Tinariwen und die Essenz der Sahara

Tinariwen: "Amadjar"

Global Pop News 14.11.2019

Tinariwen und die Essenz der Sahara

Von Vincent Lindig

Mini-Dokumentation über Desert-Blues Band Tinariwen erschienen | Marokkanischer Rapper Gnawi wegen Beleidigung von Polizisten im Gefängnis | Unsere täglichen News aus der Welt des Global Pop.

Die Mini-Doku "Amadjar" führt ganz nah an die Desert Blues Band Tinariwen

Die Kamera hat die Band auf Tour begleitet - in der Sahara und in Mauretanien. Wir sehen Tinariwen in Minibussen reisen, in der Wüste campieren, an großen Lagerfeuern unter freiem Himmel spielen und aufnehmen. Dafür ist die Band samt technischem Equipment in großen Wohnwägen durch die Wüste gereist - um die Essenz der Sahara in den Aufnahmen einzufangen. So wurde das letzte Album "Amadjar" produziert  - übersetzt bedeutet der Titel "Der fremde Reisende". Die Doku heißt ebenfalls so.

Ein sehr seltenes Interview mit Bandleader Ibrahim Ag Alhabib gibt zudem tiefe Einblicke hinter die Kulissen. Ibrahim erzählt mit sanfter Stimme von den Anfängen der Band, von ihrer Verbindung zur Tuareg-Community und über die Themen, die sie in ihrer Musik behandeln. Dazu ist das Ganze wunderschön und kunstvoll gefilmt: die Aufnahmen zeigen das Leben in der Wüste, die Weite unterm Himmel, Sonnenaufgänge in der Sahara - und dazu die Musik von Tinariwen. Perfekt für kalte Wintertage, an denen es draußen viel zu kalt ist.

Marokkanischer Rapper Gnawi wegen Beleidigung von Polizisten im Gefängnis

In Marokko sitzt einer der beliebtesten Rapper des Landes im Gefängnis - und zwar, weil er Polizisten und die Obrigkeit beleidigt haben soll. "Aâcha El Chaâb", übersetzt "Lang lebe das Volk" - so heißt sein neuer Song. Drei Tage vor seiner Verhaftung hat Gnawi das Lied veröffentlicht. Offiziell ist das aber nicht der Grund für seine Verhaftung.

Die Anklage hat Gnawi wegen eines Instagram-Livevideos kassiert, in dem er zu Hause sitzt und mit blutig geschlagener Nase wütend die Polizei beleidigt. Die hatte ihn kurz vorher an einem Checkpoint kontrolliert - und offensichtlich kam es dabei zu Gewalt gegen Gnawi. Dieses Video ist der offizielle Grund für seine Verhaftung - viele vermuten aber, dass es der Inhalt des Songs ist, den wir gerade gehört haben. Darin rappt Gnawi nämlich sehr kritisch gegen die Polizei und auch den König. Die Beleidigung des Königs steht in Marokko unter Strafe.

Nun wird der Fall in der marokkanischen Stadt Saleh verhandelt, wo Gnawi im Gefängnis sitzt. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu zwei Jahren Haft, zusätzlich eine Geldstrafe von umgerechnet 500 Euro. Ein ziemlich heftiges Vorgehen seitens des marokkanischen Staats - und das beschäftigt auch Amnesty International. Die schreiben: Die Festnahme von Gnawi ist ein schlimmer Angriff auf das Recht auf freie Meinungsäußerung. Er wird hart bestraft dafür, dass er seine Meinung kritisch gegenüber Autoritäten und der Polizei geäußert hat.

Stand: 14.11.2019, 11:45