Auftritt von Pussy Riot bei den "Riot Days" In Berlin

Global Pop News 13.05.2022

Pussy Riot Live in Berlin

Stand: 13.05.2022, 13:24 Uhr

Die russische Punkband Pussy Riot gaben einen fulminanten Auftakt ihrer Europa-Tournee | Zweites ESC-Halbfinale in Turin mit geringem Frauenanteil | Nu Genea eröffnen "Bar Mediterraneo" auf neuem Album | Neues von Céline | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Von Lukaz Tomazsewski

Pussy Riot Live in Berlin - Blut, Schweiß und Tränen

Die russische Punkband Pussy Riot geben einen fulminanten Auftakt ihrer Europa-Tournee im Berliner Funkhaus Nalepastraße. Viel Schweiß auf der Bühne, verstörende und schmerzhafte Protestbilder als Videoprojektion und Tränen der Anteilnahme im Publikum. 

Vor wenigen Tagen ist die Punkrock-Ikone Mascha von Pussy Riot aus Russland geflohen. Sie hatte sich als Essenslieferantin verkleidet, um sich an den Polizisten vorbeizuschleichen, die ihren Hausarrest beaufsichtigten. Nun war sie zum ersten Mal seit drei Jahren wieder mit ihrer Band Live On Stage.

Es waren aber keine Songs, die da gespielt wurden, sondern es war eine Art Punk-Happening. Eine musikalische Performance des Buchs "Tage des Aufstands", das Mascha über ihren Aktivismus und ihre Haft in mehreren Straflagern geschrieben hat. Teils in Isolationshaft. Mitgeschrieben hat auch Musikerin Olga Borisova.

"Wir wollen Maschas Beispiel nutzen und die Leute dazu motivieren Nein zu sagen und aktiv zu werden, wenn sie etwas nicht mögen. Natürlich ist dieses Jahr komplett anders und wir wollen Geld sammeln für ukrainische Initiativen, die den Opfern dieses Krieges helfen, den Putin gegen die Ukraine angefangen hat. Es ist eine große Verantwortung für uns und wir fühlen das."

Passenderweise heißt ihre Tournee "Pussy Riot Anti-War Tour". Sie werden noch 18 weitere Konzerte in Europa spielen.

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Es war musikalisch nicht besonders virtuos. Aber die Texte waren eine gnadenlose Abrechnung mit einem Unterdrücker-Regime, das keinen Protest - und schon gar nicht von Frauen duldet. Auf einer Leinwand auf Deutsch und Englisch übersetzt und von sehr heftigen Videos begleitet: Von Demos, dem legendären Punk-Gebet der Band in der Christ Erlöser Kathedrale in Moskau, vom Schauprozess, bei dem die Musikerinnen in einem Käfig sitzen mussten und schließlich von den Strafkolonien, in denen Mascha von 2012 bis 2013 eingesessen hat. Drapiert wurde dies immer wieder mit sarkastischen Statements wie "Putin lehrt dich schon dein Vaterland zu lieben". Einen riesigen Applaus gab es bei der Textzeile "Sie haben unser Land verkrüppelt, man kann nichts mehr dagegen ausrichten, sie sollen wenigsten wissen, dass wir gegen sie sind".

"Überragend, ich freue mich sehr, dass man mit mehr Informationen über das scheiß totalitäre Regime von Russland erfahren hat", sagt nach dem Konzert ein Zuschauer. Und seine Begleitung ergänzt: "Mich hat Pussy Riot schon vor der Invasion, vor langer langer Zeit auf so ner feministischen Ebene sehr stark geprägt. Jetzt bekommt das natürlich nochmal ne ganz andere Bedeutung. Und es war auf jeden Fall ein eindrucksvolles Konzert." 

Das Publikum war beeindruckt und empowered. Das war keine Partystimmung. Viele ernste, ja auch verheulte Gesichter waren da zu sehen.

Zweites ESC-Halbfinale in Turin mit geringem Frauenanteil

18 Länder waren am Donnerstag (12.05.22) in Turin angetreten. Unter den zehn Kandidaten, die sich für das Finale (14.05.22) qualifiziert haben, ist auch der Belgier Jérémie Markise. Mit seinem Soul-R'n'B-Song "Miss You". Er war von Anfang an einer der Favoriten des zweiten Halbfinales. Und er ist einfach ein cooler Typ. Jérémie Markise ist gerade mal 20 Jahre alt. Kann Französisch und Niederländisch, studiert Geologie und spielt als Torwart für einen belgischen Zweitligisten Fußball. Ein Multitalent, dass nebenbei auch noch ziemlich gut singen kann.

Qualifiziert hat sich auch der Australier Sheldon Riley mit seinem Song "Not The Same". Der Sänger ist Sohn eines philippinischen Einwanderers. Hatte als Kind mit seiner vermeintlich unmännlichen Erscheinung zu kämpfen, er leidet unter dem Asperger-Syndrom und ist extrem schüchtern. Darum trägt er immer eine Maske auf der Bühne. Die hat er dann in der letzten Strophe abgenommen. Das wurde natürlich groß gefeiert.

Krystian Ochman ist in den USA geboren, hat in Katowice Musik studiert. Sein Großvater ist ein bekannter Opernsänger. Auch er hat in den hohen und tiefen Lagen überzeugt. Polen ist also auch weiter. Mit Ochman´s etwas sperrigen Pop-Ballade "River".

Auffallend war ein deutliches Frauendefizit. Nur drei Ladys sind unter den zehn Kandidaten. Außerdem ist der ESC eigentlich für seine Empowermentsongs der LGBTIQ-Community bekannt. Es gab zwar auch diesmal zwei Songs aus San Marino und Israel. Aber sind beide rausgeflogen. Schade. Insgesamt war das zweite Halbfinale einfach nicht divers genug.  

Nu Genea eröffnen "Bar Mediterraneo" auf neuem Album

Massimo Di Lena und Lucio Aquilina - das sind Nu Genea aus Neapel. Das neue Album des Duos "Bar Mediterrano" soll ein Treffpunkt für Reisende sein, wo verschiedene Leute und Sounds zusammenkommen. Auf den insgesamt acht Songs gibt es jede Menge funky Elektro-Disco-Vibes mit teilweise nordafrikanischen Einflüssen und Vocals auf Französisch und auch dem Neapolitanischen Dialekt wie zum Beispiel auf dem Song "Marechià" mit der französischen Jazz-Sängerin Célia Kameni.

Neues von Céline: "CÉCÉ"

Das Luxus-Modelabel Chanel muss sich ein anderes Markenzeichen ausdenken, heißt es von Rapperin und Sängerin Céline absolut selbstbewusst in ihrem neuen Song "CÉCÉ". Fans haben schon auf News von ihr gewartet. Bei instagram hat sie auch mehrere solcher Posts geteilt. Darin heißt es etwa "Wir vermissen dich." oder "Wo bist du?".

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Ihre Debüt-EP "Instinkt" ist von 2020. Es folgten einige Singles, zuletzt Anfang letzten Jahres. Jetzt legt sie gleich zweifach nach, indem sie diese Woche auch den Song "Neues Geld" veröffentlicht hat.