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Conciencia Collective: Latin-Solidarität mit Black Lives Matter

Die Afro-Kolumbianische HipHop-Gruppe ChocQuibTown

Global Pop News 29.06.2020

Conciencia Collective: Latin-Solidarität mit Black Lives Matter

Von Lukasz Tomaszewski

Gründung des Conciencia Collective zur Unterstützung von BLM | Veranstalter-Protest in Berlin | Gilberto Gil spendet Trost | Toto la Momposina Corona-bedingt pleite | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Latin-Solidarität mit Black Lives Matter

In den letzten Wochen wurde vielen Latin-Artists vorgeworfen sich nicht oder nur ungenügend mit der Black Lives Matter Bewegung zu solidarisieren. Jetzt wurde die Initiative Conciencia Collective ins Leben gerufen. Ideengeber war die afrokolumbianische Band Choc Quib Town. Sängerin Goyo mobilisierte über 100 Musikschaffende aus der Latin Welt. Unter Anderem Kali Uchis, Anuel AA, Farruko, oder Jessie Reyez. Gemeinsam mit Fachleuten aus der Industrie ist eine solidarische Allianz mit der Black Lives Matter-Bewegung entstanden.

 Am Wochenende ist das Conciencia Collective mit einer Social-Media-Kampagne an den Start gegangen, um Fans und Musikprofis gleichermaßen über rassistische und soziale Ungerechtigkeiten in der Musikwelt aufzuklären. In Verbindung mit der Latin-Kulturwebsite Mitú wird das Kollektiv digitale Gespräche veranstalten. Am Wochenende wurde der erste Talk von einer kolumbianischen Uni Professorin für Studien der Afro-Diaspora moderiert. Musikalisch begleitet wird das Conciencia Collective von einer eigene Spotify-Playlist.

Veranstalter-Protest in Berlin

 Viele Menschen aus der Veranstaltungsbranche bangen in der Corona-Krise um ihre Existenz. Darum gehen sie heute in Berlin gemeinsam auf die Straße. "Uns fehlen die Perspektiven". Das sagen Dienstleistende aus der Kultur- und Eventbranche in einer gemeinsamen Erklärung. Mit organisiert hat die Demo Daniel Domdey, Geschäftsführer der Agentur d2m-Berlin. Er fordert einen Weg zurück zur  Normalität: "Das betrifft eben nicht nur uns als örtliche Veranstalter oder Konzert- oder Theaterhäuser-Betreiber. Sondern es betrifft eben auch viele Gewerke die damit dranhängen. Caterer, Security-Firmen, Technikdienstleister. Es ist eine sehr große Zahl von Personen die da betroffen ist, die eigentlich so ein Bisschen im Schatten stehen. Und die man gar nicht so richtig wahrnimmt. Wo von jetzt auf gleich die ganze Auftragslage zusammengebrochen ist. " Am heutigen Montag um 13 Uhr startet der Protestmarsch der Veranstaltungsbranche in Berlin am Ernst Reuter-Platz und zieht an den Potsdamer Platz.
Die Lage der Branche ist trotz der beschlossenen Lockerungen weiterhin prekär, sagen die Betroffenen. Zu gering sind die zugelassenen Zuschauerzahlen. 20-30 Prozent der Auslastung. Ein "Drauflege-Geschäft" sagen die Veranstalter. Sie verstehen zwar die Corona-bedingten Abstandsregelungen. Aber eben nicht warum diese in Bahnen oder Flugzeugen anders geregelt werden als auf Konzerten. Branchenvertreter sprechen von Ungleichbehandlung.

Gilberto Gil spendet Trost

Der Song "Andar com Fé" ist ein Klassiker der Musica Popular Brasileira von Großmeister Gilberto Gil. Der Refrain ermuntert dazu mit Vertrauen durchs Leben zu gehen- auch wenn die Bedingungen schwierig sind. Pünktlich zu seinem 78. Geburtstag hat Gilberto Gil den Song jetzt neu aufgenommen. Dazu gibt es auch ein ziemlich imposantes Video im typischen Corona-Stil. Hier singen große Namen der brasilianischen Musik aus dem Homestudio- mit dabei sind Caetano Veloso, Milton Nascimento, Marisa Monte, Jorge Ben oder Emicida.

 Brasilien hat die Marke von 55 000 Toten durch das Coronavirus überschritten. Insgesamt haben sich mehr als eine Million Menschen infiziert. Bereits im Juli erwarten Experten, dass Brasilien die USA überholt,  als Land mit den meisten Ansteckungen weltweit. Darum soll der Song einerseits Trost spenden. Andererseits sind alle teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler aus dem Video erklärte Gegner des rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro. Die neue Version des Songs könnte man als politischen Akt gegen Bolsonaro verstehen. Gilberto Gil war einst selbst Kulturminister und gilt als scharfer Kritiker der aktuellen Regierung.

Toto la Momposina Corona-bedingt pleite

 Mit einem emotionalen Posting auf ihren Sozialen Netzwerken schreibt die kolumbianische Cumbia-Legende Toto la Momposina: Meine Band ernährt viele Familien. Unsere Reserven sind aufgebraucht. Wir können uns kein Essen, keine Miete und kein Licht mehr leisten. Bitte helft uns und spendet. 60 Jahre lang habe ich als unabhängige Küntlerin von meiner Kunst gelebt. Durch das Coronavirus stehen wir vor dem Nichts.

In Kolumbien bekommen Musikerinnen und Musiker keine Corona-Hilfsgelder. Darum sollen jetzt die Fans einspringen. Eigentlich hatToto la Momposina die Almosen gar nicht nötig- hätten bloß andere Künstler die Tantieme an ihrer Musik gezahlt. Der Song "La Curura" von Toto la Momposina ist nicht nur in Kolumbien ein Hit. Er wurde immer wieder gesampelt: von US-Rapper Timbaland oder dem Schweizer Technoproduzent Michel Cleis. Das Problem: Toto la Momposina hat dafür nie Geld gesehen. Jetzt stehen Sie und ihre Band vor dem finanziellen Ruin- nach über 60 Jahren Bühnenerfahrung. Corona-bedingt wurden der Sängerin alle Konzerte für 2020 gecancelt. Darum schreibt Toto: Helft uns diese Durststrecke zu überstehen- damit wir uns danach wieder dem widmen können, was wir am besten können: Der Musik.

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Stand: 29.06.2020, 10:30