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Global Pop News 06.07.2022

Yassin mit Soli-Video für streikende Pflegekräfte

Stand: 06.07.2022, 10:49 Uhr

Yassin mit Soli-Video für streikende Pflegekräfte | Loyle Carner lässt in neuem Song "Hate" viele Emotionen raus | ALBI X mit erstem Film-Soundtrack | DJ-Kollektive in Lateinamerika unterschreiben Erklärung gegen Gewalt an Frauen | Unsere News aus der Welt des Global Pop

Von Kai Brands / Anna Kravcikova

Yassin mit Soli-Video für streikende Pflegekräfte

Seit rund neun Wochen streiken Pflegekräfte der sechs Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen. Es geht um Überlastung und die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen. Durch einen "Tarifvertrag Entlastung" soll es zum Beispiel zu mehr Personal kommen. Darüber ist bisher ohne Ergebnis verhandelt worden. Solidarität mit Streikenden gibt es jetzt unter anderem öffentlich von Rapper Yassin. In einem Instagram-Video macht er auf den Pflegenotstand aufmerksam.

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Dazu liest er eine Geschichte einer streikenden Pflegekraft aus der Radiologie vor, die ihren Dienst alleine machen musste, wodurch es zu einer medizinischen Notsituation kam, als eine Patientin mit Epilepsie einen Anfall hatte.

Das mache sehr anschaulich, was auf dem Spiel steht, sagt Yassin: "Unsere medizinische Versorgung in einem der reichsten Länder der Welt ist so kaputt gespart, dass wir uns im Zweifel nicht mehr darauf verlassen können." Er fordert mehr Solidarität mit den Streikenden. Auch andere bekannte Personen nutzen unter #notrufnrw ihre Reichweite. Autor:in und Journalist:in Şeyda Kurt, Sibylle Berg und Comedian Carolin Kebekus haben ähnliche Videos hochgeladen.

Loyle Carner lässt in neuem Song "Hate" viele Emotionen raus

Loyle Carner gehört seit einigen Jahren zu einem der spannendsten Artists in der reichen Rap-Landschaft Großbritanniens. Zum neuen Song "Hate" sagt er selbst, dass es sein bisher stärkstes persönliches und politisches Statement sei.

Beim Schreiben sei er wütend auf die Welt gewesen, heißt es in einem offiziellen Statement. Sehr kräftige, treibende Drums und die gemeinsamen Abwärts-Töne von Klavier und Bass lassen den Song sehr organisch klingen und unterstreichen Carners eher negative Gedanken und Gefühle.

Es sei ein Bewusstseinsstrom gewesen, der in dem Verständnis ende, dass die Wurzel des Hasses die Angst sei. "Hate" handelt von Ängsten, Wut, Frustration und übt Rassismuskritik. Für den Song war Carner nicht nur am Mic, sondern auch vor und hinter der Kamera. Er war maßgeblich an der Regie beteiligt. "Hate" ist seine erste Solo-Single seit rund zwei Jahren herausgebracht. Ob es bald ein neues Album von Loyle Carner geben soll, ist noch nicht bekannt. Sein letztes Album "Not Waving, But Drowning" ist von 2019.

ALBI X mit erstem Film-Soundtrack

Der Kölner Rapper ALBI X feiert Premiere mit seinem ersten Soundtrack für einen Kinofilm. Es geht um den niederländischen Film "White Berry", das Filmdebüt von Regisseurin Sia Hermanides. Den Trailer zum Film, in dem auch ein noch Song des Musikers zu hören ist, hat ALBI X bei Instagram hochgeladen.

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Er sei glücklich und es sei eine Ehre für ihn, seinen ersten Soundtrack für den Film anzukündigen, schreibt er. "Der Film an sich ist schon besonders und es gibt so viele Gründe, warum ich es nachempfinden und mich selbst in dem Film sehen kann…", schreibt ALBI X weiter.

In dem Film geht es um Grace, die als kleines Kind zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder aus Burundi nach Rotterdam in die Niederlande flieht. Grace ist eine Jugendliche mit Albinismus, die jahrelang ausgegrenzt wurde und im letzten Jahr vor dem Schulabschluss auf eine Gruppe trifft, die ihr das Gefühl vermittelt, keine Außenseiterin mehr sein zu müssen. Hauptdarstellerin ist Model und Schauspielerin Latifa Mwazi, auf deren Erfahrungen der Film zum Teil basieren soll. Kinopremiere ist am 04. August.

DJ-Kollektive in Lateinamerika unterschreiben Erklärung gegen Gewalt an Frauen

Elf DJ-Kollektive von Frauen haben eine Erklärung unterschrieben, die strukturellen Sexismus und Gewalt gegen Frauen anprangert. Ihr Ziel ist es, die massiven Probleme sichtbar zu machen, einen Dialog anzustoßen und eine Veränderung zu bewirken. Die Crews aus Brasilien, Argentinien, Mexico und Kolumbien mobilisieren sich unter dem Motto "Unsere Wut ist kollektiv!" gegen die Männer-dominierte Musikindustrie. Es kommt nämlich immer häufiger zu Gewalt gegen Frauen, besonders in der DJ-Szene. Das können dann Fans sein, die kein Nein akzeptieren, aber auch übergriffiges und sexistisches Verhalten von DJ-Kollegen.

Frauen sind einem permanenten Risiko ausgesetzt, vor allem, wenn sie im Nachtleben oft alleine unterwegs sind. Die kollektive Erklärung ist aus einer gemeinsamen Whatsapp-Gruppe heraus entstanden. Verschiedene weibliche DJs haben da immer wieder von Erlebnissen berichtet, bei denen sie Gewalt erlebt haben. Eine Frau hat zum Beispiel geschrieben, wie ihr Ex-Freund sie angegriffen und ihr DJ-Equipment zerstört hat. Immer mehr Frauen haben dann anfangen, ihre Geschichten zu teilen. Dann hat eine andere DJ den Mut aufgebracht, öffentlich von ihrem gewalttätigen Exfreund zu berichten, der auch Musiker ist. Das war sehr wichtig für den nächsten Schritt, um dieses Statement zu entwickeln. Um so viele Menschen wie möglich zu erreichen, haben sie das Statement auf allen Kanälen in drei Sprachen veröffentlicht: auf portugiesisch, spanisch und englisch.

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Anders als beim #Metoo-Movement in westlichen Ländern, wo Frauen individuelle Geschichten mit oft berühmten Persönlichkeiten geteilt haben, ist die feministische Mobilisierung in Lateinamerika mehr auf kollektive und strukturelle Probleme ausgelegt. Nina Misterio vom argentinischen Kollektiv Pibas Vinileras findet es sehr wichtig, dass die Reaktion kollektiv ist: Es ist die gemeinsame Kraft, die echte Veränderungen antreibt. Wenn es etwas gibt, was sie aus der Pandemie gelernt hat, dann, dass man aufeinander aufpassen und immer hinschauen sollte, sagt sie. Die Frauen schließen sich zusammen, um untereinander Solidarität zu zeigen und sich gegenseitig zuzuhören. Sie betonen aber auch, dass es kein Kampf von Frauen gegen Männer ist: Denn patriarchale und misogyne Gewalt betreffen uns alle. Deswegen sollte auch jede und jeder eine klare Position einnehmen.

Die elf DJ-Kollektive aus Lateinamerika setzen sich dafür ein, Dancefloors zu einem Safe Space zu machen. In Sao Paolo haben sie vergangenen Monat zwei Parties veranstaltet, um ihre eigenen Safe Space zu errichten und das Ganze war ein voller Erfolg!