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Popsensationen des Jahres 2006

Lily Allen beim Astor Launch Vintage in West Sussex, England

Lily Allen

Popsensationen des Jahres 2006

Lily Allen ist eine der ganz großen Popsensationen des Jahres 2006. Die 21-jährige Sängerin aus London verkörpert wie keine andere Künstlerin einen neuen Typus von Star: frech, feminin und fantasievoll, Tom-Boy statt Barbie, Attitüde statt Allüren. Dabei hat der aufgeweckte Jungspund als Karrieresprungbrett das Internetforum MySpace genutzt wie keine andere Sängerin vor ihr.

Ihre vorwitzigen Blog-Einträge erfreuten sich dort schnell ebenso großer Beliebtheit wie ihre ersten Songs, die schon millionenfach gehört wurden, bevor Lily Allen überhaupt eine Platte veröffentlicht hatte. Ihr ist aber auch in der Welt der Charts ein Traumstart gelungen: Ihre Single "Smile" notierte wochenlang auf Platz eins der UK-Charts und das Album "Alright, Still" stieg auf Platz zwei der britischen Bestsellerlisten ein. Ihre offensive und offene Art und Weise, sich zu allen möglichen Themen clever und pointiert zu äußern, hat ihren Ruf als eine der authentischsten Stimmen englischer Popmusik dieser Tage nur noch verstärkt.
Den Kickstart für ihre eigene Karriere hat Lily Allen dem Song "LDN" zu verdanken, eine bittersüße und zugleich blitzgescheite Beschreibung von London.

Viel näher am echten Leben von Teenagern und Twens, ihren Affären, Sorgen und Marotten, als Lily Allen das in ihren aberwitzigen Songs ist, war vor ihr kaum ein Popstar. "Zugleich hat Lily Allen das, was die Spice Girls immer nur sehr plakativ von sich behaupteten: Girl Power." (Süddeutsche Zeitung) Dazu wartet das Mädchen mit dem Pferdeschwanz, dem grellen Make-up und den schrillen Klamotten auch musikalisch mit viel Witz, Koketterie und einem bewundernswerten Gespür für die gutlaunigen Seiten des Pop auf: ein zeitlos wie Kinderbrause zischendes Gemisch aus Ska, Calypso, Reggae, Rave und was sich sonst noch so an multikulturellem Glitter und Geflitter in der Popgeschichte findet.

Geboren in Hammersmith, war Lily wohl das, was man ein frühreifes Mädchen nennt, ein Wildfang, der nicht so genau weiß, wohin mit all seiner Energie. "Ich habe dreizehn verschiedene Schulen besucht, sodass ich nie richtig Zeit gefunden habe, feste Freundschaften zu entwickeln. Musik war für mich der Rettungsanker", blickt Lilly Allen zurück. "Ich habe dank der Plattensammlung meiner Eltern viel Punk, Reggae und Ska gehört. Da wir innerhalb von London ständig umgezogen sind - Shepherds Bush, Bloomsbury, Islington - habe ich die Musik, die mich dort umgab, geradezu aufgesogen. Ich bin von verschiedenen Schulen geflogen, bis man mich in ein Internat steckte, wo ich gebändigt werden sollte. Aber auch dort bin ich abgehauen, mit 14 Jahren nach Glastonbury und sonst wohin. Jungle und Drum'n'Bass waren eben viel verlockender. Es war schon früh klar, dass ich Autoritäten einfach ablehnte und ein normaler Bürojob für mich nicht vorstellbar war." Mit 15 Jahren schmiss sie die Schule endgültig und ließ ihrem kreativen Drang anderweitig freien Lauf. Eine wahre Pippi-Langstrumpf-Biographie.

Lily Allen, Tochter der Filmproduzentin Alison Owen und des Comedian Keith Allen, grenzt sich entschieden und selbstbewusst vom täglichen Popeinerlei ab, der sie umgibt: "Viele Sängerinnen und Sänger sind schlicht langweilig und haben nichts zu sagen. Meiner Generation jedenfalls nicht."

Diskografie
It's Not Me, It's You (Parlophon/EMI, 2009)
Alright, Still (EMI, 2006)

Stand: 15.10.2012, 14:36