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Goran Bregovic

Goran Bregovic

Größter Popstar das Balkans

Goran Bregovic

Goran Bregovic ist der größte Popstar des Balkans - und das seit mehreren Dekaden. In seinem ersten Leben war er berühmt als Kopf und Gitarrist der Rockgruppe Bijelo Dugme ("Weißer Knopf"), einer der einflussreichste Rockbands des ehemaligen Jugoslawiens. Mit "Bijelo Dugme" versuchte sich der 1950 in Sarajewo geborene Bregovic, Sohn eines Kroaten und einer Serbin, an einer Symbiose aus westlichen Rockklängen und regionaler Folklore, weswegen mache Kritiker ihren Stil halb ironisch als "Hirten-Rock" bezeichneten.

1974 gegründet, lösten sich Bijelo Dugme 1988 auf, nach neun Studioalben und legendären Auftritten, die ihren Ruf weit über die Grenzen des Landes, in Ost und Südosteuropa verbreiteten.   

Der Film-Musiker

Im zweiten Leben betätigte sich Bregovic als Filmmusik-Komponist. Weltberühmt wurde er durch seine Soundtracks für die Filme von Emir Kusturica, in denen er Balkan-Klänge auf bis dahin ungehörte Weise mit Pop-Melodien verwob. "Time of the Gipsies" (1988), "Arizona Dream" mit Johnny Depp (1993) und "Underground" (1995) sind ohne seine dramatischen Untermalungen undenkbar. Aufgrund des Bürgerkriegs, der nach dem Zusammenbruch des Ostblocks in Jugoslawien ausbrach und nach und nach zum Zerfall des Landes führte, siedelte Bregovic Anfang der Neunigerjahre nach Paris über. Auch nachdem er sich mit seinem langjährigen Freund und Partner Emir Kusturica überworfen hatte, tauchten seine Songs in vielen Filmen auf, darunter etwa in "Borat" von Sascha Baron Cohen.

Der Orchester-Chef

In seinem dritten Leben verlegte sich Goran Bregovic ab 1998 auf eine Karriere als Orchesterchef und schlug aus seinem vielfach recycelten Material zusätzliches Kapital, indem er seine fürs Kino entworfenen Balkan-Sinfonien weltweit mit großem Orchester auf die Konzertbühne brachte. Sein bis zu 40-köpfiges Ensemble, die "Wedding and Funeral Band", besteht aus einem traditionellen Gipsy-Orchester, das durch bulgarische Frauenchöre und serbisch-orthodoxen Klostergesang verstärkt wird: ein Spiegelbild der kulturellen Vielfalt der Balkan-Region. So erfolgreich waren seine Stücke, dass sie in Ost- und Südosteuropa von vielen Stars gecovert wurden. Die polnische Sängerin Kayah und ihr Landsmann Kzystof Krawczyk, die türkische Pop-Sängerin Sezen Aksu und der griechische Rockstar Giorgos Dalares nahmen komplette Alben mit Goran Bregovic auf, wobei sie seine Stücke jeweils in ihre Sprachen übersetzten.

In Belgrad zu Hause

Seit dem Ende des Bosnien-Kriegs ist Bregovic wieder hauptsächlich in Belgrad zu Hause, wo auch die meisten Musiker seines "Wedding and Funeral Orchestra" leben. Als der serbische Präsident Slobodan Milosevic im Oktober 2000 nach Massenprotesten zurück trat, gehörte Bregovic zu den ersten Künstlern, die auf großer Bühne in Belgrad öffentlich den Sturz des Autokraten feierten. 2005 spielte er mit seinen alten Bandkumpels von Bijelo Dugme drei große und viel beachtete, aber einmalige Reunion-Konzerte in den Hauptstädten von Bosnien, Kroatien und Serbien - in Sarajewo, Zagreb und Belgrad. 2008 komponierte er den serbischen Beitrag zum European Song Contest, "Ove Je Balkan". 2011 gab er bekannt, dass er wieder nach Sarajewo ziehen wolle.

Ein Toast auf die Gypsies

Erst in den letzten Jahren hat er seine Fans wieder mit drei Solo-Alben voller neuer Kompositionen beglückt, darunter mit einer balkanischen Adaption der Bizet-Oper "Carmen", "Karmen with a Happy End, sowie dem furiosen "Alkohol". Mit "Champagne for the Gypsies" sprach Goran Bregovic 2012 zuletzt einen Toast auf jene Minderheit aus, deren Musik ihn so sehr inspiriert hat - und umgab sich mit Kollegen, die allesamt einen Rom-Hintergrund haben. Mit den französischen Gipsy Kings aus Perpignan, berüchtigt für Flamenco-Pop-Stimmungshits wie "Bamboleo", schwelgte er in mediterranen Klängen, mit dem Sänger Florin Salem tauchte er in die Welt der rumänischen Manele-Musik ein, und mit dem Schweizer Songwriter Stephan Eicher in die alpenländische Folklore. Am harmonischsten wirkte das Zusammenspiel mit Eugene Hütz von der New Yorker Band Gogol Bordello, der seine Liebe zum Balkan-Sound mit einer launigen Punk-Attitüde verbindet. "Champagne for Gyspies" ist ein sympathisches Statement der Solidarität mit einer Minderheit, die unter Armut, Ausgrenzung und nicht selten offenen Anfeindungen leidet.

Diskografie:

  • Alcohol 2009 Star Music
  • Goran Bregovic's Karmen 2007 Universal
  • Balcanika 2006 FM Records
  • Tales and Songs from Weddings and Funerals 2002 Universal
  • Music for the Films 2000 Universal
  • Ederlezi 1998 Universal
  • Queen Margot 1995 Universal
  • Underground 1995 Universal
  • Arizona Dream 1993 Universal
  • Time of the Gypsies 1991 Universal

Stand: 16.03.2018, 15:43