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Drohungen gegen Mashrou' Leila

Libanesische Band  Mashrou' Leila

Global Pop News 25.07.2019

Drohungen gegen Mashrou' Leila

Von Anne Lorenz | Joyce Lok-Teng Lee

Lokale Kirchenführer fordern die Absage des Auftritts der libanesischen Band Mashrou' Leila beim Byblos International Festival | Reaktionen puerto-ricanischer Musiker auf den angekündigten Rücktritt von Gouverneur Ricardo Rosselló | Mercury-Prize-Nominierungen stehen fest | Langjährige Bewährungsstrafe von Meek Mill aufgehoben | Unsere täglichen News aus der Welt des Global Pop

Drohungen gegen Mashrou' Leila

Die libanesische Band steht im Line-Up vom Byblos International Festival, das im August stattfindet. Jetzt gab es allerdings Ärger um den Auftritt von Mashrou' Leila. Der Band wird vorgeworfen, dass einige ihrer Songtexte blasphemisch sind. Ein libanesischer Bezirksstaatsanwalt sagte, dass Teile ihrer Lieder das Christentum beleidigen. Dazu gab es gestern sogar ein gerichtliche Anhörung, die Bandmitglieder wurden im Staatssicherheitsministerium befragt, ohne Anklage aber wieder freigelassen. Laut libanesischem Strafgesetzbuch steht auf Gotteslästerung bis zu drei Jahre Haft.

Auch der öffentliche Druck auf Mashrou' Leila ist groß. Im Netzt wird über ihre Songtexte diskutiert und ihre Socialmedia-Posts werden auseinandergenommen. Es gab sogar ein Treffen mit der Band, den Festivalmachern vom Byblos International und religiösen Vertretern. Dabei haben Mashrou' Leila zugegeben, dass einige ihrer Texte für Christen oder Muslime vielleicht anstößig wirken können. Laut Presseagentur haben sie zugesagt, sich bei einer öffentlichen Pressekonferenz für diese Songs zu entschuldigen und sie beim Festival aus der Setliste zu streichen. Das scheint aber gerade alles nichts zu nützen. Lokale Kirchenführer fordern weiter die Absage des Konzerts - radikalislamische Gruppen drohen sogar mit Gewalt.

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Dabei geht es längst nicht mehr nur um Blasphemie-Vorwürfe, in vielen Kommentaren im Netz wird Hamed Sinno - der Sänger von Mashrou' Leila - direkt bedroht. Der ist ja bekennend schwul und setzt sich für LGBTQ-Rechte ein. Support für die Band kommt von Musikerkollegen. Der libanesische Sänger Marcel Khalifé hat zum Beispiel auf seiner Facebookseite geschrieben "Freiheit für Mashrou' Leila". Mittlerweile hat sich auch Amnesty International eingeschaltet. Die Menschenrechtsorganisation fordert das libanesische Innenministerium auf, dafür zu sorgen, dass das Konzert nicht abgesagt wird und dass die Band sich auf der Bühne sicher fühlen kann. Ob und wie das Konzert von Mashrou' Leila im August beim Byblos International Festival stattfindet, ist noch unklar. Wer das Ganze näher verfolgen will: Im Netzt gibt’s die gebündelten Informationen unter dem Hashtag #mashrouleila.

Puert Rico jubelt nach Rücktrittsankündigung von Ricardo Rosselló

Zwölf Tage lang gab es Massenproteste, gestern Abend konnten dann Tausende Demonstranten vor dem Gouverneurssitz in der Landeshauptstadt San Juan jubeln. In einer Videobotschaft hat Ricardo Roselló seinen Rücktritt angekündigt, am 02. August will er sein Amt als Gouverneur von Puerto Rico niederlegen. Musiker haben bei den Protesten ja eine große Rolle gespielt.

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Ricky Martin, Bad Bunny, Residente bei Protest in Puerto Rico

Popstar Ricky Martin wurde zur Gallionsfigur. Er war ja unter den Prominenten, die Rosselló in seinen geleakten Chats schwulenfeindlich beleidigt hat. Zusammen mit Rapper Residente und Reggaeton-Star Bad Bunny war er immer an der Spitze der Proteste mit dabei – in den sozialen Medien und auch auf den Straßen. Bei den Massenprotesten standen die Musiker auf einem Laster und haben die puerto-ricanische Flagge und eine Regenbogenflagge geschwenkt - die Bilder sind durch die Medien gegangen.

Residente ist jetzt auch der erste, der sich zur Nachricht vom Rücktritt meldet. "Danke Puerto Rico", schreibt Ricky Martin auf Twitter. "Das Glück, das ich fühle, ist unbeschreiblich. Wir haben Einigkeit gezeigt, und dass wir kämpfen können - mit Herz. Unser Herz ist was uns verbindet!"

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Die puerto-ricanische Reggaeton-Sänerin Ivy Queen postete ein Comic-Bild: Ein Kämpfer aus dem Pueblo, der den abgeschlagenen Kopf von Rosselló in der Hand hält. Dazu schreibt sie: "Das Volk hat gesprochen - wir marschieren gemeinsam - und werden weiter marschieren, wenn es sein muss!“.

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Auch Despacito-Star Luis Fonsi kann seine Freude kaum ausdrücken. Der Musiker wohnt zwar mittlerweile in Miami, hat aber aus der Diaspora auch fleißig mitprotestiert. Er postete ein Foto aus einer Menge feiernder Puerto Ricaner, die Landesflagge vor den Mund gehalten und schreibt dazu: "Wir haben nicht aufgegeben und jetzt triumphieren wir. Wir sind alle bereit für einen Neuanfang - vereint wie nie zuvor!"

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Erste Reaktionen kommen auch von Latino-Stars aus den Nachbarländern. J Balvin aus Kolumbien schreibt: "Herzlichen Glückwunsch Puerto Rico."

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Und auch der mexikanische DJ Toy Selectah schickt einen Gruß rüber und schlägt Rapper Residente gleich als neuen Gouverneur vor.

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Nominierungen für den Mercury Prize stehen fest

Der Mercury Prize ist einer der wichtigsten Preise für britische und irische Alben, die in Großbritannien veröffentlicht werden. Nominiert ist Rapper Slowthai mit "Nothing Great About Britain", aber auch seine Rap-Kollegen Little Simz oder Dave. Das Ungewöhnliche dieses Jahr ist, dass die Nominierten sehr politische- und sozialkritische Künstler sind. Zum Beispiel thematisiert Slowthai auf dem Album verschiedene Krisen in Großbritannien: Brexit, Klassenfeindlichkeit und wachsende Armut. Das Ganze sehr offen und brutal, teilweise auch recht humorvoll.

In den letzten Jahren wurde der Mercury Prize viel kritisiert - er sei zu kommerziell und es würden immer die gleichen Namen auftauchen. Umso besser, dass die Jury dieses Jahr unter anderem mit Künstlern und Künstlerinnen aus verschiedenen Musikgenres neu besetzt wurde. Neben R'n'B-Sängerin Jorja Smith küren die britische DJ Annie Mac oder Grime MC Stormzy die Gewinner. Denn in der Vergangenheit wurde auch kritisiert, dass Grime als aufsteigendes Genre bei der Verleihung zu wenig beachtet wurde. Mitte September wird verkündet, wer den Mercury Prize gewonnen hat.

Langjährige Bewährungsstrafe von Meek Mill aufgehoben

Aufgrund von Drogen- und Waffenbesitz war der Rapper vor elf Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Jetzt wurde ihm eine neue Gerichtsverhandlung gewährt. Ein Berufungsgericht in Pennsylvania hat Meek Mill erlöst. Der Musiker saß schon einmal Haft, weil er gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll. Freigekommen ist er Ende letzten Jahres, weil eine Polizistin, die als Zeugin im Gericht gehört wurde, offensichtlich unter Eid gelogen hatte. Nicht umsonst ist es der umstrittenste Justizfall im US-HipHop. In einem Statement sagt Meek Mill: "Die letzten elf Jahre waren mental und emotional sehr herausfordernd, aber ich bin ekstatisch darüber, dass jetzt Gerechtigkeit herrscht". Meek Mill hat sich oft für Reformen im US-amerikanischen Strafjustizsystem eingesetzt. Zusammen mit Jay-Z hat Meek Mill momentan ein neues Plattenlabel. Dort sollen neue Talente im Musikbusiness gefunden und gefördert werden.

Stand: 25.07.2019, 10:00