Live hören
Jetzt läuft: Bagualas de Tucuman (El Remolon Remix) von Leda Valladares

#ForTheMusic - Anti-Sexismus-Kampagne von DJ Rebekah

DJ Rebekah mit einem Schild auf dem der Hashtag ForTheMusic steht

Global Pop News 14.01.2021

#ForTheMusic - Anti-Sexismus-Kampagne von DJ Rebekah

Von Lukasz Tomaszewski

DJ Rebekah startet Kampagne gegen Sexismus in der Elektro-Szene | Noga Erez mit neuer Single | Präsidentschaftswahlen in Uganda | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Techno DJ Rebekah startet Anti-Sexismus-Kampagne

Die #MeeToo-Debatte wird auch in der Clubszene immer lauter. Jetzt gibt es eine neue Kampagne: #ForTheMusic. Ins Leben gerufen hat sie die britische Star-DJ Rebekah. Sie möchte damit die Elektro-Szene zu einem sicheren Platz für Frauen, Trans- und Nonbinäre Menschen  machen. DJ Rebekah ist eine der weltweit beliebtesten Techno-DJs - Hunderttausende Fans und ausverkaufte Hallen. Doch bis dahin war es ein langer Leidensweg: gespickt mit sexuellen Belästigungen.
Dem britischen Guardian erzählte sie jetzt ihre Geschichte. Als Siebzehnjährige suchte sie einen Job in einem Plattenladen in Birmingham. Der Besitzer entgegnete ihr wie es denn mit einem Blowjob sei. Mit zunehmendem Erfolg wurden Herabwürdigungen und sexistische Witze zwar seltener. Aber DJ Rebekah wurde immer wieder von männlichen Promotern und DJs gesagt, dass sie nur wegen ihres guten Aussehens an den Plattentellern steht- und in Wahrheit gar nicht mixen kann. Über zwanzig Jahre lang hat sie diese Erlebnisse in sich hineingefressen. Doch jetzt ist Schluss.

Initiiert wurde Rebekkas Aktivismus durch einen Skandal. 2019 vergewaltigte Star-DJ Erick Morillo eine Kollegin. Als Morillo vergangenen Herbst starb- sickerten in den sozialen Netzwerken immer mehr Erfahrungsberichte von Vergewaltigungsopfern aus der Techno-Szene durch. DJ Rebekah fühlte sich wieder wie damals als Siebzehnjährige und startete die  #ForTheMusic-Kampagne. Mit breiter Unterstützung von vielen Kolleginnen, die ihre Erlebnisse und Wut teilten. Gemeinsam wollen sie einerseits Safe Spaces in Clubs für Frauen und die LGBTIQ-Community schaffen. Andererseits sollen es weibliche Nachwuchs-DJs in Zukunft einfacher haben als sie selbst.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Popstar oder Despot? Präsidentschaftswahlen in Uganda

Heute ist der Tag der Entscheidung in Uganda. Bei den Präsidentschaftswahlen wird Langzeitpräsident Yoweri Museveni von Pop-Star Bobi Wine herausgefordert. Bobi Wine hat passenderweise zum Wahltag diesen Song rausgebracht. "Tulonde" ist die neueste Single des 38-Jährigen Herausforderers: ein Aufruf an seine Anhänger, zur Wahl zu gehen. "Dies ist die Chance, ein neues Uganda herbeizuführen", singt er dort. "Kommt zahlreich und gebt eure Stimmen ab. Wir schreiben Geschichte." Er singt gegen die Angst, gegen die massive Einschüchterung durch die Staatsgewalt.

Viele Wahlkampfauftritte von Bobi Wines Oppositionspartei wurden verboten, sein Team gleich mehrmals verhaftet. Noch am Dienstag berichtet Bobi Wine, sein Haus sei morgens von Sicherheitskräften durchsucht, seine Angestellten verprügelt worden. Am gleichen Tag ließ die Regierung Social-Media-Dienste abschalten. Alles demokratiefeindliche Symptome des aktuellen Präsidenten Yoweri Museveni, der seit 1986 im Amt ist und sich zum siebten Mal zur Wahl aufstellt. Einst war er ein Hoffnungsträger, heute steht er für Korruption und einen autoritären Führungsstil. Bobi Wine selbst nennt Museveni einen Diktator.

Bobi Wine mit geringen Chancen

Beobachter räumen Wine trotz seiner Beliebtheit kaum Chancen ein – vor allem, weil die Opposition es versäumt hat, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Bobi Wine versichert eine Niederlage anzuerkennen. Er ruft seine Anhänger aber auf, Beweise für mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl zu sammeln. So soll das Ergebnis notfalls vor Gericht angefochten werden. Für die Wahl sind etwa achtzehn Millionen Stimmberechtigte registriert. Sollte kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, wird es eine Stichwahl geben.

Noga Erez

Noga Erez mit neuer Single "End Of The Road"

Noga Erez aus Tel Aviv ist ein riesiger Hoffnungsträger der israelischen Pop-Szene. Sie kann einfühlsam sein wie Billie Eilish und gleichzeitig diese druckvollen Punch Lines wie eine M.I.A. spitten. Stets anspruchsvoll- mal lyrische, mal kritische Texte- die Hooklines haben Ohrwurm- Qualität. "End Of the Road" vereint all das. Im Text werden auf ironische Weise Statussymbole und Gimmicks eines hedonistischen Lifestyles aufgezählt. Im Refrain heißt es: "Ich weiß aber nicht was am Ende des Weges auf mich wartet."
Noga Erez meint: "Es geht darum lächelnd dem Ungewissen entgegenzugehen. Das einzig sichere im Leben ist das Ende. Warum also Angst davor haben! Wir müssen unsere Beziehung zum Schicksal verändern, dass außerhalb unseres Einflussbereichs liegt". Weise Worte für eine Einunddreizigjährige.

Das Video ist, wie immer bei Noga Erez, arty und verstörend zugleich. Die Sängerin läuft auf einem Laufsteg- der gleichzeitig ein Laufband ist. Sie schreitet also voran und tritt doch auf der Stelle. Um sie herum ein sitzendes Publikum aus alten Leuten. Und die rappen dann irgendwann ihre halsbrecherisch schnellen Textzeilen mit. Noga Erez sagt: "Das Video zeigt keine einfache Reise- sie ist komplex". Noga Erez beweist einmal mehr viel Kreativität und Talent. Und vor allen, dass sie mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Vielleicht gelingt ihr ja der Durchbruch mit dem neuen Album "Kids", das im März erscheint.

Stand: 14.01.2021, 10:00