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Bob Marley's Lost Tapes werden versteigert

Global Pop News 24.04.2019

Bob Marley's Lost Tapes werden versteigert

Von Anne Lorenz

Konzertmitschnitte von Bob-Marley-Konzerten werden versteigert | Sängerin iLé fordert auf ihrem neuen Album "Almadura" die Unabhängigkeit für Puerto Rico | Aya Nakamura spricht zum ersten Mal über Sexismus im Musikbusiness | Produzent Wasted Fate vertont er das Lebensgefühl der mexikanischen Jugend | Unsere täglichen News aus der Welt des Global Pop.

Bob Marley's Lost Tapes werden versteigert

Auf den Tapes sind Klassiker wie "No Woman No Cry" oder "Jammin". Vor zwei Jahren wurden die Konzertmitschnitte zufällig im Keller eines Londoner Hotels gefunden. Der Finder selbst ist ein Musikfan. Als er die Beschriftungen der zehn Tonbänder las, konnte er es nicht glauben: Bob Marley Live im Lyceum Theatre London oder im Pavillon Baltard in Paris – aufgenommen mit dem ausgeliehenen mobilen Studio-Truck der Rolling Stones. Einziger Haken: Die Bänder waren durch 40 Jahre Lagerung, einem Wasserschaden, Schlamm und Dreck derart beschädigt, dass sie beim normalen Abspielen sofort kaputtgegangen wären. Darum wurden sie von dem Sounddesigner und Restaurator Martin Nichols zwei Jahre lang aufwändig wiederhergestellt. Dieser sagte, er hätte bei dem desaströsen Zustand die Bänder am liebsten mit einem "No, thank you guys" abgelehnt. Aber es ging schließlich um den King Of Reggae. Er habe sehr viel Arbeit und Liebe reingesteckt, um diesen Musikschatz für die Nachwelt zu bewahren und zu digitalisieren. Das ist scheinbar geglückt. Am 21. Mai sollen die Lost Tapes versteigert werden. Startpreis liegt bei 29.000 Euro pro Tape. Es wird ein weltweites Interesse an den Bändern erwartet.

Sängerin iLé fordert auf ihrem neuen Album "Almadura" die Unabhängigkeit für Puerto Rico

iLé ist als kleine Schwester des puerto-ricanischen Rap-Duos Calle13 bekannt geworden. Seit ein paar Jahren ist sie auch solo unterwegs. Gerade hat iLé ihr neues Album angekündigt. "Almadura" wird es heißen – eine eigene Wortkreation. "Armadura" bedeutet Rüstung und Alma ist die Seele – zusammen könnte das "starke Seele" bedeuten. iLé fordert auf dem Album die Unabhängigkeit Puerto Ricos von den USA, beklagt die Folgen von Hurricane Maria und sagt dem Patriarchat den Kampf an. Musikalisch bleibt sie nah bei ihren Roots mit Salsa, den in Puerto Rico ganz typischen Bomba-Rhythmen und Bolero, hier und da verfeinert mit elektronischen Elementen. Mit dabei auf "Almadura" ist auch Eddie Palmieri, ein 82-jähriger Jazz-Pianist und eine absolute Salsa-Legende. Ein wunderbar melodiöses und zwischen den Zeilen ein gleichzeitig sehr politisches Album, auf dem iLé plötzlich ganz reif und erwachsen klingt. Dabei wollte sie eigentlich gar keine Sängerin werden. Acht Jahre hat sie Klavier am Konservatorium studiert und sich für die Werke von Ruben Blades und La Lupe interessiert. Ihre Brüder waren es schließlich, die iLé zum Singen überredet haben. Das Album "Almadura" erscheint Mitte Mai.

Aya Nakamura über Sexismus im Musikbusiness

Die französische R&B-Sängerin mit den malischen Wurzeln ist ein Vorbild für viele junge Frauen. Jetzt spricht sie zum ersten Mal über Sexismus im Musikbusiness. Seit März ist sie auf großer Tour durch Frankreich und spielt in ausverkauften Häusern. Ihr Publikum bestehe zu 70 Prozent aus Mädchen, sagt Aya Nakamura und darauf sei sie besonders stolz. Umso wichtiger ist es der Sängerin und Rapperin ihre Erfahrungen mit Sexismus in ihrer Karriere zu teilen. Als schwarze, junge Frau habe man es im Business doppelt schwer. Die Leute würden bei ihr oft ganz offen spekulieren, mit wem sie im Bett war, um dahin zu kommen, wo sie heute ist. "Niemand kann sich vorstellen, wie frustrierend das ist", sagt Nakamura, "vor allem wenn du seit fünf Jahren dein ganzes Leben deiner Karriere widmest und jeden Tag an deinen Songs schreibst!"

Wasted Fades – Zwischen Narco-Blues und No Future

Wasted Fates ist ein Elektroproduzent aus Mexico City. Auf seinem neuen Album "Turbio" vertont er das Lebensgefühl der mexikanischen Jugend. Mit düsteren Sounds zwischen Dembow, Gqom und Dancehall zeichnet er den Alltag zwischen Drogenkrieg und No Future - ein Zustand, den eine ganze Generation junger Mexikaner nur zu gut kennt. Wasted Fates weigert sich aber aufzugeben. Sogar nach dem schlimmen Erdbeben in Mexico City 2017 ist er geblieben. Damals hat er mitgeholfen, die Stadt wieder aufzubauen – mit seinem Recorder hat er dabei Sounds aufgenommen, die jetzt auch auf dem Album gelandet sind. Auf "Turbio" spiegelt er die Hoffnungslosigkeit, die Angst und die Unsicherheit, aber auch den Stolz auf die mexikanische Kultur. Seine obskuren Global-Club-Sounds sind gerade auf dem mexikanischen Label Naafi rausgekommen.

Stand: 24.04.2019, 10:00