht werden sollte. Dann ist er nach Deutschland ausgewandert. Wegen Blasphemie und Beleidigung gab es offizielle Morddrohungen gegen Najafi von iranischen Geistlichen. Auf "Hashtadia" wollte er aber nicht rüberkommen wie ein alter Besserwisser, der alles schon mal mitgemacht hat, hat er COSMO exklusiv erzählt: "Durch diesen Song habe ich versucht, die Leute auf der Straße zu motivieren. Die sind so mutig, deswegen kann ich nicht sagen, ich wollte ihnen Mut zu sprechen. Ich kann nur sagen: Ihr seid nicht allein. Wir hören Euch, wir sehen Euch, wir kämpfen für Freiheit, alle zusammen."

Shahin Najafi lebt inzwischen im Exil in Kalifornien, hat aber letzte Woche geschrieben, er würde unter gewissen Umständen für ein, wie er es nennt, "Freiheitskonzert" nach Teheran zurückkehren - wenn ein paar Mullahs auf der Bühne Striptease machen.

Ed Sheeran will britische Clubs retten

Weil es vielen Clubs in Großbritannien gerade schlecht geht, wurde die Initiative "Own Our Venues" gegründet. Mit diesem Non-Profit-Projekt sollen vom finanziellen Bankrott bedrohte Clubs durch die Internet Community gerettet werden.

https://www.crowdfunder.co.uk/p/own-our-venues

Konkret gibt’s "Own Our Venues" schon seit Mai, damals hatten zwei bedeutende Clubs in London und Sheffield schließen müssen. Aber durch den Zuspruch von Ed Sheeran erwartet man sich jetzt nochmal einen Extra-Boost. Sheeran sagt, er wolle die Initiative mit ganzem Herzen unterstützen. Kleine, unabhängige Venues seien so wichtig für die Musikszene. Er selbst habe einige seiner besten Konzerte dort gespielt. Neben Sheeran unterstützen unter anderem auch Folkrocker Frank Turner und Future R'n'B Sängerin FKA Twigs "Own Our Venues".

Aber im Prinzip kann jeder mitmachen und spenden und so Anteilseigner werden. Ziel der Crowdfunding-Kampagne sind zweieinhalb Millionen Pfund, bisher sind knapp 400.000 zusammengekommen. Mit dem eingenommenen Geld sollen am Ende neun Clubs erworben werden, die als besonders gefährdet gelten, viele weitere sollen folgen. Bei erfolgreicher Übernahme würden die Mieten direkt auf eine angemessene Höhe gesenkt, außerdem würden Instandsetzungsarbeiten finanziert.

Christine & The Queens mit neuer Single

"Rien Dire" heißt der neue Song, das bedeutet übersetzt "Ohne etwas zu sagen". Der Titel bekommt im Text eine doppelte Bedeutung. Christine & The Queens singen über die Liebe. Einerseits geht es darum, dass man sich versteht, ohne groß Worte zu wechseln, man liegt einfach nur in den Armen des anderen. Andererseits erzählt das Lied davon, wie schweigsam man ist, wenn man die andere Person vermisst oder Liebeskummer hat. Dazu gibt es den Christine & The Queens typischen 80s Retrosound.

"Rien Dire" ist ein toller Song - allerdings nur ein Trostpflaster. Denn eigentlich sollte am Freitag schon das neue Album rauskommen von Christine & The Queens. Es trägt den mysteriösen Titel "Redcar - les adorables étoiles" und musste auf den 11. November verschoben werden. Denn die Person, die sich hinter dem Ein-Mann-Projekt verbirgt, Sänger und Songschreiber Chris, der sich inzwischen als maskulin identifiziert, hat sich eine Verletzung bei Proben für die kommende Tour zugezogen. Chris ist neben gender-hinterfragenden Botschaften in den Texten und dem Synthie-Pop-Sound auch für seine exaltierten Tanz-Einlagen bekannt.

Santigold mit emotionalem Statement zu Tour-Absage

Mit "Disparate Youth" von 2012 hat die US-amerikanische Indie-Musikerin Santigold ihren größten Hit gelandet. Anfang des Monats kam nach einigen Jahren ohne Output dann ihr neues Album "Spirituals" raus. Passend dazu stand dann eine Tour auf dem Plan. Diese hat Santigold jetzt aber abgesagt. Dabei geht es um ihre Nordamerika-Tour, die Anfang Oktober in Atlanta losgehen sollte. Bis Mitte November standen dann mehr als ein Dutzend Städte auf der Touring-Liste. Auf ihrer Website und via Social Media hat Santigold ein langes und emotionales Statement zur Tour-Absage veröffentlicht. Sie sei traurig und stolz diese Tour abzusagen, heißt es darin. Sie sei traurig, weil sie ihre Fans enttäusche, die ihr die Musikkarriere möglich gemacht haben. Dafür sei sie dankbar. Gleichzeitig sei sie stolz, weil sie auf sich selbst achtet, und zu touren, so wie die Umstände aktuell sind, sei für sie gerade nicht machbar.

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Sie nennt infrastrukturelle und wirtschaftliche Gründe im Musikbusiness. Nach mehreren Jahren Leerlauf und kaum oder wenig Einnahmen, habe sich jetzt viel verändert. Durch die Inflation würde vieles sehr viel teurer wie zum Beispiel Flüge. Auch passende Spielorte zu finden sei schwieriger, weil viele Artists wieder Shows spielen möchten. Dazu käme die Ungewissheit, ob nicht ein postivier Corona-Test alle Pläne über den Haufen wirft. Die Zeit seit der Pandemie habe uns alle vor verschiedene Herausforderungen gestellt, schreibt sie, zum Beispiel wirtschaftliche oder gesundheitliche. Santigold selbst schreibt sehr deutlich, dass das Touren sie zur Erschöpfung brächte. Sie spricht außerdem unter anderem von Angstzuständen und davon, dass sie ihre Kinder vermisse. Sie schreibt davon, dass es sich gerade so anfühle, als sitze sie in einem Auto, das während der Fahrt Richtung Ziellinie nach und nach auseinanderbricht. Für ihre Worte gibt es bei instagram viel Zuspruch, zum Beispiel Musikstars wie Lykke Li oder Lilly Allen.