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Brit Awards mit Männerüberschuss

 Der Rapper Stormzy bei seinem Auftritt am 28.06.2019 auf dem Glastonbury Festival

Global Pop News 13.01.2020

Brit Awards mit Männerüberschuss

Von Marc Mühlenbrock & Joyce Lok-Teng Lee

Männerüberschuss bei den Brit-Awards-Nominierten sorgt für Kritik | Sexismus oder Satire in Ägypten? Sänger Tameem Youness provoziert mit neuem Video | Neue Vorschriften fürs Glastonbury: Festival zukünftig leiser? | Unsere täglichen News aus der Welt des Global Pop.

Brit Awards mit Männerüberschuss

Am Wochenende wurden in London die Nominierungen für die Brit Awards bekannt gegeben. Ausgezeichnet werden die besten britischen Künstler. UK-Rapper Dave kann sich ab jetzt die größten Hoffnungen auf einen Award machen, er wurde gleich vier Mal nominiert: als bester männlicher Künstler, als bester neuer Künstler, für den besten Song und für das beste Album des Jahres. Dave hatte für "Psychodrama" bereits letztes Jahr den anderen wichtigen großen britischen Musikpreis - den Mercury Prize - gewonnen. Vier Mal nominiert ist auch der schottische Singer/Songwriter Lewis Capaldi. Auf der Liste stehen noch Mark Ronson, Michael Kiwanuka, Stormzy und Coldplay.

Auffallend viele männliche Acts, weswegen auch schon die erste Kritik laut wird, u.a. von der britischen Tageszeitung Guardian. Der schreibt, wenn man die Kategorie bester weiblicher Act und zwei Feature-Sängerinnen weglassen würde, sei nur eine einzige Frau nominiert: R’n’B-Star Mabel für die beste Künstlerin, den besten neuen Künstler und die beste Single des Jahres. Zum Vergleich: Dagegen wurden 17 männliche Künstler oder Bands nominiert. Die Veranstalter wehren sich und berufen sich auf die britischen Charts, nach denen die Nominierten größtenteils bestimmt werden. Bereits vorher waren die Brit Awards in die Kritik geraten, weil sie als einer der wenigen großen Awards immer noch den besten männlichen und den besten weiblichen Künstler ehren und nicht auf Genderkategorien verzichten.

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Sexismus oder Satire in Ägypten

Große Aufregung in Ägypten. Dort ist gerade ein Song erfolgreich, der Frauen attackiert. In dem Song von Tameem Youness geht es darum, dass ein Mann einer Frau Avancen macht. Als diese ihn zurückweist, wird er verbal aggressiv. Er sagt, er würde ihren Ruf ruinieren, hofft, dass sie zunimmt und wünscht ihr Salmonellen an den Hals. So heißt der Song auch: "Salmonella".

Im Video bekommt Tameem Youness selbst einen Schlag ins Gesicht und singt sich mit Nasenbluten durch die zweite Hälfte. Der Sänger sagt, es gehe in "Salmonella" nicht darum, Frauen runterzumachen. Stattdessen sei es Satire und eine Kritik an Männer, die kein "Nein" akzeptieren. Trotzdem gibt’s auch gegen ihn massig Kritik, das Video soll sogar geblockt werden, die entsprechenden Anträge bei Facebook und Google sind gestellt. Einige User kritisieren online, dass Tameem Youness die Satire nicht deutlich genug gemacht habe.

Der Song wird auch so hart angegangen, weil zur Zeit ein Video aus Ägypten kursiert, das zeigt, wie ein Gruppe von zwanzig Männern eine Frau sexuell attackiert. Leider kein Einzelfall: Ein Report der UNO besagt, dass 99 Prozent der Frauen schon solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben - angefangen mit blöden Anmachsprüchen bis hin zu sexueller Gewalt.

Glastonbury zukünftig leiser?

Einem der berühmtesten Festivals der Welt wird geraten, die Lautstärke runterzudrehen. Das sagt der zuständige Gemeinderat des Bezirks, in dem das Glastonbury stattfindet. Letztes Jahr hatten sich auf dem Festival Besucher beschwert. Mehr als sonst – aber am Ende dann doch nur 37. Eine relativ geringe Zahl bei 200.000 Festivalbesuchern. Neben der Lautstärke soll das Glastonbury u.a. noch seine Security Checks verbessern, auf sauberes Essen achten und dafür sorgen, dass immer genug Taxis bereitstehen. In der Regel müssen die Veranstalter solche Empfehlungen von regionalen Verwaltungen ernst nehmen, weil die am Ende die Lizenz erteilen. Inwieweit die Lizenz des Glastonbury auf lange Sicht gefährdet ist, wurde nicht bekannt, ist aber erstmal nicht wahrscheinlich. Das Glastonbury startet traditionell am letzten Juni-Wochenende, Headliner 2020 sind Paul McCartney, Taylor Swift und Diana Ross.

Cynthia Erivo sagt Auftritt bei BAFTA Awards ab

Aus Protest hat die britische Sängerin und Schauspielerin Cynthia Erivo ihre Performance bei den britischen Oscars, den BAFTA Awards, abgesagt. Nominiert wurden nur Weiße, was Cynthia Erivo nicht in Ordnung findet. Sie selbst ist Schwarz und habe keine Lust bei einer Veranstaltung als einzige Schwarze, wie ein Party Trick, aufzutreten. In einem Interview mit dem People Magazine hat sie gesagt: "Alle People Of Color in der Filmindustrie arbeiten hart. Und viele von ihnen verdienen es, zelebriert zu werden." Außerdem kritisierte sie, dass die Preisverleihung sehr männerlastig sei. Schaut man sich die nominierten Regisseure zum Beispiel an, erkennt man, dass keine einzige Frau darunter ist. Die Verantwortlichen der BAFTA Awards wollen das Abstimmungssystem nochmal sorgfältig und detailliert überprüfen.

Die Loveparade soll zurückkommen

Der Berliner DJ Dr. Motte hat in einer Pressekonferenz verkündet, dass er die Loveparade wieder nach Berlin holen will. Der Termin steht noch nicht. Ob es überhaupt eine neue Loveparade geben wird, hängt davon ab, wie viele Interessierte es gibt. Das soll an einer Spendenaktion gemessen werden. Dieses "Fundraving" gibt es ab heute. Ziel ist es, die Finanzierung nicht kommerziell zu halten und nicht von Sponsoren abhängig zu machen.

Die Meinungen, ob die Loveparade zurückkommen darf, geht vor allem unter den Betroffenen der Katastrophe in Duisburg 2010 auseinander. Es gebe Betroffene, die mit der Wiederbelebung der Loveparade einverstanden seien. Allerdings gebe es auch Betroffene, die stark dagegen sind. Bis heute haben sie keine Kompensation bekommen und die Nachsorge sei auch mangelhaft.

Stand: 13.01.2020, 12:14