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Cover:  SZA mit Kill Bill

SZA: "SOS"

Seelenrettende Maßnahmen

Stand: 23.01.2023, 00:01 Uhr

SZA ist mit ihrem neuen Album im Pop-Olymp angekommen, sie ist Nummer 1 der US-Albumcharts und bekommt weltweit positives Feedback. Und das in einer Zeit, in der sich viele nur auf Jahresbestenlisten konzentrieren. "SOS" ist moderner Pop und 90er-R'n'B, Self-Empowerment und Seelen-Strip.

Von Marc Mühlenbrock

SZA: "SOS"

COSMO Album der Woche 23.01.2023 02:38 Min. Verfügbar bis 23.01.2024 COSMO


2017 nannte die damals 27-Jährige ihr Debüt-Album noch "CTRL". Es ging also um Kontrolle oder zumindest den Versuch, diese zu erlangen. Fünf Jahre später sendet SZA ein "SOS". Das Seenotsignal steht allgemein für "Save Our Souls". Für SZA ist das nicht die einzige Bedeutung. Sie verweist auf das Supreme Alphabet der afroreligiösen Vereinigung der Nation of Gods on Earth, darin steht der Buchstabe "S" für "sich selbst retten". Und: Wenn man den Albumtitel nicht als einzelne Buchstaben liest, ergibt sich der Spitzname Sos', mit dem SZA von all ihren Freunden und Freundinnen gerufen wird.

St. Louis Blues und Lady Di

Geboren ist SZA als Solána Imani Rowe in St. Louis, aufgewachsen ist sie in New Jersey. Vor ihrer Karriere als Sängerin hat sie zunächst Meeresbiologie studiert. Nach einigen Features für z.B. Rihanna und Maroon 5 wird sie international bekannt durch ihre Zusammenarbeit mit Kendrick Lamar für den "Black Panther"-Soundtrack. Auf dem Albumcover von "SOS" gibt es Verweise auf ihre Herkunft. Sie trägt ein Trikot des Eishockey-Teams der St. Louis Blues und starrt, den Blick von uns weg gerichtet, gedankenversunken aufs Meer. Das Foto ist eine Nachbildung eines der berühmtesten Bilder von Lady Di, welches in der Vergangenheit interpretiert wurde als Einsamkeit im goldenen Käfig.

Tarantino und Wu-Tang Clan

Diese Art von Querverweisen und Reminiszenzen sind typisch für die Kunst von SZA. Ihren Rache-Song für den Ex und dessen neuer Partnerin nennt sie "Kill Bill", dazu gibt es ein Video ganz im Stile des gleichnamigen Tarantino-Films. Ihren eigenen Namen hat sie als Tribut an den Wu-Tang Clan und dessen Mitglieder RZA und GZA gewählt. Da macht es nur Sinn, dass auf ihrem neuen Album ein Mitglied des Wu-Tang Clan rappt. Der verstorbene Ol' Dirty Bastard grüßt mit unverkennbar weirden Rhymes auf "Forgiveless" aus dem Jenseits. SZA hat seinen Rap-Part aus einem Sample genommen.

90er-R'n'B, Björk und Phoebe Bridgers

"Forgiveless" ist der versöhnliche Abschluss eines 23 Song starken Seelen-Strips zu modernem und Neunzigerjahre R'n'B, Trap und Oldschool HipHop und sogar Country Rock. Dazu holt SZA sich Hilfe von ganz großen Vorbildern und einer zeitgenössischen Weggefährtin. Sie lässt sich inspirieren von den arrivierten R'n'B-Heldinnen Destiny's Child, Mary J. Blige oder Aaliyah, samplet Alternative-Koryphäe Björk und kollaboriert mit der aktuellen Go-To-Sängerin im Indie, Phoebe Bridgers. SZA pendelt auf "SOS" zwischen impulsiver Wut, Self-Empowerment und psychischer Labilität. Sie macht für ihre mentale Gesundheit einen emotionalen Selbstheilungsprozess durch – und liegt damit ganz im Zeitgeist.