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Masterbänder vieler Künstler verbrannt

Brand in den Universal Studios 2008: Feuerwehrleute gehen durch die Überreste der abgebrannten Lagerhallen

Global Pop News 12.06.2019

Masterbänder vieler Künstler verbrannt

Von Marc Mühlenbrock

NY Times veröffentlicht Feature zum "größten Desaster der Musikgeschichte" | Hong Konger Musiker gehen gegen das Auslieferungsgesetz auf die Straßen | Radiohead stellen unveröffentlichtes Material online | Unsere täglichen News aus der Welt des Global Pop.

Jetzt aufgedeckt: Brand hat unzählige Masterbänder zerstört

Experten sprechen vom größten Desaster der Musikgeschichte. Musik von unzähligen großen Künstlern wie Janet Jackson, Nirvana, Barry White, Cat Stevens oder Eminem ist für immer verbrannt, in einem Lagerhaus von Universal Music in L.A.. Darin befanden sich die Masterbänder der Veröffentlichungen. Auch die Musik von ganz alten Helden ist für immer verloren, ganz besonders traurig sind die Verluste von wichtigem Material von Chuck Berry und den ersten Aufnahmen von Aretha Franklin. Der Brand ist aber nicht erst vor kurzem passiert, sondern bereits vor elf Jahren! Universal Music hat seitdem versucht zu vertuschen, dass bei dem Brand auch so viele Masterbänder verloren gegangen sind. Die New York Times hat das gestern in einem großen Bericht aufgeklärt.

Masterbänder sind deswegen so wertvoll, weil von ihnen aus alle anderen Formate gepresst werden, also vor allem Vinyl, CD oder mp3. Und als größtes der drei großen Major-Labels hat Universal Music über die Jahrzehnte eine große Anzahl an Masteraufnahmen zusammengesammelt, man hat nach und nach kleinere Labels übernommen. Der Plattengigant wollte den Verlust vertuschen, aus Angst vor einer Klagewelle von betroffenen Künstlern.

Hong Konger Musiker gehen gegen das Auslieferungsgesetz auf die Straßen

Seit dem Wochenende protestieren bis zu eine Millionen Menschen in Hong Kong gegen das Auslieferungsgesetz. Das Gesetz sieht vor, dass Tatverdächtige und Flüchtlinge leichter an andere Länder, wie China, ausgeliefert werden können. Menschrechtsgruppen befürchten, dass China so immer mehr kritische Stimmen in Hong Kong einschränken kann. Die heutige Parlamentssitzung wurde abgesagt und die Proteste eskalieren. Kantopopsänger und Aktivist Anthony Wong repostet ein Video von Polizisten, die einen unbewaffneten Demonstranten angreifen. Außerdem hat Wong einen Link gepostet, mit den man über vier Kameras die Proteste verfolgen kann. Auch Denise Ho, Musikerin und bekanntes Gesicht der Demokratiebewegung 2014, postet Bilder, unter anderem von erschöpften Polizisten, die sich am Straßenrand ausruhen. Ho schreibt: "Das macht die Hong Konger Regierung mit Polizisten und Demonstranten." Wie viele andere auch fordert sie, dass die Regierungschefin Carrie Lam zurücktritt.

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Mit The Clash ins Weiße Haus

Der US-Präsidentschaftswahlkampf ist eine Riesenshow mit langem Vorlauf. Gewählt wird erst im November 2020, aber bereits jetzt haben bei den Demokraten 25 Kandidaten ihre Bewerbung für die Vorwahlen bekanntgegeben. Und sie alle haben ihren eigenen Song, mit dem sie bei Wahlkampfveranstaltungen auf die Bühne kommen.

Interessanterweise haben zwei der namhaftesten Kandidaten beide einen Song von The Clash gewählt. Der junge Überflieger Beto O'Rourke mit "Clampdown" und Bill de Blasio, Bürgermeister von New York, nimmt "Rudie Can't Fail" - eine Anlehnung an seinen geschätzten Vorgänger im Amt in New York, Rudy Giuliani.
Aussichtsreichster Kandidat der Demokraten ist bisher noch Bernie Sanders, der hat einen Klassiker der Protestmusik genommen: "Power To The People" von John Lennon. Überhaupt klingen viele Songs der Demokraten nach Revolution. Der amtierende Präsident Donald Trump benutzt übrigens immer noch "You Can't Always Get What You Want" von den Rolling Stones - die Ironie dahinter negierend. Die Stones finden das gar nicht gut, die haben ihn mehrfach aufgefordert, das zu unterlassen.

Gafacci mit erfrischendem Afrobeats-Sommersong

"Like Water" macht seinem Namen alle Ehre. Der fließt nur so dahin, überall pluckert es wie Wassertropfen. Musikalisch eine frische Mischung: Westafrikanische Afrobeats mit einem demohaften LoFi-Soul-Sound. Das Geheimnis liegt in der Zusammenarbeit: Soul-Sängerin Amaarae kommt aus New York und Produzent Gafacci aus Ghana. Der hat da den Sound des Afrobeats mitgeprägt, unter anderem auch für zwei der größten afrikanischen Stars Wizkid oder Sarkodie gearbeitet. "Like Water" ist auf einer EP drauf, die den kryptischen Titel "Tash BNM" trägt, die kommt am 11.Juli.

Radiohead stellen 18 Stunden unveröffentlichtes Material online

Letzte Woche gab's die Sensationsnachricht für Radiohead-Fans: Ganze 18 Stunden unveröffentlichtes Material wurden von einer anonymen Quelle geleakt. Gestern hat die Band sich gesagt: Wenn schon geleakt, dann wollen wir wenigstens die Kontrolle behalten. Auf ihrer Bandcamp-Seite gibt's jetzt den Inhalt der 18 MiniDiscs, die geklaut wurden, offiziell zum Download. Als Reaktion darauf, dass Radiohead erpresst wurden, der Dieb wollte wohl 150.000 Dollar haben. Das hat zumindest Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood gepostet. Man kann die 18 Stunden nun 18 Tage lang für 18 Pfund offiziell bei Bandcamp kaufen. Alle Einnahmen werden gespendet an die Naturschutz-Organisation Extinction Rebellion.

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Unter den 18 Stunden sind ganz viele rohe Versionen der Songs, die am Ende auf dem bekanntesten Radiohead-Album "OK Computer" gelandet sind, aus Proben, Sessions und Soundchecks. Der Oberhammer für Fans: es gibt auch gut 50 niemals veröffentlichte, unbekannte Radiohead-Songs und -Songsnippets in teilweise sehr guter Qualität, entweder Solo-Acoustic von Sänger Thom Yorke zuhause eingespielt oder von der ganzen Band. Für Musiknerds lohnt sich's schon allein wegen dieser raren Stücke. Zur besseren Übersicht haben Fans im Netz ein Google-Word-Doc angelegt.

Stand: 12.06.2019, 10:17