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Global Pop News 10.02.2022

Klubkomm Köln kritisiert Karnevals-Regelung

Stand: 10.02.2022, 10:22 Uhr

Adele räumt bei Brit-Awards ab | Oumou Sangaré ist zurück | Tinariwen feiern Jubiläum | Kontroversen um Sexvideo von Oxlade | Eric Omondi verschanzt sich für die lokale Musikszene | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Von Łukasz Tomaszewski

Klubkomm Köln kritisiert Karnevals-Regelung

Der Karneval darf in Köln und Düsseldorf unter Corona-Auflagen gefeiert werden. Aber die Clubbetreiber fühlen sich benachteiligt. Denn sie dürfen ihre Türen nicht öffnen. Die aktuelle Corona-Schutzverordnung NRW bedeute eine klare Benachteiligung von Kulturveranstaltungen und Kulturstätten, sagt der Interessenverband Klubkomm in einer Pressemitteilung am Mittwoch.

Für Veranstaltungen des "Brauchtums"- so nennt man in Köln den Karneval - gilt während der Karnevalstage unter 2G+ Regeln keine Maskenpflicht, eine Kapazitätsbeschränkung erst ab 250 Personen in Innenräumen und ein nicht zu kontrollierendes Tanzverbot, heißt es in der Pressemitteilung. Dafür bleiben Clubs als vermeintliche Infektionstreiber geschlossen und bei Kulturveranstaltungen gilt weiterhin eine Maskenpflicht.

Kneipen und Bars dürfen, Clubs nicht

Und das empfindet Klubkomm-Vorsitzender Mankel Brinkmann als ungerecht: "Prinzipiell freuen wir uns für die Menschen in Köln und für die Kollegen aus der Gastronomie, dass der Karneval in diesem Jahr nicht vollkommen abgesagt wurde. Als Clubs und Konzertspielstätten beklagen wir jedoch eine Ungleichbehandlung. Warum werden wir explizit von Brauchtumsveranstaltungen ausgeschlossen? Die Kultur wird nicht gleichgestellt mit dem Karneval und wir machen uns natürlich Sorgen, dass mit den Öffnungsschritten nach der Omikron-Welle die Clubs wieder bis zum Ende des Sommers warten müssen. Und das werden wir nach zwei Jahren Pandemie nicht überleben können."

Es geht also einerseits ums wirtschaftliche Überleben. Aber die Clubs verstehen die Logik der Corona-Schutzverordnung auch nicht. Denn in den vergangenen beiden Jahren haben die meisten Clubs viel Geld in Lüftungsanlagen investiert und komplizierte Hygiene-Konzepte entwickelt, damit unter sicheren Bedingungen Veranstaltungen stattfinden können. Darum versteht ein Großteil der Szene nicht, warum Karneval an weniger sicheren Orten stattfinden darf.

Niederländische Clubs öffnen in Protestaktion

Alle Raver in den Niederlanden freuen sich schon auf Samstag: Dann machen für eine Nacht ihre Lieblingsclubs wieder auf. Die Niederlande lockern nicht etwa die Pandemie-Regeln. Diese Nacht ist eine Protestaktion der Clubbetreiber.

Die Wiedereröffnungskampagne der Clubs heißt: "De Nacht staat op" ("die Nacht ist los"). Clubs in Städten wie Amsterdam, Rotterdam oder Utrecht werden ihre Türen öffnen und nach 3G-Regeln Gäste empfangen. Die Clubbetreiber sagen: Die Regierung hat den Überblick verloren, handelt unverhältnismäßig und missachtet die Clubkultur. Die Verantwortlichen würden das Nachtleben nur mit der dunklen Seite des Clubbings in Verbindung bringen, anstatt sie wirklich als Kultur anzuerkennen, die schmerzlich vermisst wird.

Polizei will nicht eingreifen

Niederländische Clubkomissionen haben vergangene Woche über Auflagen für eine sichere Wiedereröffnung mit den politisch Verantwortlichen verhandelt - ohne Ergebnis. Die Gewerkschaft der Polizei hat angekündigt, am Samstag nicht einzugreifen. Sie versichert in einer Presseerklärung, dass weder Clubbesitzer noch Gäste Geldstrafen oder Schließungen befürchten müssen. Sie werde aber vor Ort sein für Notfallhilfe und Dienstleistungen für die Menschen, heißt es.

Es ist somit auch eine Protestaktion der Polizei, die selbst seit Monaten über fehlende Kapazitäten klagt. Die Niederlande meldeten gestern eine Rekordzahl von 94.884 neuen COVID-19-Fällen. Andererseits sind fast 90 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft, und knapp 60 Prozent haben eine Auffrischungsimpfung erhalten. Die Clubbetreiber sagen: Wenn wir nicht unter 3 G- Regeln wieder aufmachen, gehen die Leute auf illegale Raves ohne jegliche Regeln.

Funk-Queen Betty Davis mit 77 verstorben

Betty Davis war in den Sixties und Seventies nicht nur eine erfolgreiche Funk-Rock-Sängerin. Sie war ein Symbol für Black Empowerment und Feminismus. Neo-Soul-Sängerinnen wie Erykah Badu und Janelle Monae- nennen Betty Davis heute ihr Vorbild. Sie war für zehn Jahre extrem umtriebig und hat drei Alben veröffentlicht. In den 40 Jahren danach war sie mehr eine Stil-und Modeikone, eine Influencerin der Pop-Kultur.

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Inspiration für Miles Davis

Betyy Davies war Anfang der Siebziger für ein Jahr mit dem Trompeter und Jazz-Gott Miles Davis verheiratet. Betty hat Miles mit der New Yorker Rock- und Funk-Szene bekannt gemacht, das führte zu legendären Alben wie zum Beispiel "Bitches Brew", die Geburt des Fusion-Jazz. Betty Davis eigene Songs wie "Nasty Gal" sprachen das Thema Sexualität sehr offen an. Das hatte es vorher so noch nicht gegeben. Damit hat sie den Grundstein gelegt für kontroverse Songtexte von späteren Künstlern wie Prince und Madonna.

Lange Zeit verschwunden

Mitte der Siebziger Jahre verschwand sie plötzlich von der Bildfläche und zog sich ins Privatleben zurück. In einem New York-Times-Interview von 2018 erklärte sie: "Man sagte mir damals, meine Zeit in der Musikindustrie sei vorbei und  ich akzeptierte es einfach." Zuletzt feierte sie ein kleines Comeback: Eine bisher unveröffentlichte Platte von 1976 kam raus und sie komponierte wieder ein eigenes Stück. Außerdem ist ihre Musik zu hören im Oscar-nominierten Dokumentarfilm "Summer Of Soul" von Roots-Drummer Questlove

Eric Omondi verschanzt sich für die lokale Musikszene

Der kenianische Comedian Eric Omondi hat sich vor das kenianische Parlament in Nairobi in einen Plastikkasten verschanzt und ist in den Hungerstreik getreten. So will er sich für die lokale Musikszene einsetzen. Er fordert, dass in den lokalen Medien 75 Prozent kenianische Musik gespielt werden soll. Omondi kündigte an, den Streik nur dann zu beenden, wenn das Parlament über seine Forderung redet. Sein Ziel ist es, dass ein Gesetz dazu erlassen wird. Seiner Meinung nach wird zu viel Musik von aus anderen afrikanischen Ländern gespielt. Das schrieb er bereits im November auf Instagram. Kurz danach versuchte er erfolglos, mit einigen wenigen lokalen Artists das Parlament für seine Forderung zu stürmen, wobei er festgenommen wurde.

Eric Omondi ist stark umstritten. Ein Bandmitglied der kenianischen Band Sauti Sol schrieb auf Instagram, Omondi sei der Abschaum der Comedyszene. Rapper Jua Cali meinte, Artists der afrikanischen Unterhaltungsindustrie sollten sich nicht gegenseitig niedermachen. Damit spielt er darauf an, dass Omondi sich u.a. laut über Acts aus Nigeria beschwert.