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Vieux Farka Touré & Khruangbin - Ali

Vieux Farka Touré & Khruangbin: "Ali"

Psycedelic Desert

Stand: 26.09.2022, 00:00 Uhr

Zusammen mit dem weltweit bejubelten texanischen Psychedelia-Trio Khruangbin hat der malische Meister-Gitarrist, Songwriter und Sänger Vieux Farka Touré auf dem Album "Ali" Songs seines legendären Vaters Ali Farka Touré gecovert. Die Kollaboration klingt nach Wüste, doch diese ist voll mit psychedelischen Sounds, Dub und einigem mehr.

Von Anna-Bianca Krause

Vieux Farka Touré & Khruangbin: "Ali"

COSMO Album der Woche 26.09.2022 02:55 Min. Verfügbar bis 26.09.2023 COSMO


Vieux Farka Touré, Gitarrist, Songwriter, Sänger und einer der Hauptvertreter des Desert-Blues, hat lange gebraucht, um aus dem Schatten seines Vaters, des legendären malischen Blues-Großmeisters Ali Farka Touré, herauszutreten. Obwohl er seit seinem Debütalbum 2007 weltweit anerkannt ist als einer einflussreichsten und talentiertesten Gitarristen Afrikas und mit dem Beinamen "Hendrix der Sahara" bedacht wurde, ist die starke Persönlichkeit seines bereits 2006 verstorbenen Vaters immer präsent. Schließlich hat Ali Farka Touré den Desert-Blues weltweit populär gemacht, mehr noch, seine Musik gilt als DNA des Blues. Weil er trotzdem auch die negativen Seiten des Musikerlebens kannte, wollte er eigentlich nicht, dass eines seiner Kinder die Musik zum Beruf macht. Vieux Farka Touré hat sich dem Willen des Vaters, der ihn in die Armee schicken wollte, widersetzt und schließlich vor seinem Tod sogar noch den Segen bekommen und mit ihm zusammen gespielt. Dass er nun acht Songs seines Vaters gemeinsam mit dem texanischen Instrumental-Trio Khruangbin covert und ihnen dadurch neues Leben einhaucht, ist wohl der letzte Befreiungsschritt.

Fish and Chips in London

Touré war auf der Suche nach einer nicht-afrikanischen Band, mit der er Songs seines Vaters covern konnte, damit auch jüngere Generationen in Europa und den USA die Musik Ali Farka Tourés für sich entdecken konnten. Er wollte einerseits die Essenz der Originale bewahren, ihnen andererseits aber doch neue Seiten abgewinnen. Zusammen mit seinen zehn Geschwistern hatte er bereits acht Songs aus dem Lebenswerk von Ali Farka Touré ausgewählt – von sehr frühen Tracks bis zu Songs von seinem letzten Album, von sehr bekannten wie "Diarabi" bis zu ziemlich unbekannten wie "Alakarra". Auf Anraten seines Managers hatte er sich einen Auftritt von Khruangbin, von denen er bis dahin noch nie etwas gehört hatte, in London angeschaut. Anschließend saßen die vier zusammen in einem Pub bei Fish and Chips und Vieux Farka Touré wusste, dass er die Suche einstellen konnte. Er hatte seine Komplizen für dieses besondere Projekt gefunden.

Eine Scheune in Houston

Touré hatte Bassisten Laura Lee, Drummer Donald "DJ" Johnson und Mark Speer, den drei Khruangbins, vorab weder gesagt, welche Songs sie covern werden, noch ihnen Material zukommen lassen. Er wollte, dass etwas Neues bei den Aufnahmen entsteht, das weder nach Vieux Farka Touré klingt, noch nach Khruangbin, noch nach Ali Farka Touré, sondern die Musik sollte alle drei Dinge verbinden. Die Aufnahmen wurden also in einer Art Jam-Session gemacht, Vieux Farka Touré kam nach Houston, wo sie eine Woche Zeit hatten, um die Musik in einer umgebauten Scheune aufzunehmen. Für Khruangbin war das Ganze eine Art Blindflug und musikalisch nicht einfach, denn die sehr detailverliebten, frickeligen Khruangbin mussten sich auf einen sehr schnell und intuitiv arbeitenden Vieux Farka Touré einlassen. Donald Johnson, selbst ein versierter Schlagzeuger, musste sich immer wieder von Vieux Farka Touré, der auch Drummer ist, bei der Betonung der westafrikanischen Rhythmen weiterhelfen lassen. Da die drei Khruangbin-Mitglieder auch für die Chorgesänge zuständig waren, ließen sie sich einige Textpassagen übersetzen, um zu verstehen, was sie da in Bambara oder Songhai zu singen hatten.

Khruangbin-Gitarrist Marc Speer, der sonst unglaubliche Melodien aus seinem Instrument herausholt, ließ Touré den Vortritt. Er hat den Part des Rhythmusgitarristen übernommen und liefert mit seinem Sound eine Basis für Vieux Farka Tourés Gesang und sein Gitarrenspiel, denn die stehen bei der Kollaboration im Zentrum des Albums.

Die Wüste blubbert

Das Album beginnt mit dem großartigen "Savanne" von Ali Farka Tourés letztem Album vor seinem Tod, einem Song, in dem er sich gegen eine westliche Intervention in die Probleme Malis positionierte. Von den ersten Gitarrentönen an, die Vieux Farka Touré spielt, ist man in der unendlichen Weite der Sahara. Doch diese Wüste mag psychedelische Sounds und Dub, Cajun und Zydeco und einiges mehr. Dafür sind Khruangbin zuständig. Nach ihren grundentspannten, dubbigen Instrumental-Alben, die Zutaten aus aller Welt enthielten, bekennen sich Khruangbin nun erstmals zu einem Ort, der Wüste. Um eine möglichst authentisches, sandiges Grundgeräusch zu erzeugen, rieben sie im Studio in Houston mit ihren Füssen über den Scheunenboden.

In "Diarabi" von Ali Farka Tourés legendärem Album "Talking Timbuktu" von 1994 mit Ry Cooder, hört man besonders gut, wie Vieux Farka Touré und Khruangbin-Gitarrist Mark Speer ihre Gitarren zusammen singen lassen. Ab und an legt Speer auch die Gitarre weg und spielt sphärische Orgelsounds ein.

Vieux Farka Touré spielt Trance-Blues, Khruangbin können musikalisch chillen – das verbindet sie. Das Ergebnis ihrer Kollaboration ist ein hypnotischer Sound aus Wüsten-Blues, Funk und Psychedelia. Touré brachte jeden Tag einen großen Fisch mit, den sie zusammen verspeisten – denn nichts verbindet so wie Musik und ein gutes Essen.