Arca kündigt neues Album "KiCK i" an

Arca - Time

Global Pop News 22.05.2020

Arca kündigt neues Album "KiCK i" an

Von Anne Lorenz & Marc Mühlenbrock

Arca kündigt neues Album "KiCK i" an | "SOS Iquitos" - europäische Latin-Labels sammeln für Peru | Polnischer Präsident Duda rappt bei "Hot16Challenge" | Unsere News aus der Welt des Global Pop.

Arca kündigt neues Album "KiCK i" an

Sphärische Sounds kommen aktuell von der venezolanischen Produzentin Arca. "Time" heißt ihre neue Single, damit kündigt die 30-Jährige ihr neues Album an. Die Gästeliste darauf klingt hochkarätig. Drei der wichtigsten Künstlerinnen unserer Pop-Musik-Ära werden mit dabei sein: Latin Superstar Rosalía, Elektro-Sängerin Sophie und die isländische Pionierin der anspruchsvollen Experimental-Musik: Björk. Björk und Arca haben schon häufiger zusammengearbeitet, beide leben ja in London. Auf dem neuen Song "Time" singt Arca aber selber, bisher ungewohnt von ihr. Sie hatte sich in der letzten Zeit eher zurückgezogen aus der Musikwelt. Ab jetzt möchte sie außerdem mit weiblichen Personalpronomen beschrieben werden.

Als Mann geboren und auch als Produzent bekannt geworden, hat Arca sich 2018 als nicht-binäre Person erklärt. Das heißt, als Person, die weder männlich noch weiblich gelesen werden möchte. Diese Verwandlung verarbeitet sie auch auf ihrem kommenden, vierten Album "KiCK i". Die erste Single daraus hieß passenderweise "Nonbinary". Im Video zur neuen Single "Time" sehen wir sie als Drag-Queen, die in einem Nachtclub erst auf einem mechanischen Bullen tanzt und danach einen als Minotaurus verkleideten Mann abschleppt. Obskur und bizarr mit fesselnden Lichteffekten. Das neue Album "Kick i" erscheint Ende Juni.

"SOS Iquitos" - europäische Latin-Labels sammeln für Peru

Das Amazonasgebiet in Peru wurde von der Corona-Krise hart getroffen. Die Bevölkerung war gerade noch dabei, sich von einem Dengue-Fieber Ausbruch Ende 2019 zu erholen. Aktuell gibt es jeden Tag mehrere Tausend Neu-Infizierte. Die Krankenhäuser sind bereits kollabiert und die Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln per Luftverkehr läuft schleppend bis gar nicht. Einige europäische Platten-Labels versuchen nun, den Menschen zu helfen. Der Anlass ihrer Aktion ist ein trauriger: Drei bedeutende Musiker der sogenannten psychedelischen Cumbia aus dem Amazonasgebiet sind bereits an den Folgen ihrer Corona-Infektion gestorben.

Die Emerson-Brüder aus der wohl bekanntesten Band des Genres, Los Wembler's de Iquitos. Und Ranil, der in den Siebzigerjahren ein Vorreiter der Cumbia Amazonica war. Alle haben ihre Alben über europäische Latin-Labels veröffentlicht. Diego Hernandez, Betreiber des in Berlin ansässigen Labels Eck Echo, erzählt, wie er vom Tod von Ranil erfahren hat: "Im Zuge von dieser Krise wollte der Chef von Analog Africa Ranil treffen, um ihm die Platte, die er auf seinem Label rausgebracht hatte, in die Hand zu drücken. Aber dieses Gespräch hat nie stattgefunden, weil er verstorben ist."

Eck Echo und Analog Africa haben sich dann gesagt: "Wir müssen was tun." Denn die Lage vor Ort ist wirklich schlimm. Als drittes haben sie sich das peruanische Tropen-Bass-Duo Dengue Dengue Dengue aus Peru mit ins Boot geholt und eine Spendenaktion gestartet. Unter allen Spendern werden Platten der Labels und Artists als Belohnung verlost. "SOS Iquitos" heißt die Aktion, benannt nach der Stadt in Peru, aus der die Band Los Wembler's kommt. Vor Ort sollen davon Medikamente bereitgestellt werden und vor allem Sauerstoffflaschen. Bisher sind über 3500 Euro zusammengekommen, 10.000 Euro ist das Spendenziel.

Polnischer Präsident Duda rappt bei "Hot16Challenge"

Der Beat ist böse, der Flow ist eher mittelmäßig bis lahm. Es rappt ja aber auch kein Profi-Rapper, sondern Andrzej Duda der polnische Präsident. Der will zum Glück keine zweite Karriere starten, sondern hat bei der Benefiz-Aktion "Hot16Challenge" mitgemacht. Dabei werden Prominente in Polen dazu aufgefordert, 16 Zeilen selbst zu schreiben und zu rappen. 16 Zeilen ist die Länge einer klassischen HipHop-Strophe. Das Ganze natürlich für den guten Zweck: Die "Hot16Challenge" sammelt Spenden für Corona-Patienten in polnischen Krankenhäusern. In den Raps geht es auch häufig um COVID-19. Hat man seine Strophen abgeliefert, reicht man den Staffelstab weiter und nominiert die nächsten vier Opfer.

Es funktioniert also wie bei der "Ice-Bucket-Challenge" - und jetzt hat es dabei eben auch den höchsten Mann im Staat erwischt. Andrzej Duda rappt über die "starken Hände des Retters, der gegen den Schatten des Nebels kämpft." Fast schon poetisch. Und er macht auch optisch im Videoclip keine schlechte Figur, schaut sogar ein, zwei Mal böse wie ein Straßenrapper in die Kamera. Ungewohnt komische Aktion des konservativen bis rechtsnationalen Politiker, der sonst freie Meinungsäußerung eher zu unterbinden versucht - sprich: mit HipHop eigentlich nicht viel zu tun hat. Auch mit seiner Mithilfe sind bei der Aktion bisher knapp 550.000 Euro an Spenden zusammengekommen, sagt der polnische Rapper Solar, der sich die Challenge ausgedacht hat.

Kampf der Dancehall-Titanen: Bounty Killer vs. Beenie Man im Netz-Battle

Morgen treten zwei der besten Dancehall-Acts aller Zeiten musikalisch in einem Soundclash gegeneinander an: Bounty Killer vs. Beenie Man. Ein Soundclash ist eine Art DJ Battle. Beide spielen sich gegenseitig Ping-Pong-mäßig ihre größten Hits vor und werden den anderen dabei am Mic ganz schön dissen. Für deutsche Fans eine rare Möglichkeit Bounty Killer mal wieder live zu sehen. Der umstrittene Dancehall-Artist ist seit über 10 Jahren nicht mehr in der Bundesrepublik aufgetreten. Seine Shows wurden immer wieder abgesagt, weil er am Anfang seiner Karriere zur Hetze gegen homosexuelle Menschen aufgerufen hat.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag kann man sich den Soundclash live auf dem Instagram Account von Verzuz anschauen. Das Besondere: Es ist eine Art Homecoming-Clash. Die Jamaikaner haben diese Ur-Form aller Rap-Battles nämlich erfunden. Schon in den Fünfzigerjahren kam es dabei darauf an, wer das bessere Soundsystem und die besseren Songs am Start hat.

Wir haben über die Hip Hop Plattform Verzuz und einige der bisherigen Battles bereits berichtet: DJ Premier gegen RZA vom WuTang Clan oder Babyface gegen Teddy Riley von Blackstreet. Meistens haben Produzenten gebattlet, aber auch schon Rapper wie Nelly und Ludacris. Die Show ist auch eine Möglichkeit, ganz frische, neue Tunes zu spielen. Ludacris hat schon letzten Samstag bei seinem Clash mit Nelly einen neuen unveröffentlichten Track angespielt. "Silence oft he Lamb", ein Feature mit Gaststar Lil Wayne, inspiriert vom 90s-Thriller "Das Schweigen der Lämmer". Es ist ein Diss-Track gegen übergriffige Männer und toxische Männlichkeit. Ludacris hat sich darin unter anderem gegen Soulsänger R Kelly gerichtet, gegen den es ja seit vielen Jahren Vergewaltigungsvorwürfe gibt.

Stand: 22.05.2020, 15:00