Silly Walks Discotheque "Forward"

Silly Walks Discotheque: "Forward"

Volle Kraft voraus!

Stand: 24.07.2022, 00:01 Uhr

Silly Walks Discotheque ist eines der dienstältesten Reggae Sound Systems Deutschlands. Die Masterminds dahinter, Oliver Schrader und Joscha Hoffmann, legen aber nicht nur Musik auf, sie produzieren auch. Nach drei Producer-Alben erweitern sie mit "Forward" ihr musikalisches Spektrum um Afrobeats.

Von Ellen Köhlings & Pete Lilly

Silly Walks Discotheque: "Forward"

COSMO Album der Woche 25.07.2022 02:36 Min. Verfügbar bis 26.07.2023 COSMO


Das Hamburger Sound System und Produzentenkollektiv Silly Walks Discotheque steht seit Jahren für die besten Reggae-Produktionen aus Deutschland. Das bezeugen Klassiker wie "Smile Jamaica" von Chronixx oder "Dreams Of Brighter Days" von Busy Signal und RC. Auf "Forward" haben sie ihren Fokus in Richtung Afrobeats verschoben. Sie laufen damit keinem Hype hinterher, sondern gehen den konsequenten nächsten Schritt. Denn Silly Walks gehörten zu den ersten, die mit Party-Reihen wie "Bongo Disco" und "Afroslot" Musik aus (West-)Afrika ein Forum in Deutschland gegeben haben.

Verwandtschaften

Mit "Forward" schlagen Silly Walks aber auch eine Brücke von Jamaika nach Afrika. Dabei liegt ihr Fokus auf Nigeria, dem Hotspot für Afrobeats. Während bei vielen hiesigen Sound System Partys Reggae und Dancehall durch Afrobeats ins Hintertreffen geraten, geht es Silly Walks darum, die Gemeinsamkeiten der Genres, der Vibes auszuloten. Mit "Forward" gelingt es Silly Walks, die vermeintlichen Grenzen zu verwischen, so dass man nicht auf Anhieb erkennt, ob ein Artist aus Jamaika oder Afrika stammt. So sehr sie Feuer und Flamme für Afrobeats sind, bleiben sich Silly Walks treu. Mit Demarco, Agent Sasco oder Eesah beziehen sie auch jamaikanische Künstler mit ein und machen mit ihnen sowohl Afrobeats, als auch Reggae, der sound-technisch auf der Höhe der Zeit ist. Gemäß dem Motto des ersten ghanaischen Präsidenten Kwame Nkrumah, dem das Album seinen Titel verdankt: "Forward ever, backward never!"

Verbindungen

Ein Projekt wie „Forward“ lebt von Verbindungen. So war es der langjährige Freund Ade Bantu, der die ersten Kontakte zu Künstler:innen in Lagos knüpfte. Dadurch konnte das Fundament für „Forward“ gelegt werden. Auch bei den Beat-Lieferanten setzen Silly Walks auf alte Bekannte wie Jr. Blender, der heute zum Team von Major Lazer gehört, aber Silly Walks schon seit 2004 mit Beats versorgt, und der deutsch-ghanaische HipHop-Produzent Ghanaian Stallion. „Forward“ verbindet in elf Stücken Deutschland, Jamaika, UK und Westafrika.

Vorreiter

Das Silly Walk'sche Gespür für Hits setzt sich auf "Forward" fort. Die Stärke der Hamburger liegt darin, vor Ort zu sein, an die Quellen der Musik zu reisen und in die Kulturen einzutauchen. So ist ihnen auf ihren Produzentenreisen nach Nigeria ein wahrer Coup gelungen. Sie konnten mit Ckay aufnehmen, bevor der durch den Megahit "Love Nwantiti" zu teuer für die Hamburger geworden ist – auch die erste Single-Auskopplung, "Maria", hat das Potential, sich an die Spitze zu setzen. Die zweite Single zeugt von einem Gespür für Geschichte, schließen Silly Walks doch mit Skales die 2010er Afrobeats-Generation mit ein, die damals vor allem London auf Trab hielt. Mit "Cho Cho Cho" beweist Punchline-Lieferant Skales, dass seine Tunes auch 2022 noch lange nachhallen. Doch "Forward" überzeugt nicht nur durch die Qualität der Produktionen oder die Akribie, mit der jeder einzelne Song angegangen wurde.

Vernarrtheit

Silly Walks punkten vor allem durch Leidenschaft und ihre Liebe zur Musik. Sie gehen ganz offen damit um, selbst Fans zu sein. So hat sich Oliver Schrader mit dem gemeinsamen Song mit der nigerianischen Sängerin Teni einen Herzenswunsch erfüllt. Vor ihrer ersten Begegnung konnte er vor Aufregung nächtelang nicht schlafen. Doch die durchgemachten Nächte haben sich gelohnt. Mit "Abeg", einem Song, über die Angst vorm Verlassen werden, konnte er Tenis wunderschön angeraute Stimme für das Album gewinnen. Ähnlich gerührt zeigt sich Schrader von Eesah, einem jungen aufstrebenden jamaikanischen Sänger, der mit der Reggae-Nummer "Rocking" das Album abschließt und Silly Walks somit zurück zu ihren Wurzeln führt.