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Mit Pop, Tango und Walzer zur Unabhängigkeit

Waldemar Bastos sinniert in die Dunkelheit

Waldemar Bastos

Mit Pop, Tango und Walzer zur Unabhängigkeit

Er kommt 1954 in Cabinda zur Welt, einer Stadt in der gleichnamigen Enklave zwischen Angola und Congo-Brazzaville. Seine musikalische Aktivität beginnt im Alter von sieben Jahren. Da kramt der Angolaner Papas Akkordeon unterm Bett raus und spielt Songs, die er aus dem Radio kennt.

Als sein Vater das entdeckt, stellt er ihn vor die Wahl, zu Weihnachten ein Fahrrad oder Musikunterricht zu bekommen. Für ein Kind ungewöhnlich, entscheidet sich Klein-Waldemar für den Unterricht. Da seine Eltern als mobile Krankenpfleger arbeiten, kommt Waldemar in Angola weit herum. So lernt er viele traditionelle Musiken kennen, auch einheimische Sprachen, heimlich, denn die portugiesischen Kolonialherren hatten sie verboten.

Politische Lieder

Aus dem Radio tönen ihm parallel dazu die Beatles und die Shadows entgegen. Mit seiner ersten Band, Jovial, spielt Waldemar Pop, Tangos, Walzer und andere Tanzmusik. Die politische Polizei der Portugiesen sperrt ihn kurz ein, weil er gegen die Situation im Lande ansingt. Nach Angolas Unabhängigkeit 1975 fängt er an, selbstkomponierte Lieder zu spielen. Doch die Situation für Künstler entspannt sich keineswegs, etliche werden wegen angeblicher staatsfeindlicher Aktivitäten ermordet. Zu jener Zeit tourt Bastos durch Ostblock-Länder sowie Kubam und als er 1982 mit einer Kulturdelegation in Portugal weilt, macht er sich aus dem Staub.

Der internationale Durchbruch

Sein erstes Album allerdings entsteht mit der Hilfe von Chico Buarque in Brasilien, und bis heute hat er nur die angenehmsten Erinnerungen an das Land. Zwei weitere Werke spielt er in Lissabon ein, aber erst "Pretaluz" bringt ihm den internationalen Durchbruch. Ex-Talking Head David Byrne hatte die Musik des Angolaners in einem Plattenladen entdeckt und nimmt ihn begeistert unter seine Fittiche. Das lyrische Album wird in New York kreiert und erscheint auf dem Byrne-Label Luaka Bop. In den folgenden sieben Jahren verdaut Bastos seine globale Popularität und kann auf seinem Nachfolge-Opus von der Wiedergeburt seines nun bürgerkriegsfreien Heimatlandes berichten, in dem ihm ein triumphaler Empfang bereitet wird.. Zugleich ist "Renascence" mit der Hoffnung nach einer ethischen Erneuerung der ganzen Welt verbunden. Manchmal funky, manchmal nachdenklich, mit klickernden Rumba-Gitarren, aber auch einem arabesken Streicherapparat aus Istanbul hat sich der Barde mit der sensiblen Stimme weltgewandt zurückgemeldet.

Diskografie (Auszug)
Reanscence (World Connection, 2005)
Pretaluz (2000)
Pitanga Madura (1992)
Angola Minha Namorada (1990)
Estamos Juntos (1988)

Stand: 23.05.2013, 11:58