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Hong Kong verbietet Gedenken der Tiananmen Niederschlagung - einsame Frau mit Kerze im Park protestiert

Global Pop News 02.06.2021

Musiker*innen in China und Hong Kong gedenken die Tiananmen Niederschlagung

Stand: 04.06.2021, 10:19 Uhr

Gedenken 32 Jahre nach der Tiananmen Niederschlagung | Poté mit Debütalbum | Debütalbum "Man Made" von Greentea Peng | Neues Album von João Donato "JID 007" | | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Von Joyce Lok-Teng Lee

Musiker*innen in China und Hong Kong gedenken die Tiananmen Niederschlagung

"Nothing To My Name" von Cui Jian, der Vater der chinesischen Rockmusik, wird heute (04.06.2021) auf Twitter geteilt. Es ist ein Lied voller Hoffnung und die Hymne des Tiananmen Massakers. Vor 32 Jahren wurde eine Bewegung von Studierenden, Intellektuellen und der Arbeiterklasse gewaltsam vom chinesischen Militär niedergeschlagen. Die Demonstrant*innen spielten „Nothing To My Name“ und forderten demokratische Reformen auf dem Tiananmen Platz, dem politischen Zentrum Chinas. Die Niederschlagung wird bis heute in China totgeschwiegen und im chinesischen Internet wird diesbezüglich vieles zensiert.

Deswegen gedenken nur wenige Musiker*innen aus China den Tag. In Hong Kong, der Sonderverwaltungszone Chinas, wird die Niederschlagung nicht totgeschwiegen. Hong Konger Popsänger*innen Anthony Wong und Denise Ho möchten den Tag, wie jedes Jahr, in der Öffentlichkeit im zentralen Victoria Park mit Kerzen gedenken. Allerdings ist die Treffen das erste Mal seit 32 Jahren nicht gestattet, da nach offiziellen Angaben Versammlungen momentan verboten seien. Senior Superintendant der Hong Konger Polizei sagt, dass es nichts mit dem Sicherheitsgesetz zu tun habe, das die chinesische Regierung Hong Kong Ende Juni 2020 auferlegte. Kritiker*innen sagen, dass das Sicherheitsgesetz die chinesischen Regierung dazu befähige, mehr Macht in Hong Kong auszuüben.

Poté: "A Tenous Tale of Her", Cover

Poté mit Debütalbum "A Tenuous Tale of Her"

"A Tenuous Tale of Her", zu Deutsch: "Eine zarte Erzählung von ihr". Der Produzent und Sänger vermittelt mit seiner Musik alle Gefühle, die er sich in einer prä-apokalyptischen Ära vorstellt und fragt sich, wie Menschen auf einen Untergang reagieren würden. Panik und Verzweiflung seien nur ein Teil der Reaktionen in so einer Situation, meint Poté: "Ich sehe, dass da auch andere schöne Emotionen sein können. Es kann sein, dass jemand liebt und sich sorgt. Um die Tochter, die Ehefrau, den Ehemann…Du denkst sofort an die erste Person, die du beschützen möchtest." Bei ihm treffen karibische Rhythmen aus St. Lucia, wo er geboren ist, und elektronische Sounds aus dem Underground Londons, wo er bis 2019 lebte, aufeinander. Der Wahlpariser ergänzt seinen cluborientierten Sound mit seinen sanften Seiten. Poté wolle Songs schreiben, die auf der Bühne leben können, ohne, dass er dabei ist.

Debütalbum "Man Made" von Greentea Peng

Die Londonerin versucht auf ihrem Debütalbum "Man Made“ ihren Schmerz mit HipHop Beats, Soul und Blues zu lindern. Denn es sei eine Form der Trauerarbeit: "Mein Album ist ein Zeugnis meines Schmerzes. Kurz vor der Aufnahme habe ich meinen Stiefvater verloren und ich hatte große Probleme mit meiner psychischen Gesundheit. Es war ein chaotisches Jahr und das zeigt sich auch in meiner Musik. Das Album besteht aus einer Vielzahl von Gefühlen und Sounds." Die Sängerin konzentriert sich auf dem Album aber auch auf alltägliche Dinge. So singt sie zum Beispiel über ihre Freunde, das Feiern und den Rassismus im Justizsystem. Hinter ihren Songs steckt immer die Suche nach Freiheit. Viele Songs auf hören sich an wie Jam Sessions. So sei das Debütalbum "Man Made" auch entstanden: Greentea Peng wollte eine Balance zwischen Schwere und Leichtigkeit.

Neues Album von João Donato "JID 007"

João Donato, einer der innovativsten brasilianischen Jazz Komponisten und Pianisten, tut sich für "JID 007" mit den Top Produzenten Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad von A Tribe Called Quest zusammen. Im Rahmen der Serie "Jazz Is Dead", wo die besten Produzent*innen auf legendäre Jazzmusiker*innen treffen, ist das Album entstanden. João Donato hat uns von der Produktion des Albums erzählt: "Die Jazz is Dead-Sessions waren ein echtes Abenteuer für mich! Dort im Studio angekommen gab es analoge Keyboards und Bandmaschinen, wohin das Auge reicht und ich meinte nur: ‚Worauf warten wir noch?‘. Adrian Younge und Ali Shaheed haben mir ihre geschriebenen Stücke gezeigt und ich bin direkt auf dem Klavier drauf eingestiegen, habe die Welle geritten."

Mit seinen über 80 Jahren ist João Donato immer noch auf der Suche nach den perfekten Grooves. Denn Donato ist ein Weltenbummler und gilt als der Miterfinder des Bossa Nova. Er erforschte afrokubanische Musik und Jazz. In den wilden 60ern und den frühen 70ern lebte er in Los Angeles und New York. Auch "JID 007" entstand an der sonnigen Westcoast und schwingt musikalisch zwischen Jazz und brasilianischen Klängen.

Neues Album von João Donato “JID 007”