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Vic Mensa mit Tribute für Virgil Abloh

Virgil Abloh

Global Pop News 01.12.2021

Vic Mensa mit Tribute für Virgil Abloh

Von Anne Lorenz

Musiker:innen in Kanada appellieren an die Regierung für mehr Klimaschutz | Neue Arte-Doku: "Girlhood - Frauen im Rap" | Josephine Baker im im Pantheon beigesetzt | Imarhan mit neuer Single "Tamiditin" | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Tribute für Virgil Abloh

"What You Tought Us" heißt die brandneue Single von US-Rapper Vic Mensa. Ein Brief in Songform an den berühmten Modedesigner Virgil Abloh, der vergangenen Sonntag überraschend gestorben ist. In dem Song rappt Vic Mensa darüber, was Virgil Abloh Schwarzen Menschen hinterlassen hat. An einer Stelle heißt es: "Du hast uns gezeigt, dass wir alle Designer sein können – Gestalter unserer eigenen Vermächtnisse und Umgebungen... Von Chicago bis auf die Pariser Fashionweek und darüber hinaus. Du hast uns beigebracht, dass wir die Grenzen die sie uns gesetzt haben, überwinden können."

Virgil Abloh war ein Außenseiter in der elitären Modewelt von Louis Vuitton. Er hat nie Mode studiert, ist als Sohn ghanaischer Einwanderer in einem Vorort von Chicago aufgewachsen. Ein echter Quereinsteiger, der sich mehr für Turnschuhe, DJing und Skateboarding interessiert hat als für Luxus-Schneiderkunst. Es gibt diese eine Szene aus einem Insta-Video von ihm, da geht er auf der Pariser Fashionweek den Laufsteg entlang und fasst sich ungläubig an den Kopf. Darunter schreibt er "Du kannst das auch schaffen!"

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Gestern Abend war auch die finale Louis Vuitton Runway Show zu Ehren von Virgil Abloh in Miami. Dabei sind Rapper wie Offset, Quavo und Kid Kudi als Models über den Laufsteg gegangen. Im Publikum saßen Fans und Supporter wie Pharell Williams und Kim Kardashian. Und natürlich Kanye West, der war eng befreundet mit Virgil Abloh. Aus Trauer um seinen Homie hat der auch gerade seine kompletten Insta-Beiträge gelöscht. Nur ein schwarzes Profilbild gibt es da aktuell zu sehen.

Neue Arte-Doku: "Girlhood - Frauen im Rap"

Seit heute Früh ist eine neue ARTE Doku-Serie online. Mit dabei in "Girlhood - Frauen im Rap" sind auch einige Künstlerinnen aus der COSMO-Playlist. In jeder Folge der vierteiligen Doku-Serie werden zwei Rapperinnen aus einem bestimmten Land begleitet, die darin ihre Geschichten von Widerstand, Identität und Mentalitätenwechsel erzählen.

Zum Beispiel die französische Rapperin Meryl aus Martinique. Sie rappt auf Französisch und auf Kreol und das ist für sie nicht nur selbstverständlich, sondern auch politisch – sagt Meryl in Folge 3: "Engagierte Künstlerin, den Begriff mag ich nicht. Es geht um Achtsamkeit, man muss bei den Menschen bleiben. Wenn es dem Volk schlecht geht, muss man das aussprechen. Kreol ist die Sprache des Widerstands, der Maroons. Und man fragt Engländer ja auch nicht, warum sie Englisch singen."

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Mit widerspenstigen und empowernden Texten rappt sie über die französische Kolonialgeschichte gepaart mit Zouk, Dancehall und Kompa. So bringt Meryl karibisches Flair in die französische Rap-Szene. Es geht nach Frankreich, Südafrika, Marokko und Deutschland. Mit dabei sind auch Rapperinnen wie Yetundey aus Berlin, Dope St Jude aus Kapstadt oder Kthek aus Rabat. Jede Folge dauert zwischen 10 und 15 Minuten.

Josephine Baker im Pantheon

In Paris hat gestern Abend die feierliche Zeremonie für Josephine Baker stattgefunden. Symbolisch wurde die Sängerin, Tänzerin, Widerstandskämpferin und Bürgerrechtlerin ins Pantheon aufgenommen. Als erste Schwarze Frau und als eine von gerade mal sechs Nationalheldinnen. 81 französische Persönlichkeiten sind in der berühmten Gedenkstätte in Paris beigesetzt. Darunter der Philosoph Voltaire, Physikerin Marie Curie und Schriftsteller Victor Hugo.

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Die Zeremonie wurde live im Fernsehen übertragen und Staatspräsident Emmanuel Macron hat eine flammende Rede gehalten. Josephine Baker trete ins Pantheon ein, weil sie Frankreich geliebt habe. Weil sie den Franzosen den "wahren" weg gezeigt habe, der von so vielen angezweifelt wurde, sagt Macron. Obwohl sie als US-Amerikanerin geboren worden sei, gäbe es im tiefsten Inneren Keine, die so französisch gewesen sei wie sie. Und deswegen gehöre Josephine Baker zu den wichtigsten Nationalhelden und Nationalheldinnen.

Allerdings hat sich die Familie von Josephine Baker gewünscht, dass ihr tatsächliches Grab wie bisher in Monaco bleibt. Im Pantheon wurde deshalb gestern Abend ein Sarg mit Erde aus den Teilen der Welt beigesetzt, die für das Leben von Josephine Baker von Bedeutung waren.

Die gebürtige US-Amerikanerin ist in den 1920er-Jahren als Jazz-Tänzerin zum Weltstar geworden und hat ihre Bisexualität offen gelebt. Später hat sie im Widerstand gegen die Nazis gekämpft und als Bürgerrechtlerin an der Seite von Martin Luther King gegen Rassismus in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Datum für den Einzug in den Pariser Ruhmestempel gestern Abend war kein Zufall, am 30. November 1937 hatte Josephine Baker den jüdischen Industriellen Jean Lion geheiratet, wodurch sie offiziell zu einer Französin wurde.

Imarhan mit neuer Single "Tamiditin"

Brandneue Global Sounds kommen von Imarhan aus Algerien. "Tamiditin" heißt die neue Single der Tuareg-Rocker. Tiefenentspannter Wüstenblues mit mystischem Touch. Der Sound hat etwas Taumelndes, als ob man im Halbschlaf fest hängen würde. Gerade ist der Song rausgekommen, samt animiertem Musikclip. Da werden auch die Lyrics nochmal übersetzt.

Die Musiker von Imarhan singen im Refrain: "Ich bitte dich mein Mädchen – verachte mich nicht…" Die Zeilen stammen vom Tamachek-Dichter und Musiker Mohammed Ag Itlale, auch Japonais genannt. Er ist eine Koryphäe der Tuareg-Gemeinschaft. Im Februar dieses Jahr, kurz nach den Aufnahmen zu diesem Song, ist er leider verstorben. Die neue Single von Imarhan ist somit auch nochmal ein großes Tribute an ihn.

Mit "Tamaditin" kündigen Imarhan ja jetzt auch ein ganzes Album an. Aboogi wird es heißen, denn es wurde im Aboogi Studio aufgenommen, dem ersten professionellen Aufnahmestudio in Tamanrasset, der Heimat der Band. Mit drauf sind außerdem auch noch die sudanesische Sängerin Sulafa Elyas und Gruff Rhys von den Super Furry Animals sowie Abdallah Ag Alhousseyni von Tinariwen.

Stand: 01.12.2021, 10:00