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Starke Stimmen aus dem Sudan

Die Sudanesin Alaa Salah zeigt das Siegeszeichen bei einer Demonstration vor dem Hauptquartier des Militärs in Khartum

Global Pop News 15.04.2019

Starke Stimmen aus dem Sudan

Von Anne Lorenz

Mit Konzerten, Kundgebungen und Tanzvorführungen fordert die sudanesische Bevölkerung eine zivile Regierung | Veranstalter des Coachella Festivals verstärkt in der Kritik | Rapper Residente stellt sich hinter Wikileaks-Gründer Julian Assange | Unsere täglichen News aus der Welt des Global Pop.

Proteste im Sudan

Letzte Woche ist Präsident Omar Al-Baschir nach dreißig Jahren an der Macht vom Militär gestürzt worden. Die Bevölkerung geht weiter auf die Straße, fordert eine zivile Regierung. Musik spielt bei den Protesten eine große Rolle. Am Wochenende ist ein Video von der Architekturstudentin Alaa Salah viral gegangen. Darin steht die 22-Jährige mitten in der Menge auf einem Autodach. Sie trägt die traditionelle Toub Robe, dazu Sneakers. Selbstbewusst führt sie die Protestgesänge an. Eine unheimlich ermächtigende Szene für alle Sudanesinnen, vor allem Frauen haben unter den Repressionen des islamischen Regimes gelitten und die Revolution angetrieben.

Jeden Abend gibt es in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum große Versammlungen mit Kundgebungen, Tanzaufführungen und Konzerten. Sängerin Alsarah twittert dazu Stündlich Videos mit wahnsinnigen Bilder. Es wird gemeinsam gesungen und man sieht ein Lichtermeer von Tausenden Menschen, die ihre Handytaschenlampe hoch halten. Dazu schreibt Alsarah: "Ich liebe meine Leute - diese allabendlichen Lectures sind das Beste!"

Auch andere sudanesische Musiker aus dem Global Pop beobachten und kommentieren das politische Geschehen in ihrer Heimat. Rapper Oddissee ist gerade in Asien auf Tour, teilt aber fleißig Artikel und Petitionen. Sänger und Musiker Sinkane geht seit Tagen in New York mit seiner sudanischen Community auf die Straße. Zur Forderung der Machtübergabe vom Militär an eine zivile Übergangsregierung schreibt er in einem Tweet: "Ich glaube es erst, wenn ich es mit meinen eigenen Augen sehe!"

Veranstalter des Coachella Festivals Philip Anschutz verstärkt in der Kritik

Als Leiter der Anschutz Entertainment Group veranstaltet Philip Anschutz jährlich das Coachella Festival in Kalifornien. Artikel in der Washington Post und im Stern kritisieren den Multimilliardär aufgrund seiner rassistischen und homophoben Ansichten. Obwohl das Festival zu den bekanntesten und größten der Welt gehört, äußern sich weder die Künstler noch die hunderttausenden Besucher dazu, was ebenfalls in der Kritik steht. Anschutz besitzt eine eigene Nachrichtenwebsite "The Washington Examiner", die zweifelhaft konservative - oder wie seine Kritiker sagen - rechte Ansichten verbreitet. Laut Greenpeace, leugne er den Klimawandel. Die LGBTQ Gemeinde wirft ihm vor, Geld an homophobe Organisationen gespendet zu haben. Zudem spendete er 200.000 Dollar an republikanische Politiker, wie Senator Cory Gardner, einen bekannten Waffenfreund. Anschutz streitet die Vorwürfe ab und bezeichnet sie als Fake News. Wortwörtlich sagt er: "Das ist alles Müll." Allerdings habe er die Organisationen überprüft, denen er Geld spendet, und bei einigen die Unterstützung eingestellt.

Apple Music

Es hagelt gerade mächtig Kritik für Apple Music. Der Streaming-Riese soll in China Musik von mehreren regierungskritischen Musikern zensiert haben. Angefangen hat alles mit einem Song von Jacky Cheung. In "Ren Jian Dao" geht es um das Tian'anmen-Massaker vor 30 Jahren. Studenten hatten damals für ein demokratisches China demonstriert und wurden vom Militär niedergeschossen. Die genaue Opferzahl ist bis heute nicht bekannt und der chinesische Staat hat das Massaker nie aufgearbeitet. Apple Musik China hatte den Song aus ihrem Streaming-Angebot genommen. Mittlerweile ist aufgefallen: das war nicht das einzige Lied. Auch von zwei weiteren Musikern sind Songs einfach aus dem Apple-Angebot verschwunden. Der Konzern wird dafür von US-Politikern heftig kritisiert. Man wirft ihm vor Zensur-Forderungen der chinesischen Regierung nachzugeben. Senator Marco Rubio sagt zum Beispiel: "Es ist eine Schande, dass die innovativste und einflussreichste Technik-Firma der USA, die aggressive Zensur der kommunistischen Regierung in China unterstützt!" Die Kongress Abgeordnete Cathy McMorris ergänzt, Apple hätte stattdessen Haltung beweisen müssen. Den Vorfall hätte der Konzern nutzen können - Apple als starke Stimme für Freiheit… Aber damit war es wohl nichts!

Residente für Assange

Residente aus Puerto Rico kennt man als Kopf von Calle13 und starke politische Stimme. Gerade hat sich der Rapper in einem Instagram-Post hinter Wikileaks-Gründer Julian Assange gestellt. 2013 schon hatten die beiden gemeinsam einen Song aufgenommen und sich angefreundet. In "Multi_Viral" geht es um Medienmanipulation und gezielt eingesetzte Falschinformationen. Nach der Festnahme von Assange in London am Freitag schreibt Residente: "Er hat sein Leben riskiert, um die schmutzige Realität aufzudecken, die unsere Regierungen versuchen zu verbergen. Seine Festnahme ist eine Verletzung der Pressefreiheit und des grundlegenden Rechts auf freie Meinungsäußerung. Einige in der US-Regierung haben so große Angst der Welt ihr wahres Gesicht zu zeigen, dass sie alles dafür tun würden Julian los zu werden!"

Stand: 15.04.2019, 10:03