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Tribade

Global Pop News 16.08.2022

Tribade für immer vom Sziget ausgeladen

Stand: 16.08.2022, 15:48 Uhr

Rap-Gruppe aus Barcelona wird wegen antisemitischer Aktion vom Festival verbannt | Neue Compilation "Seenotrettung ist kein Verbrechen" | Kelvin Colt hat die Schnauze voll von Entwicklungen im Musik-Business | "Der Teufel trägt Prada" als Musical | Unsere News aus der Welt des Global Pop

Von Anne Lorenz

Tribade vom Sziget verbannt

In Budapest ist das Sziget Festival zu Ende gegangen. Einer der Auftritte dort sorgt allerdings noch heute für Ärger. Und zwar der von Tribade, eine Frauen-Rap-Gruppe aus Barcelona. Eigentlich bekannt für ihre antikapitalistischen und feministischen Texte. Außerdem setzen sie sich aktiv für LGBTQI+ Rechte ein. Beim Sziget Festival sind sie aber mit einer provokanten Aktion aufgefallen, die deutlich übers Ziel hinaus geschossen ist. Auf Instagram haben Tribade ein Video geteilt, in dem sie die israelische Flagge verunstalten. Sie schreiben darauf mit Edding nicht nur "Free Palestine", sondern auch "Israel Doesn’t Exist" - und Israel die Legitimation abzusprechen, geht ganz klar in eine antisemitische Richtung.

Deshalb wurden sie auch offiziell vom Festival ausgeladen. Im Statement vom Sziget heißt es: "Das Festival wurde vor fast 30 Jahren als Ort gegründet, an dem Menschen aller Nationalitäten zusammenkommen können. Im Geiste von Liebe und Frieden. Dieser Grundsatz hat sich bis heute nicht geändert. Die Aktion der Gruppe Tribade verstößt gegen unsere geschätzten Werte jeden auf die gleiche Art willkommen zu heißen und zu respektieren. Wir verurteilen diese hasserfüllte Aktion zutiefst und natürlich wird die Band in Zukunft nicht mehr auf unser Festival eingeladen werden."

Die Band selbst hat sich bis jetzt noch nicht zu ihrer Aktion geäußert. Das Video ist nicht mehr online, allerdings verschwinden Storys ja nach 24 Stunden automatisch, das kann man also nicht als Statement verstehen. Das israelische Außenministerium hat die Aktion als "ugly incident" - also als "hässlichen Vorfall" verurteilt. Und die Europäische Union jüdischer Studenten lässt über Twitter wissen vom Vorfall "angewidert" zu sein.

Seenotrettung ist kein Verbrechen

Eine neuen Benefiz-Compilation für Seenotrettung im Mittelmeer steht in den Startlöchern. Mit dabei: ganz viele Künstler aus der COSMO Playlist. Die Rapperin Haiyti zum Beispiel, Danger Dan von der Antilopengang und die beiden Sängerinnen Mine und Sophie Hunger. "Seenotrettung ist kein Verbrechen" ist ein Projekt zugunsten Geflüchteter. Alle Einnahmen gehen an die Organisation "Sea Punks", ehren-amtlicher Verein mit Seenotrettungsschiff, mit dem Geflüchtete aus dem Mittelmeer gerettet werden. Antrieb der Organisation ist der Wunsch nach einer Gesellschaft, in der Flüchtende "willkommen geheißen und unterstützt werden". "Eine Gesellschaft, in der diese Menschen als Teil der Gemeinschaft und nicht als Problem wahrgenommen werden".

Viele weitere Big Names aus der deutschen Musikszene sind auf "Seenotrettung ist kein Verbrechen" mit dabei. Deichkind, Jan Delay, Die Ärzte und die Toten Hosen zum Beispiel. Die Kompilation erscheint auf Vinyl und CD. Alle Künstler darauf schließen sich dem Leitsatz "Humanismus ist nicht verhandelbar" an und stellen ihre Songs zugunsten von "Sea Punks" zur Verfügung. Zusammengestellt wurde die Playlist von zwei Indie-Labels aus Köln und Hamburg. Die Macher sagen über die Kompilation: "Wir haben nichts als Respekt und Liebe und Hochachtung für Menschen übrig, die ihre Zeit zur Verfügung stellen und ihr Leben aufs Spiel setzen, um andere Menschen zu retten. Danke, dass ihr euch traut und das tut, was wir nicht machen".

"Seenotrettung ist kein Verbrechen" erscheint am 23. September.

Kelvyn Colt hat die Schnauze voll

Der deutsch-nigerianische Rapper Kelvyn Colt ist seit einigen Jahren auf Raketenkurs. Das Vogue-Magazin sagt zum Beispiel, er sei die Zukunft des HipHop. Wenn Kelvyn Colt selbst aber gerade in die Zukunft blickt, dann hat er die Schnauze ziemlich voll vom Zirkus namens Music-Business. In einem langen Instagram Post rechnet er mit den jüngsten Entwicklungen in der Branche ab.

"Raten wir Künstlern gerade wirklich, sie sollen lieber Meister des Algorithmus werden, anstatt Meister ihres Handwerks?" fragt Kelvyn Colt und spielt damit auf die neuen Vorlagen vieler Labels an, laut der eine Platte erst dann veröffentlicht werden darf, wenn die Musik vorher viral gegangen ist. Also von so vielen TikTok-Usern wie möglich in ihren kleinen Clips verwendet wird.

"Heißt es ab jetzt nur noch Unterhalten statt Kunst schaffen?" heißt es weiter. Manchmal fühle es sich so an, als müssten Künstler indirekte, unbezahlte Vollzeitangestellte mehrerer Social-Media-Unternehmen gleichzeitig werden, ununterbrochen Inhalte erstellen und posten. "Dinge mit Substanz brauchen Zeit, um zu entstehen (…) Momentan scheint es aber so, als würden hauptsächlich die gehört, die am lautesten schreien, nicht die am meisten zu sagen haben." Ärgert sich Kelvyn Colt.

Für seinen Post bekommt er von Musiker-Kollegen und Kolleginnen viel Zuspruch. Superstars wie Halsey, FKA Twigs oder Florence Welch von Florence and the Machine haben sich zu den neuen Richtlinien vieler Labels auch schon negativ ausgelassen.

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A$AP Rocky wieder angeklagt

US-Rapper A$AP Rocky soll im November 2021 in Hollywood zweimal mit einer halbautomatischen Schusswaffe auf einen Bekannten gezielt haben. Deswegen muss er am Mittwoch (17.8.2022) vor Gericht erscheinen. Die Schießerei, bei der sich das Opfer leicht verletzte, wurde damals nicht gemeldet. Im April 2022 wurde A$AP Rocky am Flughafen von Los Angeles festgenommen, wurde aber auf Kaution freigelassen. Zu der Zeit etwa fingen die Ermittlungen an. Es ist nicht das erste Mal, dass A$AP Rocky Probleme mit dem Gesetz hat. 2019 wurde er wegen einer Schlägerei in Stockholm festgenommen.

"Der Teufel trägt Prada" als Musical

Elton John komponierte die Musik zu dem Musical, das in Chicago angelaufen ist. In dem Film von 2006 mit Meryl Streep und Anne Hathaway geht es um eine junge Journalistin, die eine Stelle in einem angesagten Modemagazin bekommt. Das Musical hat aber einen ganz neuen Dreh und spiegelt ein Umdenken in der Gesellschaft wider. In dem Film wird eine toxische Arbeitsumgebung mit Ellenbogenmentalität verharmlost. Es wird so dargestellt, als sei es normal und wünschenswert, alles für den Job zu opfern und sich von der Chefin Miranda Priestly, gespielt von Meryl Streep, alles gefallen zu lassen. Im Musical ist es der Hauptfigur Andy (Anne Hathaway) nicht wert, die eigene Gesundheit für den Job zu opfern und sich wie im Hamsterrad zu fühlen.

Außerdem ist das Musicalteam diverser als es der Film war. Die Hauptdarstellerin ist Schwarz und ihre enge Arbeitskollegin wird asiatisch gelesen. Es gibt aber auch Kritik von der New York Times: Die Zeitung findet, dass im Musical nie anerkannt wird, dass jede Person, die im Musical von Miranda, der weißen Chefin, misshandelt wird, eine Person of Color ist.