Live hören
Jetzt läuft: Fête de trop von Eddy de Pretto

Ben Harper

Ben Harper

Der beseelte Bühnenarbeiter

Ben Harper

Einen "beseelten Bühnenarbeiter" nannte ihn recht zutreffend eine Tageszeitung. Ben Harper avancierte zum sozialen Gewissen der USA - und dies mit einem lustvollen, eklektischen Gebrauch von musikalischen Mitteln der 1970er.

Er stammt aus Claremont, nördlich von LA und hat afro-indianisches Blut. Seine Eltern würde man als typische Hippies bezeichnen, und der Großvater hatte einen Laden mit Folk-Instrumenten. Naturgemäß wächst der Benjamin mit einer breiten Palette von Stilen auf, fühlt sich Reggae, Folk und HipHop, aber auch Jimi Hendrix und vor allem dem Blues Robert Johnsons und Mississippi John Hurts zugeneigt.

Eine prägende Begegnung

Prägend wird eine Begegnung, die er mit 17 hat: Es ist eine Slidegitarre Marke Weissenborn, die ihn auf die ersten Bluesbühnen von LA trägt. Den Durchbruch hat er schließlich als Opener von Taj Mahal. "Welcome To The Cruel World" wird 1993 sein Debüt, und da hat er auch schon die Band zusammen, die ihm fortan nur noch selten von der Seite weicht: Die Innocent Criminals. Mit ihnen erobert er zunächst eine Fangemeinde in den Staaten, ab Mitte der Neunziger lernt ihn auch das europäische Publikum kennen.

Musikalisch schwer zu charakterisieren

Harpers Alben sind von selbstverständlichen Bocksprüngen zwischen den Stilen geprägt: Rock, bis hin zum Hardrock, Versatzstücke alter Folkweisen, sonnig-verträumte Psychedelia, Blues und Reggae-Fetzen stehen da nebeneinander, getreu seiner Maxime: "Die besten Songs liegen schon in der Luft." Ab dem Werk "The Will To Live" (1997) erweitern auch Funk und Country die Palette, auf "Burn To Shine" (1999) treten Streicher und das Flair des Jazz der 1920er hinzu. Musikalisch ist der Mann mit dem soulig-meckernden Timbre schwer zu charakterisieren, seine Texte sind da schon eindeutiger. "Ich mag keine Religionen, ich liebe nur Gott", sagte er in einem Interview.

Konfessionslose Spiritualität

Und diese konfessionslose Spiritualität zieht sich wie ein roter Faden durch all seine Lieder, flankiert durch beißende Sozialkritik. Waffenfetischismus, die Ausbeutung der Afro-Amerikaner, der Irak-Krieg, die Bush-Regierung- das sind Harpersche Themen. Auf dem Album "There Will Be A Light" arbeitet er mit der ältesten Boygroup der Welt, den Blind Boys Of Alabama, und feiert den Soul und Gospel, die dazugehörige Live-DVD wird grammywürdig. Nur um mit "Both Sides Of The Gun" dann wieder zur Härte zurückzukehren, hälftig jedenfalls -folkige und rockende Songs sind auf zwei CDs sauber getrennt. Dass er ein unermüdlicher Bühnenarbeiter ist, hat er erst kürzlich wieder bewiesen: Statt nach einer monatelangen Europatournee erst einmal eine Auszeit zu nehmen, ging er, um die gesammelte Live-Energie zu kanalisieren, direkt in ein Pariser Studio: "Lifeline", das viel vom alten Soul-Sound eines Otis Redding oder Bill Withers transportiert, ist das Ergebnis. Eingespielt ist das Album übrigens ohne jede Computerhilfe.

Diskografie:

  • Lifeline 2007
  • Both Sides Of The Gun 2006
  • Live At The Apollo (DVD) 2005
  • There Will Be A Light 2004
  • Diamonds On The Inside 2003
  • Live From Mars 2001
  • Burn To Shine 1999
  • The Will To Live 1997

Stand: 12.03.2018, 12:26