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Der vielleicht vielseitigste Gitarrist des Planeten

Ry Cooder spielt Gitarre

Ry Cooder

Der vielleicht vielseitigste Gitarrist des Planeten

Dass er mit dem Buena Vista Social Club die kubanische Musik wieder auf die Weltbühne gehievt hat, dazu noch fast zufällig, ist nur eine Facette aus dem schillernden Leben des Kaliforniers. Okinawa, Indien, Mali, Mexiko und immer wieder Abstecher in Soundtracks markieren weitere Eckpfeiler des vielleicht vielseitigsten Gitarristen des Planeten.

Als Ryland Cooder kommt er 1947 in Santa Monica zur Welt. Schon mit vier klimpert er auf der Gitarre seines Vaters, wenig später hat er seine erste Martin. Seine erste musikalische Liebe ist Johnny Cash, aber auch Hillbilly Music, den Folk eines Woody Guthries und Pete Seegers saugt er auf und den Blues eines Taj Mahal. Der ist auch Mitglied in seiner ersten Band, die Rising Sons, doch die haben nur kurze Lebensdauer, genauso sein Gastspiel in Captain Beefhearts Band. Eine Jamsession mit den Rolling Stones (Jamming With Edward!") ist ein kurioses Intermezzo, später wird er auf ihren Alben "Let It Bleed" und "Sticky Fingers" gastieren. Bereits 1970 bekommt er einen Plattenvertrag und versucht sich auf dem Debüt an Countryblues-Klassikern, zunächst ohne kommerziellen Erfolg. Im Kreuzfeuer von Blues, Jazz, Rock und Folk arbeitet er weiter und 1976 gelingt ihm der erste Meilenstein mit "Chicken Skin Music": Als Gast im unorthodoxen Mischsound von Gospel bis Hawaii taucht auch Mexikos Akkordeongigant Flaco Jinenez auf. 1979 spielt er mit "Bop Til You Drop" das erste digital aufgenommene Album der Rockgeschichte ein, es beschert ihm den Hit "Little Sister".Zwischenüberschrift

Das Jahrzehnt der Filmmusik

Auch wenn die Achtziger mit einer Gastrolle beim Okinawa-Gitarristen Shoukichi Kina (Album "Bloodlines") beginnen, werden sie noch nicht das Weltmusik-Jahrzehnt Cooders, sondern das der Filmmusiken: Herausstechend natürlich sein Soundtrack zu "Paris, Texas" von Wim Wenders, das Spiritual-Thema auf der Slidegitarre hat ihn berühmt gemacht hat. Doch auch Blues ("Crossroads") und Westernklänge ("The Long Riders") gehören zu den Klangfarben des Filmkomponisten. Die anschließende Dekade ist dann die globale: Das fängt an mit zwei Gipfeltreffen von Saitenmeistern: Mit V.M.Bhatt erprobt er eine indo-amerikanische Slide-Verwandtschaft. Und auf seinem wohl bekanntesten Album überhaupt, "Talking Timbuktu", taucht er in die Blues-Pentatonik des Sahel mit Ali Farka Touré ein. 1996 reist Cooder nach Kuba, um dort mit dem Produzenten Nick Gold ein Crossover-Projekt zwischen westafrikanischen und kubanischen Klängen auf den Weg zu bringen. Die Afrikaner treffen nicht ein und das ist folgenschwer: Als Alternative konzentrieren sich Cooder und Team nun ausschließlich auf die alte kubanische Musik und trommeln einige vergessene Stars zusammen.

Buena Vista Social Club

Der Rest ist wohlbekannt: Der Buena Vista Social Club und seine Solo-Ableger-Alben werden zu den erfolgreichsten CDs der Weltmusikhistorie überhaupt, angekurbelt noch durch den Wim Wenders-Film. Cooder spielt hier eher die Rolle des Repertoire-Managers, seine musikalischen Beiträge halten sich in den Studios von Havanna im Hintergrund. Das ändert sich mit "Mambo Sinuendo": Hier trifft er auf den legendären Slidemeister der Zigarreninsel und zelebriert mit ihm einen zündenden Mambo-Rock. In den letzten Jahren ist Ry Cooder wieder zur US-Musikgeschichte zurückgekehrt: Mit dem ambitionierten Konzeptalbum "Chavez Ravine" erzählt er die Geschichte eines untergegangenen Chicano-Stadtteils von L.A.. Am vorläufigen Ende seiner vielen Kollaborationen steht die Produktion der Platte "We'll Never Turn Back" von Soul-Legende Mavis Staples. Sehr kauzig dann sein Solo-Geschenk zum Sechzigsten, "My Name Is Buddy": Aus der Perspektive einer Katze, die zum Hobo wird, rollt er die Geschichte der USA mit kleinen Episoden zwischen Blues, Country und Folk auf.

Diskografie (Auszug)
My Name Is Buddy (Warner, 2007)
Chávez Ravine (Warner, 2005)
Mambo Sinuendo (mit Manuel Galbán) (World Circuit, 2003)
Buena Vista Social Club (World Circuit, 1997)
Last Man Standing (Soundtrack) (Verve, 1996)
Talking Timbuktu (mit Ali Farka Touré) (World Circuit, 1994)
A Meeting By The River (mit V.M. Bhatt) (Waterlily, 1993)

Stand: 23.05.2013, 11:58