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Studie bestätigt, Gangsta-Rap fördert Antisemitismus

Farid Bang und Kollegah bei der Echo-Verleihung 2018

Global Pop News 04.05.2021

Studie bestätigt, Gangsta-Rap fördert Antisemitismus

Von Lukasz Tomaszewski

Studie der Uni Bielefeld bestätigt, dass Gangsta-Rap Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit fördert | Fela Kuti-Musical auf Clubhouse | The Weeknd boykotiert weiter Grammy-Awards | Indische Musiker des sexuellen Missbrauchs beschuldigt | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

 

Judenfeindlichkeit im Rap?

Seit dem Echo Skandal um Kollegah und Farid Bang vor ein paar Jahren wurde immer wieder darüber gesprochen. Der jüdische Rapper Ben Salomon hat es lange beklagt. Jetzt bestätigt es eine Studie offiziell: Gangsta-Rap fördert Antisemitismus. Heute Mittag wurde die offizielle Presseerklärung von der Antisemitismusbeauftragten von NRW Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und dem Erziehungswissenschaftler Mark Grimm von der Uni-Bielefeld vorgestellt. Er hat mit seinem Team zwei Jahre lang eine empirische Studie im Auftrag des Landes NRW durchgeführt. Das Ergebnis: Gewaltverherrlichende Texte im Gangsta-Rap bereiten den Nährboden für antisemitische und auch frauenfeindliche Einstellungen bei jugendlichen Hörern. Genannt wurden da Songs von Haftbefehl, Bushido und Fard.

Wie sind die Forschenden vorgegangen?

Die Uni Bielefeld hatte zusammen mit einem Meinungsforschungsinstitut zwischen 2019 und 2021 Einzelinterviews und Gruppengespräche geführt. Zusätzlich sei eine repräsentative Zielgruppe von 500 zwölf- bis vierundzwanzig-Jährigen per Fragebogen interviewt worden- sagt Wissenschaftler Marcel Beyer: "Bestimmte antisemitische Klischees oder Verschwörungserzählungen, die mit Jüdinnen und Juden verknüpft sind, wurden selten als solche wahrgenommen. Insgesamt ließ sich in den Gesprächen beobachten, dass Jugendliche ein eher distanziertes Verhältnis zu Verschwörungserzählungen pflegen, aber es hat sich auch gezeigt, dass die Jugendlichen zu einer manichäischen Weltdeutung neigen. Die die Welt nach dichotomen scheinbar eindeutigen Kategorien ordnen wie: Gut oder böse, Freund oder Feind." Und das ist eben typisch für Gangsta-Rap, so der Forscher.  

Wie kommt es, dass weniger Gymnasiasten betroffen sind?

Die Jugendlichen stammen meistens aus der Mittelschicht. Mehr als jeder dritte Befragte glaubt, dass Rapper auf wichtige politische Themen aufmerksam machen. Außerdem ein Interessantes Ergebnis: Gangsta-Rap fördert explizit nicht Rassismus, sondern Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit.

Fela Kuti-Musical auf Clubhouse

Die Geschichte des großen Fela Kuti soll Mitte Mai Live bei Clubhouse gestreamt werden Fela Ten Twenty. Das Fela Kuti Musical vom Broadway soll am 15. und 16. Mai über die gehypte Audio-Chat-Plattform umsetzen werden. Das könnte ziemlich spannend werden, denn da treffen eigentlich zwei ganz unterschiedliche Formate auf einander. Bei Clubhouse unterhalten sich Podiumsgäste zu ausgewählten Themen. Und wir- die User- können Fragen stellen und mitdiskutieren. Eine Art interaktives Live-Podcasting. Beim Musical sind wir ja normalerweise nur Zuschauer. Also ein ziemlich spanendes Hör-Experiment.

Fela Kuti hat nicht nur den Afrobeat erfunden- er gilt in Afrika als Freiheitskämpfer, der sich politisch gegen Korruption und Polizeigewalt auflehnte. Und da ist der Link zur Gegenwart: Im Herbst gab es in Nigeria Massenproteste gegen die brutale Spezialeinheit SARS. Daraus wurde die End SARS-Bewegung. Die nehmen jetzt die Macher zum Anlass um das Drehbuch des Musicals umzuschreiben und an die aktuellen Geschehnisse anzupassen. Ein junges internationales Ensemble von Schauspielern und Musikern wird Fela Ten Twenty live in Lagos performen und streamen- Und wir können im Anschluss mitdiskutuieren. 

Cover:  The Weeknd mit Save Your Tears

 The Weeknd will die Grammys weiter boykottieren

Der kanadische Sänger wirft der Grammy-Academy "Eingeständnis von Korruption vor". Eine neue Episode im Drama: Weeknd vs. Grammys. Der Sänger hat vergangenes Jahr das zweifach mit Platin ausgezeichnete Album "After Hours" aufgenommen- dazu den erfolgreichsten Song "Blinding Lights". Entgegen allen Erwartungen wurde er damit nicht für den wichtigsten Musikpreis der Welt nominiert. Vergangenen Monat entzog er als Vergeltungsmaßnahme der Grammy-Academy die Erlaubnis ihn in Zukunft jemals zu nominieren. Das Argument: Fehlende Transparenz. In der letzten Phase der Nominierungen entscheidet nämlich ein geheimes Komitee. Auf diese Kritik hin haben die Veranstalter dieses Komitee jetzt abgeschafft. The Weeknd bleibt bei seinem Grammy-Boykott. Er sagte der New York Times: "Auch wenn ich meine Musik weiterhin nicht ins Rennen schicke: Das jüngste Eingeständnis der Korruptiion von Seiten der Grammys ist hoffentlich ein positiver Schritt in die Zukunft dieser verseuchten Awards und wird den Artists den nötigen Respekt zollen- mit einem transparenten Abstimmungsprozess".

Indische Musiker des sexuellen Missbrauchs beschuldigt

Es handelt sich um die drei Gundecha-Brüder. Sehr bekannte Interpreten klassischer Indischer-Musik und Musiklehrer. Und zwar an der eigenen Musikschule. Seit Jahren kommen in dieses Internat Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Welt.  Wie die BBC berichtet, beschuldigen jetzt mehrere Absolventinnen die Brüder des sexuellen Missbrauchs und sogar der Vergewaltigung. Die BBC hat mit mehreren Betroffenen gesprochen. Es sind sehr detaillierte Berichte: Da geht es von anzüglichen WhatsApp-Nachrichten, über Versuche des Küssens bis hin zum körperlichen Übergriff und Vergewaltigung. Ans Licht gekommen sind die Berichte durch Facebook-Gruppen der Alumni. Bisher streiten die Gundecha-Brüder alle Vorwürfe ab.

Das indische Gesetz verpflichtet Institutionen bei solchen Vorwürfen eine interne Kommission einzusetzen, die dem nachgeht. Von der ist schon mal nichts zu erwarten. Die zuständige Staatsanwaltschaft schweigt noch. Beobachter sagen: Es ist längst überfällig, dass eine #MeeToo-Debatte die indische klassische Musik erfasst. Das Verhältnis zwischen Guru und Schüler soll hier auf totaler Unterwerfung basieren. Sexualisierte Gewalt ist ein riesiges Problem in Indien, aber auch ein absolutes Tabu-Thema.

Stand: 04.05.2021, 12:00