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Der Blufunk-Mann

Keziah Jones lächelt

Keziah Jones

Der Blufunk-Mann

Es ist die klassische Biographie eines Rebellen gegen das Elternhaus, wenn auch aus Yoruba-Perspektive: Der 1968 im nigerianischen Lagos als Olufemi Sanyaolu Geborene soll in die Fußstapfen seines Vaters, eines wichtigen Industriellen treten. Zu diesem Behufe wird der Zögling aufs Internat nach London geschickt, wo er allerdings musikalische Interessen entwickelt, in Eigenregie Piano und Gitarre erlernt.

Auf der Straße und in der Underground ist er mit seinem Saitenspiel häufig Gast, und er macht auch Ausflüge in die Metro-Schächte von Paris. Dort wird er mit Anfang 20 von einem Labelchef entdeckt, bekommt einen Vertrag und stellt sich der Welt erstmals mit "Blufunk Is A Fact!" vor. Der Terminus beschreibt seine einzigartige Verbindung aus Blues und Funk, die kantig, rhythmisch komplex und manchmal auch sehr experimentell ausfallen kann wie auf dem dritten Opus "Liquid Sunshine". Bevor sein großer Landsmann Fela Kuti 1997 stirbt, ist es Keziah Jones, der mit dem Afrobeat-Begründer das letzte Interview führt. Mit "Black Orpheus" holt Jones den Mythos von Orpheus und Eurydike in sein kosmopolitisches Afro-Universum und schafft sein bislang überzeugendstes Album mit treibenden Gitarrenriffs, messerscharfen Funkbläsern und seinem charismatischen Falsett - dies alles wieder auf eher akustischer, teils auch introspektiver und nachdenklicher Basis.

Nigerian Wood

Nach seinem Umzug nach New York entsteht "Nigerian Wood". Eingespielt wurde das Werk an symbolträchtigem Ort, in den von Jimi Hendrix frequentierten Electric Lady Studios, betreut vom Nu Soul-Produzenten Karriem Riggins, von dessen Pultkünsten auch schon Erykah Badu profitierte.
Das vielschichtige Opus wartet mit Ohrwürmern wie "My Kinda Girl", aber auch einer Komplexität von Stücken wie "African Android" auf - eine bislang unerhörte Urbanität zwischen Lagos und Big Apple mit Anleihen an Fela genau wie an die Soulpoeten der 1970er.
Textlich geht es um die Güte nigerianischen Mahagoni-Holzes, um die Probleme, die ein Exilant bei Besuchen zuhause erlebt, um die Ausbeutung Afrikas durch den Rest der Welt.

Mehr als nur Musik

2008 zeigt Keziah Jones auch in verschiedenen Seitenprojekten: Für den Sampler "Africa Celebrates U2" hat er einen der schönsten Beiträge geleistet, indem er die Bono-Ballade "One" coverte.
Als Gast singt er auf dem neuen Album von Amadou & Mariam "Welcome To Mali".

Der Mann mit dem schiefen Hut ist außerdem mit außermusikalischen Talenten gesegnet: Neben der Musik hat er sich der Malerei, dem Erstellen von Kurzfilmen und vor allem der Dichtkunst verschrieben. Und als Reverenz an seine Anfänge tritt er bis heute immer mal wieder im Metro-Schacht auf.

Diskografie (Auszug)
Nigerian Wood (Because, 2008)
Black Orpheus (Delabel, 2003)
Liquid Sunshine (Delabel, 1999)

Stand: 23.05.2013, 11:58