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Reeperbahn Festival feiert Comeback der Musikszene

Die Band Yard Act steht nach dem Gewinn des Anchor-Awards beim Reeperbahn-Festival auf der Bühne des St. Pauli Theaters.

Global Pop News 27.09.2021

Reeperbahn Festival feiert Comeback der Musikszene

Von Kai Brands

Das wichtigste Treffen der Musikszene in Europa fand in Hamburg statt | Mehr als 70 Global-Popstars bei Global Citizen Festival | Charity-Compilation aus Nairobi | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Reeperbahn Festival feiert Comeback der Musikszene

Das Reeperbahn Festival in Hamburg gilt als das wichtigste Treffen der Musikszene in Europa. Am Samstag, dem 25. September, ist das viertägige Event mit Branchen-Talks und knapp 300 Konzerten zu Ende gegangen. Mit dabei waren etablierte Artists wie Sting oder Joy Denalane, aber vor allem viele Newcomer:innen wie u.a. die belgische R‘n’B-Sängerin K.ZIA aus Berlin, die Bonner Deutschrapperin Die P, das niederländische Funk-Projekt Arp Frique oder der französische Produzent, Rapper und Singer/Songwriter James BKS, Sohn von Musikerlegende Manu Dibango aus Kamerun.

Nachdem das Festival im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie deutlich kleiner ausgefallen ist, konnten jetzt wieder mehr Leute in die Hamburger Clubs. Rund 25.000 Besucherinnen und Besucher waren da. Für Festivalchef Alexander Schulz sei das Gefühl ganz wichtig gewesen, dass die Branche langsam wieder loslegen kann und sich vor Ort auch untereinander austauschen kann. Für die Events galt die 3G-Regelung. "Es gab insbesondere vor den kleinen Musikclubs, in denen zum ersten Mal überhaupt wieder veranstaltet wurde – stehend und nicht bestuhlt – irre lange Warteschlangen. Besonders am Donnerstag, als das Wetter so ungünstig war. Aber ich glaube, dass es das wert war. Wenn man gegeneinander hält, es nicht zu machen oder die Mühen auf uns zu nehmen, würde ich sagen, es hat sich gelohnt". Im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie ist das Festival jedoch noch kleiner ausgefallen. Etwa halb so viele Besucherinnen und Besucher sollen da gewesen sein wie 2019.

Das Reeperbahn Festival ist bekannt dafür, dass neben Konzerten auch wichtige Themen der Musikbranche auf den Tisch kommen wie etwa die Klimafreundlichkeit von Musik-Events. Ebenfalls Thema war dieses Jahr die Geschlechter-Gerechtigkeit in der Musikbranche. Des Festival-Line-Up selbst besteht zu 50 Prozent aus Frauen oder anderen geschlechtlichen Minderheiten. Das Festival gehört, wie auch COSMO, zur Keychange-Bewegung, die sich für Geschlechter-Gerechtigkeit in der Musik einsetzt. Die Initiative hat beim Festival eine wissenschaftliche Studie vorgestellt und ein Zwischenfazit gezogen. Dabei kam zum Beispiel raus, dass laut einer Umfrage 96% der Frauen in der Musikbranche wegen ihres Geschlechts diskriminiert worden sind. Auf der Seite der Musik-Konsumentinnen glauben nur 15%, dass es bei Männern und Frauen eine Chancengleichheit in der Musikwirtschaft gibt. Diskutiert wird zum Beispiel eine verpflichtende Quote, um die ungleichen Verhältnisse anzugehen. Hier geht es zu den Studienergebnissen. Außerdem ist wieder der Newcomer:innen-Preis ANCHOR Award verliehen worden. Der ging an die britische Post-Punk-Band Yard Act. Die nächste Festival-Ausgabe soll Ende September 2022 stattfinden.

Mehr als 70 Global-Popstars bei Global Citizen Festival für den guten Zweck

Mit Musik auf weltweite Probleme aufmerksam machen und etwas Gutes tun. Das war das Ziel beim Global Citizen Festival am Wochenende. Etliche Global Pop-Superstars sind zusammengekommen und standen bei Konzerten weltweit live auf der Bühne, u.a. in Rio de Janeiro, Mumbai, Seoul oder Lagos. Teilweise fanden die Konzerte auch vor Zuschauerinnen und Zuschauern statt wie vor 20.000 Menschen in Paris oder 70.000 in New York City. Dort im Central Park gab es zum Beispiel eine bisher ungewohnte Kollaboration von Coldplay und Billie Eilish. Zusammen mit ihrem Bruder und Produzenten Finneas und der Band sangen sie Colplays Pop-Hymne "Fix You". Mitten im Lied kamen sie dafür auf die Bühne. Außerdem gab’s das Live-Comeback von der HipHop-Crew Fugees nach fünfzehn Jahren und Cyndi Lauper hat ihren Welthit "Girls Just Wanna Have Fun" den Frauen in Afghanistan gewidmet. In den insgesamt neun Städten auf den sieben Kontinenten standen mehr als 70 Musik-Stars auf den Bühnen. Unter anderem: Ed Sheeran, BTS, Angelique Kidjo, Doja Cat oder Burna Boy.

24 Stunden lang ging das Event und wurde weltweit gestreamt. Die Initiative fordert mehr Aktion im Kampf gegen verschiedene soziale Probleme auf der Welt, um etwa weltweit Armut zu bekämpfen. Außerdem ging es um den Kampf gegen den Klimawandel und die weltweite Verteilung von Corona-Impfstoffen. Bei den Konzerten vom Samstag sollen laut der Initiative Global Citizen mehr als eine Milliarde US-Dollar Spendengelder zusammengekommen sein. Das Geld kam demnach vor allem von Regierungen, Unternehmen und wohltätigen Organisationen, an die sich der Appell hauptsächlich richtet.

Die Vielfalt Nairobis Elektronik-Musikszene auf neuer Charity-Compilation

Eine neue Compilation mit dreizehn Songs und einem Field-Recording möchte die elektronische Musikszene von Kenias Hauptstadt Nairobi ins Scheinwerferlicht rücken. Dazu gehören die treibenden Klänge vom DJ- und Producer-Trio L3GS oder von Elektronik-Bastler 7headc0, der auf seinem Song "justfiou" Samples aus dem Song "Just For You" von der US-Soul/Funk-Band "Windy City" aus den 80ern geschnitten und neu arrangiert hat.

Mit darauf sind aber auch Songs mit starkem Jazz-Funk-Einfluss wie der von M3, ruhige Eletcronica-Klänge von Nabalyo, der mit traditionellen kenianischen Sounds arbeitet und seinen Stil "Changanya" nennt, Swahili für "Mix" oder "Kombination". Zusammengestellt hat die Compilation der kenianische Ambient-Musiker KMRU, bekannter Klangkünstler und Produzent aus Nairobi. Aktuell studiert er "Klang- und Akustikkunst" in Berlin und möchte den Menschen die musikalische Vielfalt in der Elektroszene seiner Heimat zeigen. Die Einnahmen der Compilation sollen dann an einen guten Zweck gehen.

"Place: Nairobi" ist Teil der "Place:"-Serie. Mittlerweile gibt es sechs solcher Compilations, zum Beispiel aus Kolumbien oder Ecuador. Ziel des Non-Profit-Projekts von dem Label "Air Texture" aus den USA, das dahintersteckt, ist es Elektronik-Producer zu vernetzen, sie international vorstellen und mit ihrer Kunst auf Missstände aufmerksam machen und gleichzeitig aktiv werden. Die Einnahmen sollen an Umwelt-Organisationen vor Ort gehen. So auch bei der Nairobi-Compilation. Hier wird das Projekt "The Green Belt Movement" unterstützt, das großflächig Bäume in der Sahelzone pflanzen möchte.

Stand: 27.09.2021, 10:01