Pongo – Hey Linda

Global Pop News 05.07.2022

Pongo kritisiert Booking-Agentur für Tour-Bedingungen

Stand: 05.07.2022, 10:49 Uhr

Pongo kritisiert Booking-Agentur für Tour-Bedingungen | Juicy Gay heißt jetzt Juicy Süß | Whirlpool Productions bekommen Holger Czukay Ehrenpreis | Mutmaßlicher Täter des Anschlags in Highland Park ist als Rapper bekannt | Unsere News aus der Welt des Global Pop

Von Kai Brands

Pongo kritisiert Booking-Agentur für Tour-Bedingungen

Die angolanisch-portugiesische "Queen of Kuduro" Pongo steht aktuell auf den großen Festival-Bühnen, zuletzt unter anderem beim Glastonbury im UK oder beim Fusion Festival in Mecklenburg-Vorpommern. Dass das Tourleben anstrengend sein kann, ist offensichtlich. Jetzt hat sich Pongo aber über ihre Booking-Agentur Vertigo beschwert. Sie kritisiert die schlechten Bedingungen auf Tour für sich und ihr Team. In mehreren Slides erklärt Pongo auf Instagram ihre Situation. Es geht u.a. um zu wenig Anerkennung und sehr anstrengende logistische Zustände.

Zum Beispiel schildert sie, dass der Transport eher günstig sein soll und sie auch an Flughäfen schlafen und stundenlang warten müssen. Außerdem schreibt sie auch von einem Mangel an Respekt und zu wenig kultureller Wertschätzung. Sie habe einen Punkt der Frustration erreicht und wählt harte Worte: Sie würde "fast unter Sklavenbedingungen arbeiten." Weiter heißt es: "Ich bin keine Maschine, ich bin wie alle anderen ein Mensch."

Dabei geht es Pongo auch um die Schwierigkeiten als tourende Künstlerin und Mutter. Sie möchte möglichst viel Zeit mit ihrer Tochter verbringen, die zu Hause ist. Aber wenn es zwischen den Shows in Europa mal Nachhause geht, bekäme sie aus Kostengründen keine Direktflüge. Dadurch habe sie in der Zeit, die sie dann mal mit ihrer Tochter hat, kaum Energie.

Pongo liebe es aufzutreten und ihr Publikum - sie macht ihren Job professionell und gebe alles - aber die Zeit mit ihrer Tochter sei enorm wichtig. Mit der öffentlichen Kritik hofft Pongo jetzt, dass es besser werde. Sie fordert mehr Transparenz, was die Tour-Kosten angeht, und will bessere Bedingungen. Eine öffentliche Reaktion der Agentur gibt es noch nicht. Pongo schreibt in ihrem Post, dass sie das Touren möglicherweise auch abbrechen würde, wenn sich nichts ändert.

Aktuell ist Pongo nach einem Auftritt beim Europavox Festival in Frankreich Zuhause. Laut Tourplan spielt sie dann am Mittwoch bei "Musique en Eté" in der Schweiz. Ende Juli steht ihr Auftritt beim Juicy Beats Festival in Dortmund an.

Juicy Gay heißt jetzt Juicy Süß

Rapper Juicy Gay hat sich umbenannt. Sein neuer Name lautet Juicy Süß. In einem fast sechsminütigen Video bei instagram erklärt er die Hintergründe zu seinem alten Namen und warum es zur Umbenennung gekommen ist. Darin sagt er unter anderen.: "Zum jetzigen Zeitpunkt weiß ich, dass ich viele Fehler gemacht habe und dass mein Name vor allem eins ist: irritierend." Juicy Gay ist heterosexuell. Er bittet um Verzeihung. Er habe viele queere Menschen verletzt.

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Der Rapper wurde als "erster offen schwuler Rapper Deutschlands" bezeichnet. 2015 hat seine Rap-Karriere durch einen gemeinsamen Song mit Rapper Money Boy richtig Fahrt aufgenommen. Aufgrund seines alten Namens war es für viele scheinbar naheliegend, dass er schwul ist. Er hat sich auch als schwul ausgegeben, wie er in dem Video sagt und was er als "massive Fehlentscheidung" bezeichnet.

Den Namen früher zu ändern – dafür hätte ihm der Mut gefehlt, sagt er. Auch glaubte er, durch den Namen einen Diskurs über Homosexualität im Rap anstoßen zu können. "Mittlerweile verstehe ich, dass es als heterosexueller Mann nicht meine Position ist, Diskurse über Homosexualität anzustoßen. Ich möchte keine Ausreden suchen, aber ich war, als das alles angefangen hat, 18 Jahre alt und noch nicht reif genug, um zu verstehen, dass ich mit dem mir von den Medien gegebenen Titel 'Der erste offen homosexuelle Rapper Deutschlands' wirklich queeren Musiker:innen Sichtbarkeit stehle. Dafür möchte ich von ganzem Herzen um Entschuldigung bitten", sagt Juicy Süß in seinem Statement.

Als weiteren Schritt hat er eine T-Shirt Spenden-Aktion gestartet, bei der seine Anteile der Einnahmen an die gemeinnützige Hannchen-Mehrzweck-Stiftung geht. Die setzt sich für die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung queerer Personen einsetzt.

Whirlpool Productions bekommen Holger Czukay Ehrenpreis

Das Kölner House-Projekt Whirlpool Productions aus den 90ern wird mit dem Popmusik-Preis der Stadt ausgezeichnet. Der Preis – geteilt in Hauptpreis und Ehrenpreis – werde an Artists verliehen, die "in ihrem Wirken Spuren in Köln hinterlassen haben oder aktuelle Entwicklungen beeinflussen und mitprägen", heißt es seitens der Stadt.

Zu dem Trio Whirlpool Productions gehören Eric D. Clark, Justus Köhncke und Hans Nieswandt. Alle drei sind sehr froh über die Auszeichnung, sagt Hans Nieswandt: "Die Nachricht erreichte uns einen Tag nach der großen Gay Pride-Parade in Köln, wo ich erfreut mit eigenen Augen sehen konnte, wie weit es die Etablierung queerer Ausdrucksformen inzwischen gebracht hat, für die wir – so hat es Oberbürgermeisterin Henriette Reker gesagt – einen wichtigen Beitrag geleistet haben." Sie seien sehr stolz, dass das so gesehen werde, sagt er, auch wenn es nicht das Leitmotiv bei der Gründung des Projekts gewesen sei, sagt Hans Nieswandt. House-Musik hat ihre Wurzeln in der queeren Community in den USA.

Der Popmusik-Preis der Stadt Köln ist nach dem 2017 verstorbenen Holger Czukay benannt, dem Bassisten der renommierten, experimentellen Kölner Band CAN, die Ende der 60er Jahre u.a. von Czukay gegründet wurde. CAN haben auch den Begriff "Krautrock" für Rockbands aus Deutschland zu der Zeit in den 60er- und 70er-Jahren mitgeprägt.

Zu Holger Czukay und dem Studio von CAN haben Whirpool Productions auch eine besondere Beziehung. Hier sind Songs von ihnen entstanden. Auf ihrem Hit "From Disco To Disco" spielt Hans Nieswandt zum Beispiel den Bass von Holger Czukay. "Es war uns damals schon eine Ehre, in diesen heiligen Hallen zu arbeiten, so wie es uns jetzt eine Ehre ist für unsere Arbeit dort ausgezeichnet zu werden. Ich denke, auch mit Holger Czukay wäre das völlig okay gewesen", sagt Hans Nieswandt.

Verliehen werden die Preise am 31. Oktober im Club Volta in Köln. Der Hauptpreis geht an die Elektro-Pop/Post-Punk-Band „Von Spar“. Es gibt dann ein Preisgeld von 5.000 Euro für den Ehren- bzw. 15.000 Euro für den Hauptpreisträger. Seit 2019 wird der Preis vergeben.

Mutmaßlicher Täter des Anschlags in Highland Park ist als Rapper bekannt

Bei einem Anschlag im Highland Park bei Chicago sind bei einer Parade am Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli, sechs Menschen gestorben. Jetzt wurde ein mutmaßlicher Täter festgenommen. Der Verdächtige wurde zehn Stunden nach der Tat bei einer Verfolgungsjagd von der Polizei gefasst. Der 22-jährige war als "Awake the Rapper" vor allem in der Untergrund-Rap-Szene bekannt. Auf Lofi-Beats rappte er Songs, die mehrere Millionen Aufrufe bekommen haben. Einige der Songs haben einen harmlosen Text, aber wenn man sich die dazugehörigen Musikvideos anschaut, versteht man, warum sie schon vor der Tat gesperrt wurden: Mal posiert er in einem Klassenraum mit Munition und Schusswaffen, ein anderes Video zeigt seine Gewaltfantasien wie einen Comic von einem Amoklauf.

Ein Song von Awake the Rapper aus dem letzten Jahr handelt tatsächlich auch von einem Amoklauf, bei dem er am Ende von der Polizei erschossen wird. Bei seinen Musikvideos gibt es die Amerika-Flagge zu sehen, außerdem sind rechtsextremistische Symbole zu finden. Zu den Hintergründen gibt es bisher aber nur Spekulationen. Der Verdächtige war den Behörden jedoch bekannt, nutzte Symbole rechtsextremistischer Organisationen und war Trump-Supporter. Er wurde von seiner Familie Zuhause unterrichtet. Seine Familie hat auch eine enge Verbindung zum Highland Park: Der Vater des Verdächtigen hat 2019 als parteiloser Bürgermeister kandidiert. Gewonnen hat damals Nancy Rothering, die die Tat jetzt als blutigster Tag in der Geschichte von Highland Park bezeichnet.